Puerto Portals Mallorcas edelster Yachthafen

Helge Sobik

Von Helge Sobik

2. Teil: Bloß keine Verbrüderungsrituale


Die Mieter der Liegeplätze sind für ihn Kunden, denen er guten Service bieten möchte - ausdrücklich ohne Verbrüderung, ohne Begrüßungs-Küsschen und anschließenden Champagner-Empfang. Wird er zu Bord-Partys eingeladen, geht er nicht hin. Nur für den spanischen König macht er eine Ausnahme. Weil es sich dort so gehört. Ansonsten muss die nötige Distanz gewahrt werden: "Ich betrete möglichst kein fremdes Schiff", erklärt er und zieht mit einem Ruck das dunkelblaue Sakko zurecht.

Das "Tristan" aber betritt er durchaus. Ganz normal, als zahlender Gast. Aber wer die Leute an den Nachbartischen sind, wer die auf den Yachten direkt davor am Pier, wer überhaupt die Eigner in "seinem" Revier - das ist dem Hafenkapitän von Puerto Portals nicht so wichtig. Für ihn sind alle gleich - ob Hollywood-Star oder Öl-Milliardär aus Arabien, ob nordeuropäischer König oder zu Geld gekommener Internet-Start-up-Gründer aus Osteuropa. Ob jemand eine Fußballmannschaft mit Uefa-Cup-Klasse besitzt und tagtäglich durch internationale Klatsch-Gazetten geistert oder mit einer Fabrik für Dichtungsringe reich geworden ist, hat keinen Einfluss auf seine Gunst. Oder auf den Liegeplatz.

Ähnlich bodenständig begegnet "Tristan"-Küchenchef Gerhard Schwaiger seiner Klientel. Er hat keine Yacht, geht gerne Angeln, fährt in seiner Freizeit in die Berge und liebt es, selber in den beiden Markthallen von Palma einkaufen zu gehen. Für neue Gerichte auf der Jahr für Jahr wechselnden Speisekarte experimentiert er zu Hause - und grundsätzlich geht er in seinem Restaurant nicht von Tisch zu Tisch zum Händeschütteln. "Er geht nicht hinaus", sagt seine Assistentin, "aber die Gäste sind herzlich eingeladen, ihn in der Küche zu besuchen."

Boote und Promis als Fotomotive

Puerto Portals ist längst auch erste Wahl für Schaulustige, für Flaneure, sogar für Leute, die Steuerbord und Backbord nicht unterscheiden können, aber einen halben Urlaubstag lang maritime Atmosphäre aufsaugen und ein paar tolle Boote fotografieren möchten. Sie hoffen darauf, wenigstens ganz kurz auf irgendeinem Deck Antonio Banderas oder Melanie Griffith zu entdecken, Michael Douglas oder Catherine Zeta-Jones, Boris Becker oder Claudia Schiffer. Oder wenigstens auf der Landseite ein paar Fernseh-Ansagerinnen und Musik-Sternchen auf dem Laufsteg der Eitelkeiten zu entdecken.

Deshalb ist der Ort auch erste Adresse für Paparazzi. "Die wissen meistens mehr als ich", gibt Eraso zu. "Die können sagen, wer an Bord ist, wem ein Boot wirklich gehört, das bei uns bloß auf einen Firmennamen eingetragen ist. Sie fotografieren Leute, die ich nicht erkennen würde."

Einen übersehen sie trotzdem häufig: den älteren Herr mit Polohemd und Schirmmütze, der regelmäßig im "Flanigan" gleich gegenüber vom "Tristan" im Freien frühstückt, ehe er segeln geht. Erst bei genaueren Hinschauen fällt er auf - und nur deshalb, weil die Männer an den Nachbartischen ein bisschen stämmiger als üblich und mit ihren dunklen Sakkos irgendwie overdressed sind. Weil sie sehr coole Sonnenbrillen tragen und kleine Stöpsel im Ohr. Und weil sie ab und zu in ihre Uhr sprechen oder etwas in den eigenen Sakko-Kragen flüstern.

Spaniens König Juan Carlos ist mit seinen Bodyguards Stammgast in Puerto Portals. Er ist Frühaufsteher: Wenn die meisten Flaneure kommen, wenn die übernächtigten Paparazzi endlich aus dem Bett steigen, ist er meist schon längst auf dem Wasser unterwegs.



insgesamt 11 Beiträge
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heinrichp 07.09.2011
1. Promi-Guckern
Zitat von sysopTreffpunkt der Hollywoodstars und Ölmilliardäre: Viele der Yachtbesitzer, die in Puerto Portals auf Mallorca anlegen, gehören zur weltweiten A-Prominenz. Beliebt ist der Ort bei Paparazzi und Promi-Guckern - die müssen manchmal gut aufpassen, um besonders berühmte Besucher nicht zu übersehen. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,784771,00.html
Da gehe ich doch lieber in den Wald und bewundere die Natur als mir all diese Yachtbesitzer anzuschauen, lach http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/article-revolution-76581484.html
janne2109 07.09.2011
2. langweilig
1) ist der Promifaktor bei B äußerst langweilig und wirkliche A-People werden gar nicht erkannt und das ist gut 2) mußte ich erst nach dem Datum des Artikels schauen, denn der König nimmt schon lange sein Frühstück dort nicht mehr ein. 3) ist auch der Artikel so unwichtig wie ein Kropf
Alzheimer, 07.09.2011
3. Eigentlich
gehört dieser Artikel eher in ein Käseblättchen wie Bunte und Co..
adazaurak 07.09.2011
4. soso
schön das letzte Photo der Bilderstrecke, die Hühnerkäfige deren die sich krummbuckeln, damit die Verbrecher ihre Böotchen bekommen. Wäre doch mal einen Abstecher wert, Puerto Portals, und die Mollis nicht vergessen ;-)
leloup717 07.09.2011
5. Kaserne Kaserne
Eins muss man die Mallorciern lassen: Unangenehme Sauftouristen und unangenehme Geldtouristen werden geschickt kaserniert, ohne dass die Insel im übrigen Schaden nimmt
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