Sellaronda Kreiseln am Berg

Rauf und runter und immer weiter - die Sellaronda ist das Paradies für nimmersatte Skifans. Rund 40 Kilometer lang ist die Rundfahrt um das Sellamassiv, die einer Skitour gleicht. Nur das mühsame Abschnallen und Aufsteigen entfällt.


Gröden - Der Weg hinauf führt durch einen schmalen Durchgang. Skier stoßen aneinander, Stöcke verhaken, während sich die Schlange der Wartenden langsam nach vorne schiebt. "Avanti, avanti", ruft der Ordner an der Gondel und gibt Zeichen, schnell in die Kabinen zu steigen, um Platz zu machen. Platz für die vielen Skifahrer und Snowboarder, die es kaum erwarten können. Sie alle wollen hoch hinaus, und das so schnell wie möglich. Hoch und hinein in eines der größten Skigebiete der Welt - den Verbund Dolomiti Superski, mit seinen rund 450 Liften und 1220 Abfahrten.

Ein leichtes Rucken, und langsam schweben die Gondeln das Felsmassiv empor. Sie bringen die Skifahrer mitten hinein in den Skizirkus - von Wolkenstein in Gröden aus, aber auch von Corvara, Arraba oder Canazei. Von jedem dieser Orte lässt sich in die Sellaronda einsteigen - die Rundfahrt um das gewaltige Sellamassiv. Rund 40 Kilometer lang ist die Strecke durch Wälder und Felslandschaften, die aussehen, als hätten Riesen mit Felsbrocken Murmeln gespielt - so verstreut ragen die Steine aus dem Schnee hervor.

Die Pisten schlängeln sich an Hängen herunter, führen über sanfte Kuppen und vorbei an winzigen Holzhütten. Mal muss eine Straße überquert werden. Manchmal endet die Piste in einem kleinen Dorf im Tal, dann geht es mit dem Lift wieder hinauf zur nächsten kilometerlangen Abfahrt. Die Pisten sind bestens präpariert, Zäune sichern steile Abhänge, und Schilder warnen mit "Achtung" oder "Langsam", wenn sich die Abfahrt verengt.

Vier Stunden für eine Runde

Vor 10 Uhr sollten Skifahrer die Sellaronda beginnen und spätestens um 15.30 Uhr den letzten Pass überqueren, heißt es bei der Südtirol Information in Bozen. Vier Stunden ist die inoffizielle Richtzeit für die Rundtour und angeblich lässt sie sich - dank der neuen Lifte - sogar zweimal am Tag fahren. Die überwiegend breiten und flachen Pisten laden zum Rasen ein, aber dafür ist die Sellaronda viel zu schön.

Zu verwunschen sind die Routen durch den Wald, zu gewaltig der Blick auf die Dolomiten. Fast senkrecht ragen die Felsen aus Kalkstein empor, während am Fuß sanft die Hänge auslaufen. Das Sellamassiv ist von tiefen Rissen durchzogen und wechselt sein Gesicht, je nachdem von welcher Seite es betrachtet wird. Auch die anderen Berge zeigen sich immer wieder in neuer Gestalt. Der Langkofel in Gröden ähnelt mal einem zerfurchten Zahn, dann wieder einem kompakten Massiv.

Rund eine Millionen Wintersportler zieht es jedes Jahr in die vier Täler an der Sellaronda - nach Gröden, Alta Badia, Arabba und ins Fassatal. Auch wenn sich an den zentralen Einstiegsliften die Menschen drängen, ist auf den Hängen davon wenig zu spüren. In dem weitläufigen Gebiet verteilen sich die Fahrer nach kurzer Zeit. Wem das trotzdem noch zu viel Rummel ist, der kann die Sellaronda beliebig erweitern. Immer wieder finden sich Nebenlifte für einen Extraschlenker. In Alta Badia beispielsweise locken lange, einsame Pisten.

Menschenleer ist es hier an vielen Stellen, selbst mitten in der Hauptsaison. "Das ist ein wunderbares, einfaches und schneesicheres Gebiet" schwärmt eine Skifahrerin aus Regensburg. "Während mein Begleiter und ich Ski fahren, sind unsere Eheleute abseits der Pisten wandern. Hier kann man das beides kombinieren." Doch auch wer mehr Herausforderung und Nervenkitzel sucht, wird fündig. Am Boé beispielsweise führt ein Sessellift auf den 2550 Meter hohen Vallon. Hinab geht es über eine schwarze Piste. Auf der Tour rund um das Sellamassiv sind jedoch weder Buckelpisten noch steile Abhänge zu finden. Blaue und rote Pisten - gelegentlich sogar beide nebeneinander - führen durch die Täler.

Mit der Hexentour auf die Seiser Alm

Die Sellaronda kommt so einer Skitour oder -wanderung nahe - in einer vereinfachten Form. Während bei Skitouren gute Skikenntnisse, ein ortskundiger Führer und manchmal sogar Schneeschuhe erforderlich sind, ist die Sellaronda eine Tour auch für Gelegenheitsskifahrer. Abschnallen und aufsteigen ist dank der vielen Lifte nicht erforderlich und auch auf Skikarte und Führer kann verzichtet werden.

An allen zentralen Liften hängen große Schilder mit dem Schriftzug Sellaronda - grün oder orange, je nachdem ob die Tour mit oder gegen den Uhrzeiger gefahren wird. Große Karten helfen bei der Orientierung und Einschätzung, wie viel Strecke bereits zurückgelegt wurde.

Mit der Tour um das Sellamassiv ist es im Skizirkus Dolomiti Superski allerdings nicht getan. Insgesamt 16 Skitouren führen durch die zwölf zusammengeschlossenen Regionen von Dolomiti Superski. Von Cortina geht es beispielsweise zu den Wettkampfabfahrten der Olympischen Winterspiele 1956, in Alta Badia fahren Skifahrer auf der Naturpark-Tour vorbei an ladinischen Viles - den traditionellen Weilern. Und von Arabba führt eine Skitour hoch zur Königin, der 3342 Meter hohen Marmolada, dem höchsten Berg der Dolomiten.

Die Hexentour lockt auf die Seiser Alm - die größte Hochalm Europas. Um das Hochplateau herum erheben sich mächtige Felsen, im Westen der Schlern, im Südosten der Langkofel. Die Alm selbst ist von sanften bewaldeten Hügeln geprägt. Kräftige Haflinger ziehen dort Kutschen hinter sich her, Langläufer gleiten vorbei, und gelegentlich verirrt sich ein Wanderer mit seinem Hund auf die Piste.

Zu der verwunschenen Atmosphäre tragen winzige Holzhütten bei. In die "Gostner Schwaige" beispielsweise passen kaum mehr als fünf Tische hinein, und so müssen die Besucher eng zusammenrücken. Das lohnt, denn gekocht wird mit regionalen Zutaten: Heusuppe beispielsweise, die in einem Brot auf einem Heubett serviert wird. Wer zu lauter Musik feiern will, muss hingegen länger suchen. Stampfende Bässe sind selten auf der Alm, ebenso wie im restlichen Skigebiet. Nur selten lockt eine Bar mit Après-Ski-Hits.

Wenn's dämmert, ist Zeit für die Rückfahrt

Zwar gibt es von der Seiser Alm aus keinen direkten Anschluss an das übrige Skigebiet. Doch können Skifahrer mit einem Lift zur Seceda und von dort ins benachbarte St. Christina fahren. Mit dem Val Gardena Ronda Express kommen sie nach Plan de Gralba und zum Sellajoch. Bequemer sind die Skibusse: Im 20-Minuten-Takt pendeln sie zwischen den Ortsteilen St. Ulrich und Wolkenstein hin und her und bringen die Skifahrer direkt zu den Liften des Skizirkus.

Zu lange verweilen sollten die Skifahrer in den Hütten nicht - zumindest nicht auf der Sellaronda. Denn wenn die Täler langsam im Schatten versinken und die Bergkuppen in der Abendsonne glühen, ist es Zeit, den Rückweg anzutreten. Im Schatten wird es auf den Bergen schnell empfindlich kalt und an den Liften drängeln sich die Skifahrer. Dort wird es abends plötzlich doch noch voll. Denn dann gilt es die letzte Etappe zu nehmen: Hoch auf den Berg und auf einer langen Abfahrt zurück ins Heimattal.

Von Carina Frey, gms



insgesamt 76 Beiträge
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fritze meier, 15.11.2006
1. na wo wohl
val thorens. wohlgemerkt: die pisten. das drumrum, nun ja, geniesst man besser im halbschlaf.
Fidel Castr(at)o, 15.11.2006
2.
Sehr bekannt, sehr viele Leute, aber trotzdem wohl mit das tollste Skigebiet, das man in den Alpen findet: (St. Anton) am Arlberg! Wenn man sich die Mühe macht, früh aufzustehen und mit bei den ersten am Lift zu sein, hat man mindestens 2h, in denen wenig los ist und man wirklich Skifahren kann. Für Ortskundige: Wunderschön sind der Schöngrabenlift, die Schindlerkar-Abfahrten auf beiden Seiten, die Buckelpistenabfahrt nach St. Christoph, die Zamermoosbahn sofern man sich bei der Abfahrt auf der buckeligen rechten Seite hält... und definitiv einen Besuch wert ist das Albonagrat... wehe man war in St. Anton, aber nicht dort! Für einen Tag - am geschicktesten natürlich, wenn möglich, unter der Woche - ist bei guten Schneeverhältnissen Alpbach einen Besuch wert. Wirklich schöne Pisten und ein schönes kleines Gebiet, dass für einen Tag ausreichend Fahrspaß bietet!
Brettschneider 15.11.2006
3.
Ich hatte immer ein Faible für Sommerski. Cervinia/Plateau Rosa mit der alten Kilometro Lanciato war göttlich. Diesen Rundblick werde ich nie vergessen Aber selbst auf 3500m muß man sich bei der Gletscherschmelze beeilen, wenn man noch sommerskifahren will. Dieses Jahr ging ja auf dem Rettenbachferner im Ötztal nicht einmal Ende Oktober etwas. Da war ich vor 20 Jahren Ende Juli bei bestem Firn bis zum Parkplatz. Die Zeiten sind wohl vorbei!
Tsoumaz, 16.11.2006
4. Beste Pisten
---Zitat von sysop--- Ob Abfahrt oder Langlauf, ob Snowboard oder Heli-Ski: Der Winter hat unzählige Vergnügungen zu bieten. Aber nicht alle Pisten halten, was sie versprechen. Was sind Ihre Tipps? Wo macht der Winter am meisten Spaß? ---Zitatende--- Wallis, unteres Rhonetal, 4 Täler Region um Verbier. Das Skigebiet geht von 1500 - 3300m, Pisten aller Schwierigkeits grade auch für Extremsportler. Allerdings fast nur FeWo; kein HullyGully außer direkt in Verbier. Dadurch nichts für Ballermänner oder Ischgl-Fans. Ein Leckerbissen zum Zuschauen ist der Mitte März stattfindende O'neill Xtreme Freeride Contest Verbier mit den weltbesten Snowboardern und Freeridern am 3222m hohen Bec de Rosses mit 55 Grad steiler Nordflanke. Der Wettbewerb zählt zu den extremsten seiner Art - weltweit.
soylentyellow, 16.11.2006
5. Val Thorens - klarer Sieger
Val Thorens in den Trois Vallees, ganz klar. Nicht 30km Pisten wie auf dem beschriebenen Pitztaler Gletscher sondern 600km Pisten. Und dann kann man natürlich auch noch neben der Piste, das ist nochmal besser (v.a. neben den schwarzen Pisten - die auch wirklich schwarz sind). Auch die ca 150 Lifte, verteilt auf drei Täler, sind ein Genuss. Was es da an Lifttechnik gibt ist beeindruckend. Anstehen ist da ein Fremdwort. Und die funktionalen Betonburgen sind mir allemal sympathischer als diese Pseudo-Gemütlichkeit wie ich sie beispielsweise im Zillertal gesehen habe. ---------- Für die absoluten Freaks empfehle ich La Meije/La Grave in der Nähe von Les Deux Alpes. Dort gibt es zwar nur eine Pseudo-Gondelbahn und einen Schlepplift, dafür aber Tiefschnee satt und KEINE einzige präparierte Piste (bis auf 500m auf dem Gletscher wegen den Gletscherspalten). Eigentlich gibt es nur den Lift und keine Piste, nur "itineraires", also Spuren im Schnee. Aber: Nur geeignet für Skifahrer (Snowboarder waren dort sehr selten) welche sich auch abseits der schwarzen Pisten wohl fühlen. Für Familien absolut ungeeignet. Man kann auch über den Gletscher rüber nach Les Deux Alpes, allerdings muss man dann etwa 500m über den Gletscher laufen. Aber im Vergleich zu La Grave ist Les Deux Alpes einfach zu flach. ---------- Frage an die Ski-Begeisterten: Gibt es vergleichbares bzw. noch besseres/noch steileres/noch größeres als Val Thorens (Größe) bzw La Grave (Tiefschnee/G/Steilheit)?
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