Public Viewing auf Sylt Mit Gottes Segen in die Torschlacht

Urlauber auf Sylt verfolgen während der Fußball-EM in wahrhaft feierlicher Umgebung die Spiele der deutschen Mannschaft: Die evangelische Kirche in Wenningstedt öffnet ihre Türen für Fußballfans.


Wenningstedt - Seine Fußballschuhe wird Pastor Rainer Chinnow in den kommenden Wochen öfter anziehen als sonst: Zusammen mit dem schwarzen Talar und dem weißen Halskragen gehören sie zur Amtskleidung zur Europameisterschaft 2008. Erster Einsatz ist am Sonntag, wenn Deutschland gegen Polen antritt.

Eine Halbzeit vor Anpfiff - also 45 Minuten vorher - wird der Seelsorger der Gemeinde Wenningstedt auf Sylt den Gottesdienst auf der Insel ganz im Zeichen des Fußballs feiern und anschließend die in Fankleidung erschienenen Mitglieder und Touristen zum Public Viewing in den Gemeindesaal bitten. „Unsere Kirche ist an solchen Tagen immer voll – und der Saal natürlich auch", sagt Randi Ußner von der Kirchengemeinde.

Bereits bei der Fußball-Weltmeisterschaft vor zwei Jahren hatte das regelmäßige Public Viewing vor der Kirche viele Touristen und Gäste angezogen, die sonst um die Kirche eher einen Bogen machen. Diese Erfahrung hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bundesweit gemacht: „Wir waren überrascht von diesem Riesenerfolg", sagt Sprecherin Silke Römhild. Selbstverständlich stehe die Werbung um neue Mitglieder nicht im Vordergrund, doch habe das Public Viewing viele Menschen zum ersten Mal mit dem Gemeindeleben in Kontakt gebracht.

Nicht nur in Wenningstedt haben Fußballfans während ihres Urlaubs die Möglichkeit, die Spiele auf Großleinwänden in Gemeinschaft zu verfolgen. Alle Kirchengemeinden können sich grundsätzlich bei der EKD über die Web-Seite zum Public Viewing anmelden, täglich kommen neue Anmeldungen hinzu. Die Dachorganisation hat für alle Gemeinden eine Genehmigung des Lizenzgebers für die öffentliche Live-Übertragung vereinbart und mit der Gema eine pauschale Übernahme der entsprechenden Gebühren vertraglich geregelt.

Die meisten Gemeinden veranstalten ihr Public Viewing in Gemeindesälen, andere hängen gleich die Leinwand vor dem Altar auf, so wie die St. Pauli-Kirche in Hamburg. Auf Sylt wird Pastor Chinnow, der selbst aktiver Fußballer bei den „Heiligen Kickern" ist, in jedem Fall während des Gottesdienstes den Altar mit den Flaggen der beiden Mannschaften verhüllen und um faire Spiele bitten. Mit Gottes Segen ausgestattet, dürfte dann auch einem Sieg der Deutschen nichts mehr im Wege stehen.

reh



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