Schweiz Rutsch mir den Buckel runter

Schneemangel in den Alpen? Nicht in Les Quatre Vallées. Das riesige Ski-Dorado im Schweizer Wallis gibt eine Schneegarantie von Dezember bis April. Wer es sportlich mag, ist auf den Buckelpisten von Verbier genau richtig. Das wussten schon die ersten Skifahrer vor 80 Jahren.


Eines der größten Skigebiete Europas liegt im Südwesten der Schweiz: 412 Pistenkilometer und 92 Lifte werden in Les Quatre Vallées südlich von Sion im Wallis gezählt. Verbier und die anderen Skidörfer in den "vier Tälern" - La Tzoumaz, Nendaz, Veysonnaz und Thyon-Région - nehmen für sich in Anspruch, für geübte Skifahrer ebenso wie für Anfänger die passende Abfahrt zu bieten. Wer das Gebiet genießen will, sollte aber früh aufstehen, denn es ist ein weiter Weg von einem Ende der Skiarena zum anderen und wieder zurück.

Angefangen hat in Verbier alles in den frühen zwanziger Jahren, als der Bau von Skiliften noch in einer fernen Zukunft lag. Nur eine Handvoll Skifahrer kam damals regelmäßig auf das 1500 Meter hoch gelegene Plateau - zu Fuß, versteht sich. In den vierziger Jahren wurde die erste Verbindungsstraße zwischen Le Chable und Verbier gebaut, der Startschuss für den Tourismus in dem Bergdorf. Die ersten Gästehäuser und Skischulen entstanden. Es folgte 1950 der erste Skilift, und dann dehnte sich das Pistenparadies immer weiter aus.

Doch auch diejenigen, die nicht auf die Bretter steigen, werden in den Skiorten nicht vergessen: Vor allem Verbier und Nendaz verfügen über Winterwanderwege, von denen aus sich das Alpenpanorama genießen lässt. Sie führen zu den Sonnenterrassen der Bergrestaurants. In La Tzoumaz gibt es eine zehn Kilometer lange Schlittenpiste, angeblich die längste der Westschweiz. Wem das alles nicht genügt, der kann bei einem Gleitschirm-Tandemflug unter Anleitung erfahrener Gleitschirmflieger die Berge von oben erleben.

Frischer Wind bei strahlenden Sonnenschein

Liebhaber von Buckelpisten sollten sich die Fahrt zum 3330 Meter hoch gelegenen Mont Fort nicht entgehen lassen. Zwar kommt es manchmal zu etwas längeren Wartezeiten an der Gondelbahn. Doch die Geduld wird belohnt: Die Abfahrt lässt jedes wintersportliche Können im Körper wach werden. Auf dem Weg weiter nach Tortin setzt sich das Vergnügen fort. Die anschließende, blau gekennzeichnete und damit leichte Abfahrt ist eine Wohltat für Beine, die der Büroalltag etwa langsam gemacht hat.

Eine Fahrt zum höchsten Punkt des Ski-Dorados sollte allerdings gut geplant sein: Die Bahn zum Mont Fort ist bei starkem Wind aus Sicherheitsgründen häufig geschlossen. Ein Blick auf die Anzeige der gesperrten Liftanlagen lohnt sich daher unbedingt. Nicht zu unterschätzen ist die Höhe auch bei der Auswahl des Pisten-Outfits: Selbst bei strahlender Sonne ist es oben oft sehr frisch und windig.

Wer nach einer anstrengenden Buckelpistenfahrt in einer der Skihütten einkehrt, erlebt dort echten Schweizer Komfort: In den meisten Bergrestaurants werden die Wintersportler am Platz bedient. Raclette oder Fondue mit heimischem Käse stehen dort nicht nur für ein gemütliches Abendessen, sondern sind auch als eine Alternative zum Mittagessen gedacht.

Zum Nachtisch Aprikosenkuchen

Verbier und die anderen Skigebiete versprechen eine Schneegarantie von Dezember bis April. In der Regel ermöglichen die Verhältnisse den Saisonbeginn schon im November. Die Pisten liegen im Schnitt auf einer Höhe von 2000 Metern - und wenn der Schnee einmal knapp ist, starten die Orte in "Les Quatre Vallées" ihre Schneekanonen.

Sollte das Wetter sich einmal nicht von seiner Sonnenseite zeigen, muss es keineswegs langweilig werden: Das Alpine Museum in Verbier, verschiedene Kunstgalerien und das Hallenbad bringen jede Menge Abwechslung. Teeräume sorgen für kulinarischen Genuss. Besonders der Aprikosenkuchen ist zu empfehlen - daran hätten die ersten Skifahrer Anfang der zwanziger Jahre sicher auch Geschmack gefunden.

Antje Schmid, gms



insgesamt 76 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fritze meier, 15.11.2006
1. na wo wohl
val thorens. wohlgemerkt: die pisten. das drumrum, nun ja, geniesst man besser im halbschlaf.
Fidel Castr(at)o, 15.11.2006
2.
Sehr bekannt, sehr viele Leute, aber trotzdem wohl mit das tollste Skigebiet, das man in den Alpen findet: (St. Anton) am Arlberg! Wenn man sich die Mühe macht, früh aufzustehen und mit bei den ersten am Lift zu sein, hat man mindestens 2h, in denen wenig los ist und man wirklich Skifahren kann. Für Ortskundige: Wunderschön sind der Schöngrabenlift, die Schindlerkar-Abfahrten auf beiden Seiten, die Buckelpistenabfahrt nach St. Christoph, die Zamermoosbahn sofern man sich bei der Abfahrt auf der buckeligen rechten Seite hält... und definitiv einen Besuch wert ist das Albonagrat... wehe man war in St. Anton, aber nicht dort! Für einen Tag - am geschicktesten natürlich, wenn möglich, unter der Woche - ist bei guten Schneeverhältnissen Alpbach einen Besuch wert. Wirklich schöne Pisten und ein schönes kleines Gebiet, dass für einen Tag ausreichend Fahrspaß bietet!
Brettschneider 15.11.2006
3.
Ich hatte immer ein Faible für Sommerski. Cervinia/Plateau Rosa mit der alten Kilometro Lanciato war göttlich. Diesen Rundblick werde ich nie vergessen Aber selbst auf 3500m muß man sich bei der Gletscherschmelze beeilen, wenn man noch sommerskifahren will. Dieses Jahr ging ja auf dem Rettenbachferner im Ötztal nicht einmal Ende Oktober etwas. Da war ich vor 20 Jahren Ende Juli bei bestem Firn bis zum Parkplatz. Die Zeiten sind wohl vorbei!
Tsoumaz, 16.11.2006
4. Beste Pisten
---Zitat von sysop--- Ob Abfahrt oder Langlauf, ob Snowboard oder Heli-Ski: Der Winter hat unzählige Vergnügungen zu bieten. Aber nicht alle Pisten halten, was sie versprechen. Was sind Ihre Tipps? Wo macht der Winter am meisten Spaß? ---Zitatende--- Wallis, unteres Rhonetal, 4 Täler Region um Verbier. Das Skigebiet geht von 1500 - 3300m, Pisten aller Schwierigkeits grade auch für Extremsportler. Allerdings fast nur FeWo; kein HullyGully außer direkt in Verbier. Dadurch nichts für Ballermänner oder Ischgl-Fans. Ein Leckerbissen zum Zuschauen ist der Mitte März stattfindende O'neill Xtreme Freeride Contest Verbier mit den weltbesten Snowboardern und Freeridern am 3222m hohen Bec de Rosses mit 55 Grad steiler Nordflanke. Der Wettbewerb zählt zu den extremsten seiner Art - weltweit.
soylentyellow, 16.11.2006
5. Val Thorens - klarer Sieger
Val Thorens in den Trois Vallees, ganz klar. Nicht 30km Pisten wie auf dem beschriebenen Pitztaler Gletscher sondern 600km Pisten. Und dann kann man natürlich auch noch neben der Piste, das ist nochmal besser (v.a. neben den schwarzen Pisten - die auch wirklich schwarz sind). Auch die ca 150 Lifte, verteilt auf drei Täler, sind ein Genuss. Was es da an Lifttechnik gibt ist beeindruckend. Anstehen ist da ein Fremdwort. Und die funktionalen Betonburgen sind mir allemal sympathischer als diese Pseudo-Gemütlichkeit wie ich sie beispielsweise im Zillertal gesehen habe. ---------- Für die absoluten Freaks empfehle ich La Meije/La Grave in der Nähe von Les Deux Alpes. Dort gibt es zwar nur eine Pseudo-Gondelbahn und einen Schlepplift, dafür aber Tiefschnee satt und KEINE einzige präparierte Piste (bis auf 500m auf dem Gletscher wegen den Gletscherspalten). Eigentlich gibt es nur den Lift und keine Piste, nur "itineraires", also Spuren im Schnee. Aber: Nur geeignet für Skifahrer (Snowboarder waren dort sehr selten) welche sich auch abseits der schwarzen Pisten wohl fühlen. Für Familien absolut ungeeignet. Man kann auch über den Gletscher rüber nach Les Deux Alpes, allerdings muss man dann etwa 500m über den Gletscher laufen. Aber im Vergleich zu La Grave ist Les Deux Alpes einfach zu flach. ---------- Frage an die Ski-Begeisterten: Gibt es vergleichbares bzw. noch besseres/noch steileres/noch größeres als Val Thorens (Größe) bzw La Grave (Tiefschnee/G/Steilheit)?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.