Skilifte öffnen für Frühaufsteher "Im Morgengrauen ist der Berg am schönsten" 

Silvretta Montafon

Der letzte Hauch der Nacht liegt noch über dem Ort Gaschurn, als wir in die Versettla-Gondel einsteigen. Langsam schweben wir über die verschneiten Tannen hinauf. Vor den Fenstern tanzen Schneeflocken durch die Morgendämmerung.

Die Lifte des Skigebiets Silvretta-Montafon sind seit 7.30 Uhr in Betrieb. Wer es schafft, ohne Umwege vom Bett in die Bergbahn zu steigen, kann also um kurz vor acht die ersten Schwüngen setzen - und das klingt für uns Skifahrer noch verlockender als eine Portion Kaiserschmarrn auf der Hütte. Ein paar Minuten später steigen Peter Marko und ich am Gipfel aus der Gondel. Marko ruckelt seine Ski auseinander, steigt in die Bindung und ruft: "Auf geht's, der Berg wartet. Am Morgen ist er am schönsten."

Marko, 51, muss es wissen, denn er kennt die Pisten von Silvretta-Montafon bestens. Von Dezember bis April ist er dort unterwegs, fast jeden Tag steht er auf Skiern. Marko ist Chef der Bergbahnen, und als er die ersten Kurven fährt, wird klar, dass das für mich ein sportlicher Vormittag wird. Ich drücke mich ab und versuche, dem Mann in der roten Jacke zu folgen.

Die nächste halbe Stunde fühle ich mich wie in diesem Traum, den wohl jeder von uns Skifahrer schon mal geträumt hat: Ich fahre über frisch präparierte Pisten. Ich bin allein. Meine Kanten ziehen durch die frischen Ratrack-Spuren. Ich drehe und wende die Skier, wie ich will, wechsele kurze Schwünge mit weiten Carvingbögen ab und genieße die Freiheit der Leere.

Außer Marko und mir sind an diesem Tag kaum andere Frühaufsteher unterwegs. Das Gelände trägt mich nach unten, so leicht war Skifahren schon lange nicht mehr.

Als Marko vor dem Sessellift abschwingt, pumpt mein Körper Endorphine nach. "Na, wie war's?" fragt er und grinst. Er kennt die Antwort schon, er hat schon oft am Morgen in diese glücklichen Skifahrergesichter geschaut.

Wie auf einem fliegenden Teppich

Das Angebot, das Skigebiet für Frühaufsteher schon im Morgengrauen zu öffnen, gibt es nicht nur im Montafon. Auf der Corviglia in St. Moritz zum Beispiel heißt der Spaß "White Carpet" - und wenn man mit Skiern an den Füßen und mit Blick auf die Engadiner Seenplatte den Morgen begrüßt, fühlt es sich wirklich großartig an.

In Davos laufen die Lifte jeden Mittwoch und Samstag ab 7.30 Uhr, der Frühsport kostet nicht einmal Aufpreis. Und in Bad Kleinkirchheim bekommt man auch noch prominente Begleitung: Zu bestimmten Terminen wartet der ehemalige Skirennläufer Franz Klammer um 6.30 Uhr an der Talstation und nimmt einen mit auf die schönsten Pisten des Skigebiets.

Aber es ist ungewöhnlich, dass ein Skigebiet gleich an vier Tagen seine Lifte so früh am Morgen anwirft. Sicher, manchmal ist nur das Hochjoch geöffnet, manchmal nur die Lifte auf der Silvretta-Nova-Seite. Und meist kostet der Extraspaß auch Extra-Euros. Aber samstags ist alles offen. Für alle. "Wir sind ein sportliches Skigebiet und wollen mit diesen Angeboten sportliche Fahrer ansprechen", sagt Marko.

Er sitzt im urigen Valisera-Hüsli, vor ihm dampft ein Kaffee, er hat Butterbrezeln bestellt. "Ich hatte kein Frühstück", entschuldigt er sich. Auch mir tut die kleine Pause gut, denn auf den leeren Pisten sind wir schon mehr Kilometer gefahren als an einem gewöhnlichen Vormittag. Eine Viertelstunde später steigen wir aber schon wieder in die Bindungen. Ich schaue auf die Uhr. Es ist gerade mal zehn vor elf. Vor uns liegt noch ein fast kompletter Skitag.

Zur Person
  • Louis Hermic
    Das Skifahren hat Stéphanie Souron schon mit vier Jahren gelernt. Heute verbringt die Journalistin ihre Freizeit am liebsten in den Alpen. Ihr Job als freie Autorin hat sie nach Hamburg verschlagen - inzwischen weiß sie, welche Fluglinien die Skier gratis transportieren und mit welchem Bus man am schnellsten ins Skigebiet kommt. Trotzdem ahnt sie: Eine Stadt ohne Berge und Schnee ist auf Dauer keine Lösung.

    Im Pisten-Blog erzählt Souron vom langen Warten auf den Schnee, von Neuheiten in den Skigebieten, philosophiert über das beste Hüttengericht und über alles, was im Winter draußen Spaß macht.



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
traumflieger 18.02.2015
1.
Was sind eigentlich Ratrack-Spuren ? Aber vielleicht muss man ja auch nicht alles wissen. Der Unwissende
Sibylle1969 18.02.2015
2. Kann ich verstehen
Morgens ist es einfach am schönsten. Ich bin auch immer am Lift, wenn er aufmacht, war aber noch nie in einem Skigebiet, das früher aufmacht als 8:30 Uhr. All die Langschläfer, die erst um 11 oder 11:30 Uhr auf die Piste kommen, wenn stark frequentierte Pisten schon total bucklig sind, wissen nicht, was sie verpassen. Und ich bin kein geborener Frühaufsteher, stehe im Skiurlaub aber früher auf als an normalen Arbeitstagen. Problem ist nur, dass es in den meisten Unterkünften erst ab 8 Uhr Frühstück gibt, das ist dann einfach zu spät! Und ohne Frühstück kann ich nicht auf die Piste gehen.
Sibylle1969 18.02.2015
3. Kann ich verstehen
Morgens ist es einfach am schönsten. Ich bin auch immer am Lift, wenn er aufmacht, war aber noch nie in einem Skigebiet, das früher aufmacht als 8:30 Uhr. All die Langschläfer, die erst um 11 oder 11:30 Uhr auf die Piste kommen, wenn stark frequentierte Pisten schon total bucklig sind, wissen nicht, was sie verpassen. Und ich bin kein geborener Frühaufsteher, stehe im Skiurlaub aber früher auf als an normalen Arbeitstagen. Problem ist nur, dass es in den meisten Unterkünften erst ab 8 Uhr Frühstück gibt, das ist dann einfach zu spät! Und ohne Frühstück kann ich nicht auf die Piste gehen.
galahad610 18.02.2015
4.
ratrack=pistenraupe.. :-)
borussenharry 18.02.2015
5.
1. Ratrack ist ein anderer Name für Pistenpräparationsgeräte, auch Pistenbullis genannt. 2. Ich liebe es ebenfalls, an einem schönen Morgen auf leeren Pisten fahren zu können, das ist das, was Skifahren ausmacht. Keine Querfahrer, keine Plötzlich-mal-schnell-Abstopper, nur das reine Vergnügen des Schwingens und Carvens - einfach genial. :-D
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