Bei Verspätungen EU-Ministerrat will Rechte von Flugreisenden verschlechtern

Flugreisende in der EU müssen sich auf weniger Rechte einstellen: Nach SPIEGEL-Informationen plant der Ministerrat, dass es Entschädigungen erst bei deutlich größeren Verspätungen geben soll als bislang. Kritiker warnen vor einer "Bauchlandung".

Flugzeuglandung in Berlin-Schönefeld: Verschlechterte Passagierrechte
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Flugzeuglandung in Berlin-Schönefeld: Verschlechterte Passagierrechte


Hamburg - Der EU-Ministerrat plant bei Flugverspätungen eine drastische Verschlechterung für Passagiere. Nach dem Entwurf eines gemeinsamen Standpunkts, der dem SPIEGEL vorliegt, müssten Airlines künftig auf Flügen bis 3500 Kilometern erst ab fünf, bis 6000 Kilometern erst ab neun und bei noch längeren Flügen erst ab zwölf Stunden Verspätung Entschädigungen zahlen. Heute haben Passagiere bereits ab drei Stunden Anspruch auf Kompensation.

Wenn Flüge annulliert werden, sollen Passagiere künftig erst nach fünf Stunden Kompensation erhalten. Heute dagegen gilt: Wird eine Verbindung gestrichen, haben Passagiere schon Anspruch auf finanziellen Ausgleich, wenn sie mit zwei Stunden Verspätung am Ziel ankommen. Verbraucherschützer beklagen, dass die Bundesregierung sich bislang nicht mit eigenen Ideen für den Schutz von Fluggästen eingesetzt hat.

Nun könnte der EU-Ministerrat bis Ostern Fakten schaffen. "Das gibt eine Bauchlandung", sagte Holger Krawinkel, Verkehrsexperte des Verbraucherzentrale-Bundesverbands, dem SPIEGEL. Auch die Opposition im Bundestag kritisiert die Entwicklung in dem europäischen Gesetzesverfahren. "Die Lobbyverbände der Fluggesellschaften haben ganze Arbeit geleistet", sagte der Grünen-Parlamentarier Markus Tressel dem SPIEGEL.

Das EU-Parlament hatte zwar kürzlich einen deutlich verbraucherfreundlicheren Entwurf vorgelegt. Doch der droht in den Verhandlungen mit der Kommission und dem EU-Ministerrat unterzugehen. Für diesen Fall warnt Verbraucherschützer Krawinkel: "Solange die Schwelle für die Entschädigungszahlungen nicht erheblich nach unten korrigiert wird, kann ich nur raten, das Gesetzesvorhaben einfach ganz scheitern zu lassen."

Erst vor einem Jahr hatte die EU-Kommission sich noch für die Stärkung von Passagierrechten im Flugverkehr eingesetzt. Auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte damals mit einem Urteil die Rechte von Reisenden gestärkt. Bislang können Reisende bis zu 600 Euro einfordern, wenn ihr Flug verspätet ist.

insgesamt 46 Beiträge
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noalk 09.03.2014
1. Wozu entschädigen?
Jeder Fluggast kann für sich eine Verspätungsversicherung abschließen.
eigene_meinung 09.03.2014
2. de facto
hat der Passagier doch sowieso keine Rechte. Die Fluglinien weigern sich zu zahlen, und der Rechtsweg ist mühsam, langwierig und teuer (die "Rechts"anwälte geben sich nicht mit den gesetzlichen Honoraren zufrieden und verlangen mehr, was auch im Fall, das man gewinnt, von einem selbst zu zahlen ist).
spmc-135322777912941 09.03.2014
3. Bisherige Regelung war zu grosszügig
aber was die jetzt vorschlagen ist eine Unverschämtheit.
zucker65 09.03.2014
4. sind das die Vorboten..
des Freihandelsabkommens mit der USA? Rechte runterschrauben? Wir werden sehen was alles so im laufe des Jahres wohlmeinend angepasst wird.
irritation 09.03.2014
5.
Zitat von noalkJeder Fluggast kann für sich eine Verspätungsversicherung abschließen.
Ich habe selten so einen gedankenlosen Kommentar gelesen. Wofür suche ich denn einen Flug zu einer bestimmten Zeit an einem b estimmten Tag? Wenn den Fluggesellschaften das zu lästig ist können Sie doch Flüge ohne Gatum und Zeit verkaufen. Wenn ich viel Geld zahle, um an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort loszufliegen und zu einer bestimmten Zeit an einem andern Ort anzukommen erwarte ich auch dass das passiert. Das ist die Leistung für die ich bezahle. Kann eine Fluggesellschaft diese Leistung nicht erbringen hat sie auch keine Bezahlung verdient. Selbstverständlich erwarte ich dafür eine Entschädigung von demjenigen der die bezahlte Leistung nicht erbracht hat. Und das nicht erst nach sechs Stunden. Ich denke wenn die Verspätung mehr als die Flugdauer beträgt sollte man mindestens 50% des Flugpreises erstatt bekommen. Dann haben Fluggesellschaften auch einen Anreiz pünktlich zu sein. Leider gibt es zu viele Strecken auf denen nur eine Fluggesellschaft operiert (wenn das mal kein Kartellverhalten ist) und speziell auf diesen nehmen sich Fluggesellschaften ganz schön was raus.
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