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28. Dezember 2006, 07:14 Uhr

Schweiz

Rutsch mir den Buckel runter

Schneemangel in den Alpen? Nicht in Les Quatre Vallées. Das riesige Ski-Dorado im Schweizer Wallis gibt eine Schneegarantie von Dezember bis April. Wer es sportlich mag, ist auf den Buckelpisten von Verbier genau richtig. Das wussten schon die ersten Skifahrer vor 80 Jahren.

Eines der größten Skigebiete Europas liegt im Südwesten der Schweiz: 412 Pistenkilometer und 92 Lifte werden in Les Quatre Vallées südlich von Sion im Wallis gezählt. Verbier und die anderen Skidörfer in den "vier Tälern" - La Tzoumaz, Nendaz, Veysonnaz und Thyon-Région - nehmen für sich in Anspruch, für geübte Skifahrer ebenso wie für Anfänger die passende Abfahrt zu bieten. Wer das Gebiet genießen will, sollte aber früh aufstehen, denn es ist ein weiter Weg von einem Ende der Skiarena zum anderen und wieder zurück.

Angefangen hat in Verbier alles in den frühen zwanziger Jahren, als der Bau von Skiliften noch in einer fernen Zukunft lag. Nur eine Handvoll Skifahrer kam damals regelmäßig auf das 1500 Meter hoch gelegene Plateau - zu Fuß, versteht sich. In den vierziger Jahren wurde die erste Verbindungsstraße zwischen Le Chable und Verbier gebaut, der Startschuss für den Tourismus in dem Bergdorf. Die ersten Gästehäuser und Skischulen entstanden. Es folgte 1950 der erste Skilift, und dann dehnte sich das Pistenparadies immer weiter aus.

Doch auch diejenigen, die nicht auf die Bretter steigen, werden in den Skiorten nicht vergessen: Vor allem Verbier und Nendaz verfügen über Winterwanderwege, von denen aus sich das Alpenpanorama genießen lässt. Sie führen zu den Sonnenterrassen der Bergrestaurants. In La Tzoumaz gibt es eine zehn Kilometer lange Schlittenpiste, angeblich die längste der Westschweiz. Wem das alles nicht genügt, der kann bei einem Gleitschirm-Tandemflug unter Anleitung erfahrener Gleitschirmflieger die Berge von oben erleben.

Frischer Wind bei strahlenden Sonnenschein

Liebhaber von Buckelpisten sollten sich die Fahrt zum 3330 Meter hoch gelegenen Mont Fort nicht entgehen lassen. Zwar kommt es manchmal zu etwas längeren Wartezeiten an der Gondelbahn. Doch die Geduld wird belohnt: Die Abfahrt lässt jedes wintersportliche Können im Körper wach werden. Auf dem Weg weiter nach Tortin setzt sich das Vergnügen fort. Die anschließende, blau gekennzeichnete und damit leichte Abfahrt ist eine Wohltat für Beine, die der Büroalltag etwa langsam gemacht hat.

Eine Fahrt zum höchsten Punkt des Ski-Dorados sollte allerdings gut geplant sein: Die Bahn zum Mont Fort ist bei starkem Wind aus Sicherheitsgründen häufig geschlossen. Ein Blick auf die Anzeige der gesperrten Liftanlagen lohnt sich daher unbedingt. Nicht zu unterschätzen ist die Höhe auch bei der Auswahl des Pisten-Outfits: Selbst bei strahlender Sonne ist es oben oft sehr frisch und windig.

Wer nach einer anstrengenden Buckelpistenfahrt in einer der Skihütten einkehrt, erlebt dort echten Schweizer Komfort: In den meisten Bergrestaurants werden die Wintersportler am Platz bedient. Raclette oder Fondue mit heimischem Käse stehen dort nicht nur für ein gemütliches Abendessen, sondern sind auch als eine Alternative zum Mittagessen gedacht.

Zum Nachtisch Aprikosenkuchen

Verbier und die anderen Skigebiete versprechen eine Schneegarantie von Dezember bis April. In der Regel ermöglichen die Verhältnisse den Saisonbeginn schon im November. Die Pisten liegen im Schnitt auf einer Höhe von 2000 Metern - und wenn der Schnee einmal knapp ist, starten die Orte in "Les Quatre Vallées" ihre Schneekanonen.

Sollte das Wetter sich einmal nicht von seiner Sonnenseite zeigen, muss es keineswegs langweilig werden: Das Alpine Museum in Verbier, verschiedene Kunstgalerien und das Hallenbad bringen jede Menge Abwechslung. Teeräume sorgen für kulinarischen Genuss. Besonders der Aprikosenkuchen ist zu empfehlen - daran hätten die ersten Skifahrer Anfang der zwanziger Jahre sicher auch Geschmack gefunden.

Antje Schmid, gms

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