Skagen Wohin der Wind will

Ein Haufen Sand heißt Düne. Doch eine ist nicht wie die andere: Es gibt Zungen- und Embryonaldünen, Barchanen und Barchanoide und viele mehr. An der Nordspitze Dänemarks breitet sich eine einmalig schöne Sandlandschaft aus, unter dem legendären Licht von Skagen.


Fischrestaurant auf Skagen: Urlauber und Künstler wissen die Dünenlandschaft zu schätzen
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Fischrestaurant auf Skagen: Urlauber und Künstler wissen die Dünenlandschaft zu schätzen

Skagen - "Wenn das hier so weitergeht, können wir bald zu Fuß nach Schweden rüberlaufen", unterhalten sich zwei deutsche Urlauber im "Skagen Odde Naturcenter". Fasziniert stehen sie vor dem Modell der aus Sand bestehenden dänischen Halbinsel, die jedes Jahr um rund 50 Meter weiter in Richtung Nordosten vordringt. Nur bei der Vokabel "bald" ist in diesem Zusammenhang Vorsicht geboten, denn auch wenn Wind und Sand ihr derzeitiges Tempo und vor allem die Richtung beibehalten, werden noch mindestens 700 Jahre vergehen, bis die ersten Menschen trockenen Fußes nach Schweden übersetzen können.

Jedes Jahr bewegen Wind und Meer über eine Million Kubikmeter Sand rund um die Spitze der Halbinsel Skagen. Ein Phänomen, das Naturwissenschaftler ganz nüchtern zu erklären wissen: Der Sand wird von den Wellen an den Strand geworfen, wo er vom Wind aufgefangen und weiter getrieben wird, bis er sich irgendwo zur Ruhe legt. Das kann hinter einer angespülten alten Flaschenpost, einem vergessenen Badeschuh, einfach hinter einem Stein oder einer ersten kümmerlichen Strandhafer-Pflanze sein. Immer mehr Sand lässt die Dünen wachsen - an Jütlands Nordseeküste gibt es rund 400 Quadratkilometer Dünen, die bis zu 40 Meter hoch sind.

Das Flugsand-Museum versandete

Aber Dünen sind nicht einfach Dünen. Es gibt Zungendünen, Embryonaldünen, Urdünen und halbmondförmige Barchanen, Barchanoide und Parabeldünen, Kissendünen und Vordünen, Weißdünen und Binnendünen, erfährt der Besucher im "Skagen Odde Naturcenter". Dabei ist alles eigentlich ganz einfach: Dünen sind Sand, der vom Wind zu Haufen zusammengetrieben wird. Und diese wandern, wohin der Wind will, bis der Sand von Vegetation gebunden wird. An manchen Stellen geschieht das nie und so wird aus einem sich bewegenden Sandhaufen eine Wanderdüne.

Grenen, nördlichster Punkt von Skagen: Die Spitze Dänemarks schiebt sich immer weiter hinaus ins Meer
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Grenen, nördlichster Punkt von Skagen: Die Spitze Dänemarks schiebt sich immer weiter hinaus ins Meer

In Dänemark begann das Phänomen des Flugsands um das Jahr 1500, berichten die Chroniken. Damals sorgte eine Klimaveränderung und damit verbunden eine Änderung der Hauptwindrichtung dafür, dass aus ehemals fruchtbaren Böden auf der Halbinsel Skagen Odde eine sandige Einöde wurde, dass sich Dünen bildeten und dass letztendlich Dänemark seitdem an der Westküste abnimmt und dafür in Richtung Schweden wächst. Dass sich an der Landzunge mit Skagerrak und Kattegatt sozusagen Nord- und Ostsee treffen und die Wellen gegeneinander branden, tut ein Übriges dazu.

Mit einem Flugsand-Museum am Leuchtturm an der Düne Rabjerg Knude wollte man die Entwicklung Besuchern erklären. Doch das Tempo der Verwehungen war größer als erwartet: Im vergangenen Jahr musste das Museum schließen, weil es vom Flugsand überlagert wurde, auch der Leuchtturm ragt nur noch zur Hälfte aus dem Sand heraus.

Entstanden ist eine einmalig schöne Dünenlandschaft, die auch Urlauber und Künstler zu schätzen wissen. Plätze wie die Rabjerg Knude oder die kleine Seemannskirche von Marup auf der Steilküste bei Lönstrup sind beliebte Orte, um den faszinierenden Sonnenuntergang genau gen Westen über dem Meer zu genießen. In den Sommermonaten kommen täglich Hunderte Menschen zu diesem Schauspiel.

"Skagen-Bilder" brachten den Malern Weltruhm

Das ist nur eine Möglichkeit, um das legendäre Licht von Skagen zu genießen. Schon ab 1880 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Skagen ein internationaler Treffpunkt junger Künstler, die sich zur impressionistischen Freilichtmalerei hingezogen fühlten. Ihre beliebtesten Motive waren Natur, Strand und Meer, Leben und Alltag der Fischer und ihre kleinen, von Sonnenlicht durchfluteten Stuben. Die "Skagen-Bilder" brachten den Malern Weltruhm ein und wurden auf großen Ausstellungen in Europa und Amerika gezeigt. Im Skagen-Museum am Bröndumsvej in Skagen ist heute eine große Auswahl der Bilder zu sehen.

Doch wer nach Skagen kommt, der will natürlich auch mit eigenen Augen sehen, wie sich Dänemark auf Schweden zubewegt. Also geht es mit Auto oder Bus am Leuchtturm hinaus zu einem Punkt namens Grenen. Hier beginnt hinter rund 15 Meter hohen Dünen die Landzunge, die sich immer weiter hinaus ins Meer schiebt.

Wer nicht hinauslaufen will zur Spitze, die sich bei ungünstigen Windverhältnissen auch mal unter einer dünnen Schicht Wasser verstecken kann, besteigt ein abenteuerliches Gefährt namens "Sandormen" (Sandwurm). Der von einem Trecker gezogene Wagen bringt Besucher hinaus zum Strand, an dem auf Grund starker Strömungen - immerhin treffen sich hier zwei Meere - das Baden leider verboten ist. Das Erlebnis, mit einem Bein in der Nordsee und mit dem anderen in der Ostsee zu stehen, lässt sich dennoch kaum jemand entgehen.

Von Ditmar Hauer, ddp



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