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Tipps für Reisende: Das macht Russland aus

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Reisen mit Insiderwissen Zehn Tipps für Russland

Moskau, Sankt Petersburg, Baikalsee: Populäre Touristenziele in Russland lassen sich an einer Hand abzählen. Wer das größte Land der Erde aber wirklich kennenlernen will, sollte diese Ratschläge beachten.

Russland abseits von Roter Platz, Wolga-Flusskreuzfahrt und Sankt-Petersburg-Museumstour ist kein Reiseziel für jedermanns Geschmack. Die meisten Städte sind keine Schönheiten, die Menschen wirken zunächst schroff, die Distanzen sind enorm.

Immer wieder wurde ich auf meiner Reise von Russen für verrückt erklärt - weil sie nicht verstehen, warum ich ausgerechnet ihr riesiges Land besuchte statt Thailand oder Mallorca. Dabei kann man Russland durchaus verfallen, wenn man sich auf seine Eigenheiten einlässt. Diese zehn Tipps helfen dabei.

Ersten Eindrücken misstrauen

Wer einen russischen Shop oder ein Restaurant betritt, löst damit meist etwa die Freude aus, die man auch einer mittelgroßen Kakerlake auf der Türschwelle entgegenbringen würde. Zunächst wird man ignoriert, dann als Störfaktor empfunden, weil man die hochverdiente Arbeitspause unterbricht. Zuletzt wird der Preis in einem Ton verkündet, wie ihn Filmbösewichte für Sätze wie "Mach ihn kalt" verwenden.

Und doch habe ich es mehrfach erlebt, dass die Stimmung umschlägt. Ich fragte in brüchigem Russisch nach dem Weg zum Bahnhof, und plötzlich nahm sich mein Gegenüber alle Zeit der Welt, um es mir zu erklären, und fragte nach meiner Reise und Herkunft. Ich bestellte noch einen Nachschlag von den Blini, und die Wirtin gab mir den Kaffee aus. Oft zahlt sich ein bisschen Geduld und Lockerheit aus, um den Menschen die Chance zum Auftauen zu geben.

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Den Altai besuchen

Eine der spektakulärsten Straßen des Landes führt von Gorno-Altaisk nach Kosh-Agach im sibirischen Altai-Gebirge. Ein Roadtrip zwischen Viertausendern, mit wilden Kamelen und reißenden Flüssen am Wegesrand und schweißtreibenden Abenden im Banja-Dampfbad. Für die schönsten Wander- oder Jeeptouren in die Wildnis sollten Outdoor-Fanatiker allerdings etwas Vorlauf einplanen: Dafür brauchen sie - zum Beispiel in der Nähe des 4800 Meter hohen Belucha - ein Permit, das Monate im Voraus beantragt werden muss.

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Abergläubisch werden

Russen setzen sich vor Reisen auf ihren Koffer, streicheln die Nasen von Skulpturen, pfeifen nicht in geschlossenen Räumen, gucken nicht in zerbrochene Spiegel. Kaum ein Land hat mehr abergläubische Traditionen, und gerne erzählen die Einheimischen ausländischen Besuchern davon.

Ob was dran ist, kann jeder unterwegs selber testen, beispielsweise, wenn es darum geht, was ein Juckreiz je nach betroffener Körperregion über die eigene Zukunft aussagt:

  • Nase: Ein Besäufnis steht bevor.
  • Lippe: Es wird geküsst.
  • Linke Hand: Es gibt Geld.
  • Rechte Hand: Man wird einen Freund treffen.
  • Hals: Es wird gefeiert. Oder es gibt eine Schlägerei. Oder beides.
  • Wenn alles gleichzeitig juckt, sollten Sie trotz aller Vorfreude zum Arzt.
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Nedoperepil durch die Nacht cruisen

Natürlich ist keine Reise komplett ohne einen Workshop im landestypischen Konsum des "ehrlichsten Drinks der Welt" (weil Wodka nicht schmeckt, sondern nur der Rauscherzeugung dient). Wichtigste Regeln: Getränk niemals mischen und viel Fingerfood dazu, zum Beispiel eingelegte Steinpilze, kalt geräucherten Hecht oder Kartoffeln mit Dill.

Das Tischgespräch lockern Diskussionen über folgende Vokabeln auf, die es nur im Russischen gibt: Zapoi (Zustand mehrtägiger Trunkenheit), nedoperepil (betrunkener als gesund ist, aber nicht so betrunken, wie man sein könnte), suschnjak (das Gefühl im Hals nach einer durchzechten Nacht).

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Schwanensee angucken

Es gibt wohl keinen besseren Ort, um ins Ballett zu gehen, als das Mariinsky-Theater in Sankt Petersburg. Dieses Jahr erlebt das Traditionshaus seine 235. Saison, geändert hat sich seit der Eröffnung wenig. Prachtvolle Bühnenbilder, knarzende Holzdielen, ein riesiger Kronleuchter an der Decke. Und jeden Abend erschaffen Tänzer und Musiker etwas, das man zur Zeit kaum mit Russland assoziiert: Leichtigkeit, Schönheit und Eleganz.

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Zug fahren

Natürlich verleiten die immensen Distanzen dazu, Flüge zu buchen. Doch ohne eine längere Zugreise mit Übernachtungspritsche, Instant-Nudel-Abendessen und ein paar Drinks hat man Russland nicht verstanden. Auf Reisen in Sibirien bekommt man einen echten Eindruck der tatsächlichen Größe des Landes, wenn man 18 Stunden am Stück durch einen immer gleich aussehenden Birkenwald fährt.

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Leningrad hören

Die Texte und YouTube-Videos der Rockband Leningrad präsentieren überzeichnete Bilder des exzessiven Lebens junger Russen.

Und doch steckt, wie in jeder gelungenen Karikatur, auch einige Wahrheit darin. Millionenfach werden die Songs angeklickt, und der für vulgäre Ausfälle bekannte Sänger Sergeij Schnurow lebt den Rock'n'Roll wie kein Zweiter. Zur Reisevorbereitung empfohlen, aber wegen der vielen Wörter aus der Vulgärsprache "Russischer Mat" besser nicht in Anwesenheit konservativer Muttersprachler anhören!

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Kyrillisch lernen

Während die russische Sprache eine ziemliche Herausforderung ist, sind die Schriftzeichen leichter zu meistern, als man denkt. Wer sich ein paar Tage lang intensiv damit beschäftigt, kann bald problemlos Ortsschilder, Speisekarten und Reklametafeln lesen. Und da viele Worte deutschen oder englischen Begriffen ähneln, hilft das enorm bei der Orientierung unterwegs.

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Multikulti erleben

Einige Minderheiten haben sich eine ganz eigene Kultur bewahrt, man kann sich wie auf einer Weltreise fühlen, ohne Russland zu verlassen.

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Orth, Stephan

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04.10.2022 21.58 Uhr

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Die buddhistisch geprägte Republik Kalmückien erinnert mit ihren Tempeln (Foto) eher an Tibet als an Moskau, bei einem Kehlkopfgesang-Konzert in der Republik Tuwa fühlt man sich wie in der Mongolei. Und in Yakutsk, der kältesten Großstadt der Welt, kann man probieren, wie vergorene Stutenmilch oder im Eisblock servierter Fisch schmecken, und alles über eine Mythologie dekorativer Elfenwesen lernen, die dem "Herr der Ringe" Konkurrenz machen könnten.

Pelmeni essen

Die mit Hackfleisch gefüllten Teigtaschen mit Smetana (Schmand) machen süchtig. Das ändert selbst das Wissen, dass ihr Name wörtlich übersetzt "Ohrenbrot" bedeutet, nicht mehr. In der Stadt Ischwesk in Udmurtien wurde den Russen-Ravioli sogar ein mehrere Meter hohes Denkmal errichtet. Zu Recht.

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