Neue Kochbücher fürs Outdoor-Leben Campingküche de luxe

Fischcurry aus dem Feuertopf statt Ravioli aus der Dose: Die Ansprüche an die Campingküche steigen, wie vier neue Bücher zum Thema zeigen. Draußenköche sollten die Rezepte aber besser vor der Reise studieren.

Iwan Hediger & Yves Seeholzer/ Knesebeck Verlag

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Da stand sie also in der knallenden Mittagssonne: eine mit dem Taschenmesser geöffnete Dose Ravioli. Wir hatten sie auf der Motorhaube des roten Golfs, der uns an die holländische Küste gefahren hatte, platziert. Wenn wir später vom Strand zurück auf dem Campingplatz kämen - so der Plan -, würden die Nudeln wohl warm sein. Wir hatten nicht vor, unsere Ferienzeit mit Einkaufen oder Kochen zu verschwenden. Irgendetwas sollte uns einfach satt machen.

Keine Ahnung, ob so leidenschaftlichen Camping-Köchinnen wie Sonja Stötzel oder Linda Ly lachen oder weinen, wenn ihnen jemand von solchen - zum Glück verjährten - Draußenmenüs erzählt. Fest steht: Sie und einige andere Kochbuchautoren wissen, wie Campingküche viel leckerere Gerichte produzieren kann. Und machen mit ihren Büchern Lust, den Draußenurlaub kulinarisch ein bisschen ambitionierter anzugehen.

Dann gibt's Cannelloni aus dem Feuertopf statt Ravioli aus der Dose, gegrillten Weißkohl mit Gorgonzola-Vinaigrette statt angekokelte Paprikaschoten. Oder Aprikosenschmarren mit Thymian statt Pfannkuchen. Vielleicht nicht an jedem Campingtag, aber das Schöne an Kochbüchern ist ja eben auch, dass sie einem zeigen, was es geben könnte, wenn, ja, wenn sich einer etwas früher als die anderen vom Seeufer oder Strand aufmacht, um schon mal zu schnibbeln und anzufeuern.

"Die neue Outdoor-Küche": Langer Einkaufszettel, magisches Kochen

Blaubeer-Scones aus der gußeisernen Pfanne zum Frühstück, Flanksteaks vom Grill mit Fingerling Kartoffeln und Chimichurri zum Abendbrot, und zwischendrin gibt's eine selbstgemachte Mimosa-Sangria, um auf das Draußenleben anzustoßen.

In ihrem Buch mit 90 Rezepten und vielen nützlichen Tipps rund ums Einrichten und Betreiben einer Campingküche feiert die US-Amerikanerin Linda Ly das Glück, unter freiem Himmel vor Pfannen und Töpfen zu stehen: "Ja, beim Campen dauert das Kochen länger als zu Hause. Sie müssen erst den Herd aufbauen oder das Feuer in Gang bringen, die Hitze justieren oder die Kohle aufschichten... Aber diese 'Arbeit' ist für mich etwas Schönes. Im Freien zu kochen führt dazu, dass man langsamer wird, die Dinge mit mehr Leichtigkeit angeht und bewusster wahrnimmt", sagt sie.

Für Ly gehören das Wetter und die Aussicht genauso zu einer Mahlzeit wie die Zutaten. Und dann sei da noch dieses fast Unbeschreibliche: "Das Kochen in der Natur hat etwas Magisches." Nach diesen motivierenden Worten, muss man eigentlich nur noch einen (nicht wirklich kurzen) Einkaufzettel abarbeiten, brutzeln - und auftischen.

Camperglück: Blaubeerscones zum Frühstück
Will Taylor

Camperglück: Blaubeerscones zum Frühstück

Preisabfragezeitpunkt:
21.05.2019, 11:40 Uhr
Ohne Gewähr

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Linda Ly
Camping Kochbuch: Die neue Outdoorküche. 90 Gerichte für Genießer auf Tour. Leckere Campingküche. Rezepte für Camper. Kochen im Freien.

Verlag:
NG Buchverlag GmbH
Seiten:
208
Preis:
EUR 29,99

"Die Familien-Campingküche": Kichererbsen für die Kinder

Draußen kochen: eine Familienangelegenheit
Silvio Knezevic/ Gräfe und Unzer Verlag

Draußen kochen: eine Familienangelegenheit

"Ich möchte nicht jeden Tag Nudeln mit Tomatensauce oder Kartoffelbrei und Fischstäbchen essen, nur weil meine Kinder dies am liebsten täten" - Sonja Stötzel, zweifache Mutter und Foodbloggerin, ist überzeugt, dass man den eigenen Geschmack weder am heimischen Esstisch, noch auf dem Campingplatz aufgeben muss, nur weil Kinder mit dabei sind.

Warum also nicht mal einen Kichererbsensalat ausprobieren? Baguette mit Hähnchenbrust und Joghurt, Ajvar (Kinder bekommen Ketchup) und Babyblattspinat, Frühstücksquesadillas mit geschmolzenem Käse und Guacamoledip? Oder Brotsalat mit gegrillten Nektarinen?

Stötzels Rezepte sind familienkompatibel und meist so zügig zubereitet, dass noch viel vom Draußentag übrig bleibt. Am Ende der Saison, wenn die Camping-Ausrüstung wieder in den Keller oder auf den Speicher gewandert ist, bekommt dieses Kochbuch einen Platz in der heimischen Küche. Sollte irgendwer mal wieder nach Nudeln mit Tomatensoße krähen, hat man schnell einige gute Gegenargumente zur Hand.

Preisabfragezeitpunkt:
21.05.2019, 11:30 Uhr
Ohne Gewähr

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Sonja Stötzel
Die Familien-Campingküche: Wenn’s allen schmeckt, ist der Urlaub gerettet (GU Themenkochbuch)

Verlag:
GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH
Seiten:
160
Preis:
EUR 16,99

"Dutch Oven": Alles aus einem Topf

Cannelloni aus dem Feuertopf
EMF/ kitchenkiss photography

Cannelloni aus dem Feuertopf

Auch nicht ganz unwichtig, wenn man in einiger Spülmaschinenentfernung kocht: den Abwasch in Grenzen halten. Ein ziemlich praktischer Camping-Gefährte - und obendrein ein prima Geschenk für kochwütige Draußenmenschen - ist der Dutch Oven.

Ein gusseiserner Feuertopf, der - ist er einmal eingebrannt, - wenig Pflege braucht, dafür aber ziemlich viel kann, wenn man ihn auf glühende Briketts stellt und ihm noch welche auf den Deckel gibt: Nach 20 Minuten gibt er ein Fischcurry mit Rotbarsch frei. Zehn Minuten länger braucht ein Börek aus Yufka-Teig mit Joghurt und Schafskäse. Etwa eine Stunde schmoren die Rinderbeinscheiben.

50 Feuertopf-Rezepte hat die Stuttgarter Köchin und Unternehmerin Mora Fütterer aufgeschrieben und verrät das Wichtigste rund um das Grillen, Kochen, Braten, Schmoren, Räuchern und Backen mit dem dickwandigen Topf.

Preisabfragezeitpunkt:
21.05.2019, 11:10 Uhr
Ohne Gewähr

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Mora Fütterer
Dutch Oven – Ja, ich grill! 50 Feuertopf-Rezepte zum Niederknien: Outdoor-Küche am Lagerfeuer

Verlag:
Edition Michael Fischer / EMF Verlag
Seiten:
160
Preis:
EUR 22,00

"Great Adventure Cooking": Ein Geländewagen für die Zutaten

Ein guter Dip geht immer
Iwan Hediger & Yves Seeholzer/ Knesebeck Verlag

Ein guter Dip geht immer

Bis ans Ende der Welt nehmen die Schweizer Köche und Fotografen Iwan Hediger und Yves Seeholzer ihre Leser mit. Auf einem mehrwöchigen Roadtrip durch Neuseeland haben die beiden 48 vegane und vegetarische Rezepte entwickelt und oft mit viel Geduld (der Wind!) ziemlich appetitmachend in Szene gesetzt. Zwischen Limetten-Gurken-Couscous mit Oliven und Pfannengemüse oder Kichererbsen-Ananas Curry (alles in nur zwei Pfannen zuzubereit) erzählen Hediger und Seeholzer von ihren Abenteuern und garnieren ihre Erzählungen mit tollen Fotos.

Ins Staunen versetzt einen allerdings nicht nur die Weite der neuseeländischen Natur, sondern auch die Menge der Zutaten, die Hediger und Seeholzer in ihrem Geländewagen mit den beiden Dachzelten bei sich haben. Kaffirlimetten-Blätter, verschiedene Öle und Mehlsorten, Sesampaste, frischer Majoran oder Kardamomkapseln. Wo in aller Welt soll man das beim Campen alles herbekommen?

Vielleicht ist es also ganz richtig, wenn die Autoren darauf hinweisen, dass sie ein Buch zum Mitreisen und Nachkochen geschrieben haben: Letzeres versucht man als Nicht-Profi tatsächlich vielleicht am besten zuerst zu Hause in der heimischen Küche.

Preisabfragezeitpunkt:
21.05.2019, 11:20 Uhr
Ohne Gewähr

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Iwan Hediger, Yves Seeholzer
Great Adventure Cooking: Kochen. Reisen. Abenteuer. Vegane und vegetarische Outdoor-Rezepte (Vanlife, Camping-Küche, Neuseeland)

Verlag:
Knesebeck
Seiten:
224
Preis:
EUR 25,00


insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
chrismuc2011 01.05.2019
1.
Wenn ich mir vorstelle, in einem vollklimatisierten LKW Campingmobil mit Anhänger durch die Sahara zu fahren, Abends der Butler zusammen mit dem Koch das Essen zubereitet und serviert, man zur Not den Rotbarsch und Spezialsaucen mit dem Hubschrauber einfliegen lässt, dann kaufe ich mir so ein Kochbuch. Wenn ich mir vorstelle mit drei Kindern, Frau und Hund mit einem Wohnwagen nach Kroatien zu fahren, wo der Wohnwagen eh schon überladen ist, man in Rovinj sicher kein exotisches Juppiefood im dortigen Supermarkt bekommt, die Mutter mal von Haushaltspflichten entlastet werden soll, un man eh den ganzen Tag am Strand ist, dann gibt es Cevapcici, einen Salat und vielleicht noch Pommes, am nächsten Tag gegrillten Fisch, am übernächsten Spaghetti Bolognese. Und wenn ich mir einen Zelturlaub mit dem Fahrrad vorstelle, gibt es nur Gegrilltes mit Baguette. Denn transportieren muss ich das Ganze ja auch noch. Wer Camping derart, auch kulinarisch, perfektionieren will, hat Camping nicht verstanden, der sollte sich in einem fünf Sterne Hotel einmieten.
anders_denker 01.05.2019
2. Irgendwie hat das nicht mit Zelten, Campen, und Touren zu tun
es mag hipp sein, irgendwie draussen zu kochen. Wen es aber der zeitliche Hauptaufwand wird, warum fahre ich dan raus bzw. warum benötige ich für alles gefühlt einen Vierzigtonner. Selbst ein normales Wohnmobil hat nicht ewig platz (aber oft schon einen ordentliche Kochniesche). Wer mit Rad oder zu Fuß unterwegs ist (oder auch mit dem Pferd, Motorrad etc.) wird keine Möglichkeit haben derartiges mitzuschleppen. Aber, darauf kommt res an, auch nicht unendlich viele Ravioli Dosen. Die sind (ist) evtl. die Notration. Sonst versucht mal lokal/regional etwas zu kaufen, das sich mit minimalem Aufwand nah Geschmack zubereiten lässt. Oft schon reichen Pfeffer und Salz. Geschickt gekauft hat man Produkte für Abendessen und Frühstück - keine Reste, kein wegwerfen. Damit ist man näher an der Natur als Alibi-Camper die in der Prärie ihre Premium Küche benötigen.
willhelm.schmitz 01.05.2019
3. Also,
bei meinen Motorradtouren inklusive Camping wäre niemand auf die Idee gekommen, nobel mit Campingkochutensilien zu kochen.... was für ein "sinnloser" Aufwand. Klar, ein kleiner Gsakocher ist immer dabei, meist für den morgentlichen Kaffee, das wars aber auch schon. Wer Geld für Urlaube hat, sollte auch Geld für eine zumindest einfache Verpflegung haben.... in den Urlaubsregionen Europas findet man immer günstige Restaurants mit annehmbarer Küche... (ein paar Ausnahmen in Südfrankreich betätigen diese Regel nur...) . Ausserdem zählt für Motorradurlaube ausschliesslich mit möglichst wenig Gepäck zu reisen;-))), das übliche "Gedönse" muss in eine grosse Packtasche passen ......
melcsi 01.05.2019
4. Platzmangel
Natürlich würde ich gerne mal so kochen, wie es in diesem Artikel beschrieben wird. Die Realität sieht in unserer Familie allerdings anders aus. Bei vier Personen im Ford Focus (2 Erwachsene, 2 Teenager) bleibt nicht viel Platz, wenn Zelt, Schlafausrüstung und Kleidung gepackt sind. Bisher haben wir gut überleben können, mit unserem kleinen Campingkocher, den zwei Töpfen, der Pfanne und dem faltbaren Grill. Aber wenn ich so kochen wollte, wie in diesen Büchern, da bräuchte ich Platz für Zutaten und eine Kühlmöglichkeit (unsere Kühltaschen sind halt kein Kühlschrank). Naja, in ein paar Jahren werden die Kinder aus dem Haus sein, dann werden wir mehr Platz im Auto haben. ;-)
frenchie3 01.05.2019
5. Liebe Leute, CAMPING !!
Von was für Camping reden wir denn? Wohnwagen? Da braucht man keine "Camping"rezepte, man hat die Küche dabei. Wer daheim aufwändig kocht darf sich das auch im Wohnwagen gönnen so er sein Urlaubsziel darin sieht. Ob aber die "Durchschnittshausfrauurlauberin" ihr Ziel eher im Bekochen der Familie oder im Nichtstun, Restaurant, Wandern etc sieht ist so eine Frage. Beim Zelten kann ich mir gut vorstellen wie ich den Kühlschrank auspacke, Zelt drumrum, Zutaten in den Faltschrank, Zweiflammengaskocher raus...... Nennt mich Banause, ich nenne mich Traditionalist. Grill, was draufkommt entscheidet was in der Kühlbox überlebt oder der Markt in der Nähe hergibt, an das Beifutter muß man mit einem Dosenöfer drankommen. Zeit brauche ich fürs Nichtstun, die kann ich mit großer Küche nicht verschwenden.
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