Silfra-Spalte in Island Schnorcheln zwischen Kontinenten

Die Silfra-Spalte in Island ist einer der aufregendsten Schnorchelspots der Welt - auch wegen der leuchtenden Blautöne unter Wasser.

Elli Thor/ Arktische Abenteuer/ SRT

Von Christian Haas


Das Außenthermometer zeigt minus 19 Grad Celsius. Und es geht zum Schnorcheln. Nicht in einem der vielen isländischen Warmwasser-Schwimmbäder oder in der dampfenden Blauen Lagune, sondern bei zwei Grad Wassertemperatur in der Silfra-Spalte am Thingvellir-See - mitten in der Wildnis eines Nationalparks im Südwesten Islands.

Doch so unscheinbar der Wasserlauf in der leicht welligen Schneelandschaft aussehen mag: Wegen des extrem klaren Wassers gilt diese als einer der besten Tauch- und Schnorchelspots der Welt. Im Sommer strömen hier - erst recht, seit Island so enorm boomt - nicht nur Wassermengen durch den natürlichen Kanal, sondern auch jede Menge Touristen. Im Winter hingegen ist wenig los. Heute sind es nur eine Handvoll Urlauber aus Deutschland.

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Island: Abtauchen im Grabenbruch

"Es ist der kälteste Tag, an dem wir das je gemacht haben", sagen Max und Ian, die Trockenanzüge von M bis XXL ausgeben, steif gefrorene Tauchanzüge mit warmem Wasser warmspülen und vor allem die dann doch zögerlichen skeptischen Tourteilnehmer überzeugen.

Guide Gaddi, der die Gruppe schon auf Gletscher, zum Strokkur-Geysir und den schwarzen Strand bei Vik geführt hat, verrät seine Tricks für "untenrum": "Thermowäsche, doppelte Socken und auf keinen Fall Baumwolle", denn wenn die nass wird, kühlt der Körper sehr schnell aus.

Kluft zwischen Erdplatten

Beim Umziehen auf dem Parkplatz inmitten des Nationalparks bekommt man einen Vorgeschmack. Einige aus der Gruppe lassen im beheizten Van die Hosen runter, doch nicht für alle ist Platz. Also streifen manche in der Kälte, die selbst für isländische Verhältnisse eisig ist, Schneehose, Jacke und Pullover ab und hüpfen rasch in den XXL-Teddybärenanzug und in den superengen Neoprenanzug.

Dann watscheln sie wie behäbige Michelin-Männchen los und kommen nach drei Minuten am Einstieg an. Wäre da nicht die stählerne Plattform, würde man die Spalte kaum als solche erkennen. Schließlich sieht sie aus wie ein größerer Bach, der sich hier durch die niedrig bewachsene Landschaft schlängelt.

Doch der wenige bis maximal zehn Meter breite Wasserlauf, der nach einigen Hundert Metern in den Thingvellir-See mündet, ist spektakulär: Hier, in der sogenannten Grabenbruchzone, driften die Kontinentalplatten von Nordamerika und Eurasien um einige Millimeter pro Jahr auseinander. Dies scheint eine besondere Ausstrahlung zu haben - fast schon eine mystische: Hier wurde 930 das Althing gegründet, das älteste bestehende Parlament der Welt. Wenig später wurde an jenem Ort das Christentum angenommen und 1944 die Republik Island ausgerufen.

Die "Silberne Frau", so die Bedeutung des Wortes "Silfra", ist der einzige Ort der Welt, wo sich Taucher und Schnorchler zwischen Erdplatten bewegen können. Unter Wasser reicht die Sichtweite manchmal bis zu 100 Meter. Denn das kalte Schmelzwasser des Langjökull-Gletschers fließt jahrelang durch filterndes Lavagestein, bevor es aus unterirdischen Quellen wieder hervorsprudelt. Das erklärt Ian den Schnorchlern, bevor sie ins Wasser gleiten, sich wie aufgeblasene Puppen treiben lassen und durch ihre Taucherbrillen nach unten gucken.

Wie es unter Wasser aussieht

Kurz herrscht die Sorge, dass trotz enger Verpackung Wasser einströmen könnte, doch in den kommenden 45 Minuten, in denen die langsame Strömung die Schnorchler durch die verschiedenen Passagen treibt, bleiben sie überwiegend trocken. Mal ist der Strom so seicht, dass sie gerade so über die schroffen Lavafeldformationen gleiten, mal geht es bis zu 37 Meter in die Tiefe.

Und dort ist von Unterwasserdampf oder Rauch nichts zu sehen, ebenso wenig von Fischen oder Pflanzen. Nur ein paar Algenteilchen schweben vorbei. Dafür ragen mächtige Steinformationen in die Tiefe und leuchtende Blau- und Grüntöne sorgen für Begeisterung.

Schnorcheln in der Silfra-Spalte
Veranstalter
Arctic Adventures bietet tägliche dreistündige Touren inklusive Guide und Equipment für circa 110 Euro/Person an. Schwierigkeitsgrad: mittel; Schnorchel- und Schwimmanforderungen: gering; größte Herausforderung ist die Kälte. Das Mindestalter beträgt zwölf Jahre
Reisezeit
Schnorcheln in Island ist das gesamte Jahr über möglich, besonders eindrucksvoll zwischen Dezember und Februar.
Weitere Informationen

Frosttemperaturen? Im Wasser kein Problem. Richtig kalt wird es erst wieder beim Ausstieg ein paar Hundert Meter weiter. Eine bleibt prompt mit ihren Handschuhen am eisigen Geländer kleben. Kicherstimmung dann am Van, wo man - die Taucheranzüge frieren in Nullkommanix an - kaum aus den Anzügen kommt. Bei Juliana ist es besonders schwierig, drei Männer müssen ihr förmlich den Anzug vom Leib reißen. "Ich komm mir vor wie bei der Geburt!", witzelt sie. In der Tat: Man fühlt sich wie neugeboren.

Vollgepumpt mit Adrenalin ist manchem so warm, dass er gut gelaunt ohne Handschuhe und Jacke umher läuft - vor einer Stunde undenkbar. Einigen jedoch stellt sich immer noch die Sinnfrage, warum man ausgerechnet im Winter in so kaltes Wasser steigen sollte. Dazu meint Gaddi: "Im Sommer ist es im vier Grad warmen Wasser auch nicht viel komfortabler. Heute waren die zwei Grad zumindest deutlich wärmer als draußen."

Im Video: Mein Leben unter Wasser - Faszination Tauchen

dbate

srt



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Mehrleser 26.11.2019
1.
Sind solche Tauchausflüge heute noch angemessen und nachhaltig? Wäre es als Klimaheld nicht angemessen, zum nächsten Baggersee zu radeln?
Hamberliner 26.11.2019
2. Pendler kehren bitte erstmal vor der eigenen Haustür.
Zitat von MehrleserSind solche Tauchausflüge heute noch angemessen und nachhaltig? Wäre es als Klimaheld nicht angemessen, zum nächsten Baggersee zu radeln?
Es ist durchaus machbar, weit weniger CO2 als der Bevölkerungsdurchschnitt zu emittieren und sich dennoch einmal jährlich so eine Reise zu genehmigen. Zu einem entsprechend CO2-armen Leben gehört zuallererst, dass man nicht unbedingt einen Baggersee, sondern seine Arbeit per Fahrrad erreichen kann.
k70-ingo 26.11.2019
3.
Zitat von MehrleserSind solche Tauchausflüge heute noch angemessen und nachhaltig? Wäre es als Klimaheld nicht angemessen, zum nächsten Baggersee zu radeln?
Das kommt auf jeden Einzelnen an - wenn man sich nicht in die Wahnidee verrennt, ein "Klimaheld" sein zu wollen (was ist das überhaupt?), dann ist so ein Ausflug durchaus angemessen.
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