Playa de Palma, Mallorca, Anfang August: Auf den Balearen nähert sich die Zahl der Neuinfektionen dem kritischen Wert
Playa de Palma, Mallorca, Anfang August: Auf den Balearen nähert sich die Zahl der Neuinfektionen dem kritischen Wert
Foto: Michael Matthey / imago images/Michael Matthey

Reisewarnungen in der Coronakrise Was Spanien-Urlauber jetzt wissen müssen

In manchen Teilen Spaniens steigt die Zahl der Corona-Infektionen wieder an. Inzwischen warnt die Bundesregierung vor Reisen in fünf Regionen. Der Überblick.

Dürfen deutsche Urlauber überhaupt nach Spanien reisen?

Urlauber aus der EU und den Schengenstaaten dürfen seit dem 21. Juni wieder unbegrenzt nach Spanien einreisen. Wieder gestiegene Corona-Zahlen bereiten allerdings seit vielen Tagen immer mehr Sorgen. Das Auswärtige Amt hat daher für manche Regionen eine Reisewarnung  verhängt. Die Warnung ist eine Empfehlung, kein Reiseverbot.

Für welche Regionen gilt eine Reisewarnung?

Die Bundesregierung warnt nun auch vor Reisen in die spanische Hauptstadt Madrid und ins Baskenland. Beide Regionen sollten aufgrund hoher Infektionszahlen und örtlicher Absperrungen gemieden werden, erklärte das Auswärtige Amt am Dienstagabend.

Ende Juli hatte die Bundesregierung bereits für Navarra, Aragonien und Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava eine Reisewarnung erlassen. Das geschieht in der Regel, wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen die Marke von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen übersteigt. Die Pandemie sei aber im ganzen Land weiter im Griff, versichert die Zentralregierung in Madrid.

Länder wie Großbritannien oder Norwegen ordneten allerdings sogar Zwangsquarantäne für Rückkehrer aus Spanien an. Auch Österreich hat eine Reisewarnung für das spanische Festland verhängt. Wer dort war und nach Hause zurückkehrt, muss einen negativen Test vorlegen oder sich in Heimquarantäne begeben.

Was bedeutet die Reisewarnung für Urlauber?

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Regionen, in denen die Reisewarnung gilt, zuvor als Risikogebiete eingestuft. Das heißt, dass Reisende bei ihrer Rückkehr nach Deutschland etwa aus Madrid oder von der Costa Brava einen kostenlosen verpflichtenden PCR-Test machen müssen (mehr dazu hier).

"Sollten Pauschalreisegäste bereits in einem solchen Gebiet Urlaub machen, werden sie auf Kosten des Veranstalters zurückgeholt", erklärt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV). "Individualreisende dagegen müssen sich im Fall der Fälle selbst um eine Rückreise kümmern und diese auch selbst bezahlen". Solche Reisenden schützt auch eine eventuell abgeschlossene Reiserücktrittsversicherung nicht: Reisewarnungen seien grundsätzlich nicht versichert, so der Bund der Versicherten (BdV).

Generell ist eine Reisewarnung  eine Empfehlung des Auswärtigen Amtes - sie ist aber "kein Reiseverbot", wie Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg sagt. Wer trotzdem in die betroffenen Länder oder Regionen reisen will, könne das machen. Möglich ist das für Individualreisende, die alle Bausteine einer solchen Reise wie Flüge und Unterkünfte selbst buchen. Pauschalurlaube bieten Reiseveranstalter für Länder mit Reisewarnung dagegen meist nicht an.

Wer trotz Reisewarnung in die betroffenen Regionen reist, muss aber mit Auswirkungen auf eine Reiserücktritts- oder Auslandskrankenversicherung rechnen. Letztere kann dann das Bezahlen von Arztkosten im Reiseland verweigern. Und die Rückerstattung von Kosten bei freiwilliger Stornierung ist eingeschränkt.

Was ist, wenn eine Reise in die Region mit Reisewarnung bereits gebucht ist?

Für deutsche Reiseveranstalter ist eine Reisewarnung bindend. Sie sagen Pauschalreisen ab und erstatten die Anzahlungen, sobald das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für ein Land oder eine Region ausspricht. Urlauber können dann aber auch ihrerseits kostenlos den Reisevertrag kündigen.

Wer selbst Flug und/oder Unterkunft gebucht hat, hat nur Anspruch auf kostenlose Stornierung, wenn das Ziel nicht erreicht werden kann. Im Ausland kann es schwierig sein, das einzufordern. Eventuell werden Flüge in betroffene Urlaubsregionen auch von den Airlines selbst abgesagt - dann sollte das Ticket erstattet werden.

Wie hoch ist das Risiko, jetzt einen Urlaub zum Beispiel im Herbst dorthin zu buchen?

Grundsätzlich gilt: "Wenn ich bei bestehender Reisewarnung buche, habe ich diese in Kauf genommen", erklärt die Reiserechtsexpertin Sabine Fischer-Volk von der Kanzlei Karimi in Berlin. Will man dann doch nicht mehr reisen, kann man nicht mit Verweis auf die Reisewarnung beim Veranstalter kostenfrei stornieren. Pauschalreisen allerdings sollten bei bestehender Reisewarnung vom Veranstalter selbst abgesagt werden.

Falls jedoch die Reisewarnung aufgehoben ist und die Reise stattfindet, besteht kein Recht mehr auf gebührenfreien Rücktritt - auch wenn dem Urlauber plötzlich Bedenken kommen. Anders ist es, wenn der Aufenthalt wegen außergewöhnlicher Umstände erheblich beeinträchtigt ist. Dazu können gravierende Reiserouten-Änderungen gehören oder wenn gebuchte Sehenswürdigkeiten aus dem Programm geflogen sind. Hier kommt es auf den Einzelfall an.

Wer sichergehen will, dem rät Fischer-Volk dazu, in diesem besonderen Urlaubsjahr 2020 am besten nur Reiseangebote zu buchen, bei denen bis zum Reiseantritt oder kurz davor ausdrücklich ein kostenfreies Rücktrittsrecht besteht. Viele Firmen geben außerdem eine Rückholgarantie. "Manche Veranstalter handhaben es so: Wenn man jetzt bucht, kann man bis zu zwei Wochen vorher kostenfrei stornieren", bestätigt Verbraucherschützerin Rehberg.

Was ist bei der Einreise zu beachten?

Wichtig für alle Spanien-Besucher: Sie müssen ab 48 Stunden vor der Grenzüberschreitung ein Onlineformular ausfüllen, das im Spain Travel Health-Portal  zur Verfügung steht. Dann erhalten sie einen QR-Code, der bei der Einreise per Flugzeug vorzuweisen ist.

Was erwartet Urlauber im Land?

In Spanien gelten strenge Corona-Regeln wie etwa Maskenpflicht nicht nur in geschlossenen öffentlichen Räumen, sondern auch im Freien, Abstandsregeln sowie Beschränkungen der Gästezahlen in Restaurants und anderen Einrichtungen. In großen Städten wie Barcelona oder Madrid, aber auch auf Mallorca ist das Nachtleben stark eingeschränkt. Vier kleinere Gebiete in Kastilien-León und Murcia sind wegen lokaler Ausbrüche abgeriegelt.

Wie sieht es auf Mallorca aus?

Auch auf den Balearen steigen die Infektionszahlen. Die Regionalregierung beteuert aber, dass weit mehr als früher getestet werde und die meisten Fälle asymptomatisch seien, schrieb die "Mallorca Zeitung". Zudem würden Infektionsketten schnell unterbrochen.

Nach offiziellen Angaben sind auf den Inseln insgesamt mehr als tausend aktive Corona-Fälle registriert. Binnen 24 Stunden seien am Dienstag 228 Neuinfektionen festgestellt worden. Erstmals kletterte der Wert damit auf leicht über 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Noch sind die Inseln - wie auch die Kanaren sowie der Süden Spaniens - vom RKI aber nicht zu einem Risikogebiet erklärt worden.

Wenn die Infektionszahlen auf der bei deutschen Urlaubern beliebten Inselgruppe weiter so steigen wie bisher, könne dies aber bald der Fall sein, schrieb die deutschsprachige "Mallorca Zeitung". Für die extrem vom Tourismus abhängigen Inseln wäre das ein weiterer schwerer Schlag. Zuvor hatte schon die Ende Juli angeordnete Quarantänepflicht in Großbritannien für Rückkehrer aus Spanien für einen Einbruch bei den Buchungen gesorgt.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben den ersten Absatz der Frage "Was bedeutet die Reisewarnung für Urlauber?" präzisiert - seit 8. August gilt eine Testpflicht  für alle Urlauber, die aus Risikoländern und -regionen zurückkommen.

abl/dpa
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