Saale-Unstrut Weinseligkeit im Aufschwung

Lange Zeit war das kleine Anbaugebiet Saale-Unstrut ein weißer Fleck auf der Karte der Weinkenner - Kriege, Reblaus und Planwirtschaft machten dem Weinbau zu schaffen. Seit der Wende geht's bergauf: 33 verschiedene Rebsorten werden in Europas nördlichster Weinregion angebaut.


33 Rebsorten sind in Saale-Unstrut zugelassen: Klarer Favorit ist Müller-Thurgau
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33 Rebsorten sind in Saale-Unstrut zugelassen: Klarer Favorit ist Müller-Thurgau

Freyburg/Berlin - Für viele Weintrinker war das Weinanbaugebiet Saale-Unstrut vor einigen Jahren unbekannt. Dabei kann die in Sachsen-Anhalt und Thüringen gelegene Region auf eine mehr als 1000 Jahre alte Weingeschichte zurückblicken. Seit der Wende hat sich bei den Winzern in den Flusstälern von Saale und Unstrut sowie anderer kleiner Lagen viel getan. Inzwischen kommen aus dem nördlichsten Weinanbaugebiet Europas, das dennoch 1600 Sonnenstunden pro Jahr zählt, preisgekrönte Tropfen.

Wer der mehr als 50 Kilometer langen Weinstraße Saale-Unstrut folgt, kann Weintradition allerorten kennen lernen. Von Memleben führt die Route entlang der Unstrut bis zur Mündung in die Saale bei Freyburg und von dort nach Naumburg und über Bad Kösen bis ins thüringische Bad Sulza.

Als ältester Nachweis für den Weinbau in der Region gilt eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 an das Kloster Memleben. Im späteren Mittelalter waren es vor allem Mönche des Klosters Pforta, einer 1137 nahe dem heutigen Bad Kösen angesiedelten Zisterzienserabtei, die den Weinbau an Saale und Unstrut vorantrieben.

Die Privatisierung nach der Wende brachte den Aufschwung

Während der Blütezeit zu Beginn des 16. Jahrhunderts betrug die Anbaufläche bis zu 10.000 Hektar. Kriege, witterungsbedingte Missernten, politische Unbill und nicht zuletzt der Einfall der Reblaus im Jahr 1887 machten der Weinseligkeit jedoch ein Ende. Von 1960 an wurde der Weinbau zwar wieder gefördert, aber eine laut Claudia Thörmer von der Gebietsweinwerbung Saale-Unstrut in Freyburg rasante Entwicklung brachte erst die Wende mit der Privatisierung.

"Heute umfasst unser Anbaugebiet 610 Hektar Rebfläche in Sachsen-Anhalt, 40 Hektar in Thüringen und 6 Hektar in Brandenburg vor den Toren Potsdams", sagt Siegfried Boy vom Weinbauverband Saale-Unstrut in Freyburg. Den Löwenanteil von 360 Hektar bewirtschaften 550 Winzer, allesamt Mitglieder der genossenschaftlich organisierten Winzervereinigung Freyburg-Unstrut. Zweiter Großbetrieb sei mit 56 Hektar das staatliche Landesweingut Kloster Pforta in Bad Kösen. "Darüber hinaus haben wir 18 private Weingüter, die ihre Weinberge im Haupterwerb bewirtschaften, und 25 im Nebenerwerb."

Weinlage mit alter Tradition: Der herzogliche Weinberg und das Schloss Neuenburg in Freyburg
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Weinlage mit alter Tradition: Der herzogliche Weinberg und das Schloss Neuenburg in Freyburg

Zentrum der östlichen Weintradition bildet das Städtedreieck von Freyburg im Schutz der Neuenburg, der Domstadt Naumburg und der Kurstadt Bad Kösen. Alte Steil- und Terrassenlagen mit ihren Trockenmauern und Weinberghäuschen werden von in den letzten Jahren neu angelegten Rebreihen abgelöst. Aber auch Rebstöcke entlang der Saale bis nach Weißenfels, an der Weißen Elster bei Zeitz, bei Quedlinburg und am Süßen See westlich von Halle sowie bei Potsdam und in Thüringen um Bad Sulza zählen weingeografisch zum zweitkleinsten Anbaugebiet Deutschlands.

Weinverkauf zum größten Teil vom Hof

Die Vielfalt von über 33 zugelassenen Rebsorten, die den Winzern inzwischen zu schaffen macht, soll nach Aussage von Boy in den nächsten Jahren wieder reduziert werden. Klarer Favorit sei mit einem Anteil von fast 22 Prozent Müller-Thurgau. Im sachsen-anhaltinischen Teil folgen mit erheblichem Abstand Weißburgunder und Silvaner, in Thüringen Kerner, eine Neuzüchtung aus Trollinger und Riesling, sowie Riesling. Bei den roten Trauben dominieren Portugieser, Dornfelder, Spätburgunder und in Thüringen mit einem Anteil von mehr als 17 Prozent die moderne pilzresistente Sorte Regent.

Auf Grund des Kontinentalklimas mit oft strengen Frösten und spätem Frühjahrsbeginn sind die Erträge teils starken Schwankungen ausgesetzt. "Für unsere Region sind 50 bis 60 Hektoliter pro Hektar das Beste, sonst fehlen die Extraktstoffe", erklärt Boy. Die Weine seien eher leicht im Alkoholgehalt und werden zu mehr als 80 Prozent trocken ausgebaut, erklärt Sommelier Peter Steger aus Berlin. Aber auch so mancher Edelsüße überzeugte Weinkenner.

Der Wein schmeckt am besten, wo er gewachsen ist, sagen die Winzer der Region und verkaufen ihr Erzeugnis größtenteils am Hof. So wird aus der Not eine Tugend gemacht: Denn bisher treten nur wenige Flaschen die Reise von Ost nach West an. Wegen der Qualitätssprünge der vergangenen Jahre wäre es für Peter Steger aber an der Zeit, dass mancher Tropfen nicht nur auf Weinkarten der neuen Bundesländer zu finden ist. Er persönlich trinkt aus Deutschlands nördlichster Weinregion gern einen Silvaner oder Weißburgunder.

Von Heidemarie Pütz, gms



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