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Petition gegen Vorhängeschlösser Die Last der Liebe

Schluss mit den Liebesversprechen für die (angebliche) Ewigkeit: Zwei US-Amerikanerinnen wollen die Brücken von Paris von Vorhängeschlössern befreien und haben eine Petition gestartet. Auch andere Städte kämpfen gegen die tonnenschweren Metallmassen.

Geschätzt 700.000 Exemplare hängen bereits an den Brücken von Paris, und täglich werden es mehr: Mit Liebesschlössern beschwerte Brüstungen sind nicht nur in Frankreichs Hauptstadt längst ein gewohntes Bild. Ausgerechnet zwei US-Amerikanerinnen wollen die Metallmassen nun endgültig loswerden: Sie sorgen sich um den Zustand der darunter verborgenen Bauwerke.

93 Tonnen Metall hängen nach ihren Berechnungen mittlerweile allein an der Fußgängerbrücke Pont des Arts, sagt Lisa Taylor Huff. "Die Brücken nehmen Schaden durch das Gewicht der Schlösser und durch den Rost, der auf die Brückenkonstruktion überspringt." Zudem verschmutzten die Schlüssel, die nach dem Anbringen im Wasser versenkt werden, die Seine.

Huff ist eine der beiden Frauen hinter der Initiative No Love Locks . Mittels einer Petition  wollen sie und Lisa Anselmo erreichen, dass die vor allem bei Touristen beliebten Brückenschlösser gesetzlich verboten werden. Mehr als 2000 Unterstützer haben sie dafür bislang gewonnen.

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Liebesschlösser: Freiheit für die Brücken!

Foto: © Charles Platiau / Reuters/ Reuters

Einst "charmante Idee", heute "purer Wahnsinn"

Alles begann Ende Januar mit einem Blog-Eintrag  von Huff, in dem sie die Entwicklung der Schlösser als Symbol ewiger Liebe beschreibt: Was einst 2008 als "charmante Idee" begann, sei heute "der pure Wahnsinn" - ein Wort, das auch der Bürgermeister des Bezirks, Jean-Pierre Lecoq, laut "Guardian"  benutzt, um den aktuellen Zustand zu beschreiben. Die Stadt hat bislang noch kein Verbot der Schlösser erteilt, behält sich neue Regelungen laut dem offiziellen Paris-Portal  aber vor.

Paris ist nicht die erste Stadt, in der die metallenen Liebesbeweise für Ärger sorgen: Touristen hinterlassen die Schlösser mittlerweile an Brüstungen überall auf der Welt. Spezielle Hersteller bieten sie in allen Größen und Farben, mit Gravur und ohne an. Sogar an kleinen Brücken in deutschen Vorstädten hängen sie mittlerweile. Viele Orte wollen das Metall loswerden, manche lassen die Schlösser regelmäßig entfernen - doch es tauchen immer wieder neue Exemplare auf.

Als die Verantwortlichen in Rom die Ponte Milvio im Herbst 2012 befreien wollten, stießen sie auch auf die Kritik von Schriftsteller Federico Moccia. Er soll den aktuellen Trend in Europa 2006 mit seinem Roman "Ich steh auf dich" ausgelöst haben. "Rom überlässt Paris die Liebesbrücken-Tradition, die hier ihren Ursprung hat und auch hier bleiben sollte", sagte Moccia damals. Nicht einmal zwei Jahre später wird offenbar auch Paris die Last zunehmend zu schwer.

emt
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