Lissabon
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Foto: Alexander Spatari / Getty Images

Einstufung als Virusvariantengebiet Was Urlauber mit Portugal-Plänen wissen müssen

Von Dienstag an gilt Portugal als Virusvariantengebiet – Rückreisende müssen eine lange Quarantäne einhalten. Was passiert jetzt mit dem geplanten Urlaub? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie ist die Coronalage in Portugal?

Mit 1604 neuen Corona-Ansteckungen binnen 24 Stunden war am Freitag in Portugal nach Behördenangaben der höchste Wert seit Februar registriert worden. Nach Angaben der EU-Behörde ECDC hat Portugal mit einer 14-Tage-Inzidenz von gut 124 den höchsten Wert aller 30 erfassten Länder. Zum Vergleich: Deutschland hat 25. Besorgniserregend ist vor allem die Lage in Lissabon, wo die Delta-Variante bereits mehr als 70 Prozent aller neuen Fälle ausmacht.

Wie hat sich die RKI-Einstufung Portugals verändert?

Das Robert Koch-Institut (RKI) teilte am Freitag mit, dass Portugal wegen der Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante des Virus ab Dienstag, 29. Juni, als Virusvariantengebiet eingestuft werde – zunächst für zwei Wochen. Dies bedeutet ein umfangreiches Beförderungsverbot für Fluggesellschaften, Bus- und Bahnunternehmen. Sie dürfen Bundesbürger und Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland aber zurückbringen.

Was bedeutet das für Reiserückkehrer?

Wer ab Dienstag aus Portugal kommend in Deutschland einreist, muss sich strengen Quarantäneregeln unterziehen. Für diejenigen, die einreisen dürfen, gilt eine 14-tägige Quarantänepflicht. Sie kann nicht durch einen Test verkürzt werden und gilt auch für vollständig Geimpfte und Genesene.

Die Bundespolizei an deutschen Flughäfen hat sich bereits am Wochenende vorbereitet. In Frankfurt zum Beispiel plant die Grenzbehörde, bei allen Passagieren der aus Portugal kommenden Flüge die vorgeschriebenen negativen Coronatests und die sogenannte Einreiseanmeldung direkt am Ankunftsgate zu kontrollieren.

Zusätzlich werden die Bundespolizisten alle Reisenden mit einem Flugblatt an die verpflichtende 14-tägige Quarantänepflicht erinnern. Intern erwarten die Beamten keine größeren Vorkommnisse, da die Airlines sowohl die Tests als auch die Anmeldung bei dem Onlineportal bereits vor dem Abflug in Portugal kontrollieren.

Nach Schätzungen des Deutschen Reiseverbandes DRV machen zurzeit etwa tausend Deutsche in Portugal Urlaub. »Es sind noch nicht so viele, weil Portugal erst seit Kurzem wieder leicht zugänglich ist«, sagte DRV-Sprecherin Kerstin Heinen.

Wie reagieren Veranstalter und Fluglinien?

Reiseveranstalter organisieren zurzeit Rückholflüge für Touristinnen und Touristen, die ihren Urlaub beenden wollen, bevor in der Nacht zu Dienstag die neue Einstufung des RKI in Kraft tritt. So habe das Unternehmen Olimar in Köln, das auf Portugal spezialisiert ist, seinen Gästen nach der am Freitag veröffentlichten RKI-Mitteilung eine rechtzeitige Rückkehr bis Montagabend angeboten.

»Etwa 20 Prozent unserer Gäste (mehr als 420) wollen aber nach derzeitigem Stand in Portugal bleiben«, sagte Sprecher Pascal Zahn der Deutschen Presse-Agentur. Rund 270 Touristen hätten das Angebot angenommen, am Sonntag in den Flieger Richtung Heimat zu steigen. Gut 50 seien bereits am Samstag zurückgeflogen, weitere rund 20 wollten das am Montag tun.

TUI-Sprecherin Stephanie Holweg sagte dem SPIEGEL: »Wir haben bereits am Sonntag frühere Rückreisen organisiert. Einzelne Rückflüge von den Kanaren machten einen Zwischenstopp in Funchal, um erste Gäste einzusammeln.« Bis Montag würden weitere Flüge ermöglicht.

Die Lufthansa teilte am Samstag mit, vorerst seien keine Änderungen bei Flügen von und nach Portugal geplant.

Was gilt für Urlauber mit gebuchten Portugal-Reisen?

Pauschalreisende können generell kostenfrei stornieren, wenn ihr Reiseland zum Risikogebiet erklärt ist oder wird. Bei Einstufungen als Hochinzidenz- und Virusvariantengebiete stornieren Veranstalter ihre Reisen von sich aus kostenfrei. So hat TUI alle Portugal-Reisen bis Ende Juli abgesagt, sagte Holweg. Den Kunden werde der Reisepreis erstattet, oder sie können kostenfrei auf ein anderes Ziel umbuchen. Auch Olimar bietet allen, die einen gebuchten Portugal-Urlaub nun nicht mehr antreten wollten, andere Urlaubsorte oder eine Verschiebung der Reise an.

Für Individualreisende gilt: Streicht die Airline den Flug, muss sie das Geld erstatten. Wenn der Flug aber wie geplant durchgeführt wird und der Passagier den Flug nicht antreten will oder ihn verfallen lässt, gibt es kein Geld zurück. Viele Fluggesellschaften bieten aber derzeit schon bei der Buchung kostenlose Umbuchungen an. Damit wäre es möglich, den Flug erst einmal kostenlos zu verschieben.

Die portugiesische Airline TAP bietet zum Beispiel eine kostenlose Umbuchung pro Flugticket  an. Für Flüge, die seit dem 1. Juni gebucht wurden, ist das bis zu drei Tage vor dem Abflug möglich, für Tickets, die zwischen dem 20. Januar und dem 31. Mai 2021 ausgestellt wurden, gilt dies nur bis 21 Tage vor Abflug.

Bei der Lufthansa sind Änderungen des Reisedatums  beliebig oft gebührenfrei möglich, solange sie vor dem ursprünglichen Reisedatum liegen. Soll der Abflugs- oder Zielflughafen geändert werden, ist dies nur einmal kostenfrei erlaubt.

Bei individuell gebuchten Unterkünften in Portugal gelten die bei der Buchung vereinbarten Stornierungsbedingungen.

Wie reagiert die Tourismusbranche auf die kurzfristige neue Einstufung?

Der Deutsche Reiseverband (DRV) übt Kritik und spricht sich für mehr regionale Differenzierung aus. »Es wäre wünschenswert, wenn die Verantwortlichen in der Politik zu einer regionaleren Betrachtungsweise übergehen könnten«, sagte DRV-Sprecherin Heinen der »Rheinischen Post«. Insbesondere Madeira weise eine sehr niedrige Inzidenz auf, die aktuell bei 16 liege, werde aber dennoch ab Dienstag wie ganz Portugal als Virusvariantengebiet eingestuft. »Das ist nur schwer nachzuvollziehen«, sagte sie.

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»Wichtig sind für die Reisewirtschaft und natürlich auch für die Reisenden klare und leicht verständliche Einreiseregeln und ein maßvoller und zielgerichteter Umgang mit Quarantänemaßnahmen«, sagte Heinen. Sie forderte andere Entscheidungsgrundlagen im Kampf gegen Corona. »Perspektivisch ist es notwendig, nicht nur für die Unternehmen der Reisewirtschaft, sondern für unser gesamtes Wirtschafts- und Gemeinwesen, bei den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung eine Weiterentwicklung weg von der strengen, ausschließlichen Orientierung an Inzidenzwerten hinzubekommen.«

Olimar-Sprecher Pascal Zahn sagt, man höre von den Gästen, »dass sie nicht verstehen, dass man ganz Portugal so eingestuft« habe. Als Tourist habe man einen anderen Eindruck. Länder wie etwa die Niederlande hätten anders entschieden und am Freitag nur die besonders schwer getroffene Region um Lissabon als Risikogebiet eingestuft.

abl/mgb/dpa
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