Kanu-Ultramarathon in Schweden "Eigentlich ist die Strecke zu lang"

55 Kilometer, 750 Teilnehmer: Eines der härtesten Paddelrennen der Welt feiert im August seinen zehnten Geburtstag. Der Dalsland Kanumarathon+ ist eine extreme Herausforderung - und zugleich ein Volksfest auf dem Wasser.

vastsverige.com

Der Startschuss zum Kanumarathon fällt am zweiten Samstag im August - am Strand von Baldersnäs Herrgård, nördlich von Dals Långed. Der Laxsjön ist der erste See, den die rund 750 Teilnehmer überqueren. Von schnellen Rennkajaks bis hin zu robusten Kanadiern ist alles dabei. Auf 55 Kilometern geht es durch eines der besten Paddelreviere Europas. "Eigentlich ist die Strecke zu lang. Aber das ist Absicht", erklärt Wettkampfleiter Crister Blume.

Offiziell haben Kanuwettkämpfe der Marathondistanz eine Länge von mindestens 20 Kilometern. Die meisten werden auf einer Strecke von circa 30 Kilometern ausgetragen. Doch der Dalsland Kanumarathon+ ist ungefähr doppelt so lang und einer von zehn internationalen Ultramarathons, die Teil der "Classic Canoe Marathon World Series" sind. In Dalsland bedarf es Muskelkraft, guter Technik und einer Extraportion Energie, um ins Ziel zu gelangen.

"Als ich mich nach einer geeigneten Strecke für den Dalsland Kanumarathon+ umgesehen habe, wählte ich mit Absicht diesen extrem langen Kurs. Außerdem wollte ich die wunderschöne Natur hier mit einbeziehen", berichtet Crister.

Alle starten gleichzeitig

Mit 275 Anmeldungen fing es 2003 an. 2012 waren es 750 Athleten aus 14 Nationen. Die schnellsten Frauen benötigen etwa fünf Stunden, die schnellsten Männer circa 4 Stunden 20 Minuten.

Pia Ruhm saß das erste Mal als kleines Kind im Kanu: "In Preetz gibt es viele Seen, da haben wir im Sommer öfters kleine Ausflüge mit dem Familienkanu gemacht. Im richtigen Rennkajak saß ich mit 15 Jahren", sagt die 22-jährige Industriekauffrau, die 2012 erstmals beim Dalsland Kanumarathon+ mitgefahren ist und Platz fünf (mit 5:55:55 Stunden) in der Eliteklasse der Damen erzielte. "Man muss schon vorher auch mal längere Strecken im Training fahren", berichtet Pia.

"Doch es geht nicht nur um die Leistung. Der Kanumarathon ist auch ein großes Volksfest mit vielen Zuschauern. Alle starten gleichzeitig - und werden dann nach ihrer jeweiligen Klasseneinteilung bewertet", sagt Crister. Diese Volksnähe ist etwas, das Crister Blume und seine Mitarbeiter immer wieder betonen. Der Wettkampf soll eine Herausforderung sein, an der grundsätzlich jeder teilnehmen kann.

Fast elf Stunden auf dem Wasser

Jan Andersson hat Erfahrungen mit beiden Gruppen. "Als der Kanumarathon 2003 zum ersten Mal stattfinden sollte, überredete Crister mich, mitzumachen - obwohl ich bis dahin nur einmal in einem Kajak saß. Vor dem Rennen stieg ich dann zweimal zum Training ins Boot. Das war natürlich viel zu wenig. Schon bei der ersten Portage war ich total fertig. Ich brauchte 10 Stunden und 50 Minuten bis nach Bengtsfors. Mein gesamter Körper tat weh, aber ich hatte es geschafft. Und nachdem ich mich erholt hatte, war für mich klar, dass ich im nächsten Jahr wieder dabei sein wollte."

Ein Jahr später absolvierte Jan die Strecke in etwa sieben Stunden. Er feiert - genau wie das Rennen im August 2013 sein zehnjähriges Kanumarathon-Jubiläum. "Das Paddeln ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden. Jedes Mal, wenn ich das Ziel erreiche, fühle ich mich wie ein Sieger. Aber auch die Gemeinschaft und die Natur spielen eine wichtige Rolle."

Dass der Dalsland Kanumarathon+ mehr als nur ein Wettkampf ist, zeigt sich auch an den Auswirkungen auf die Region. "Tausende Zuschauer feuern die Kanuten an. Zukünftig wollen wir aus dem Kanumarathon eine Art Festivalwoche machen", erklärt Crister. "Ganz wichtig ist auch das Krebsfest mit Live-Musik, das wir nach dem Zieleinlauf veranstalten. Dann wird aus dem Dalsland Kanumarathon+ ein richtiges Volksfest."

Der Text stammt aus "NORR - das Skandinavien-Magazin". Lesen Sie die vollständige Reportage in der aktuellen Ausgabe von "NORR" oder hier.



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