Skifahren mit Datenbrille Links ab zur Märchenwiesen-Hütte

Fahrstil und Wetter eingeben - und schon weist die Datenbrille die optimale Route rund um den Hochkönig. Samt Einkehrhütte und WC. Ski amadé im Salzburger Land leiht das smarte Tool als erste Region in den Alpen an Winterurlauber aus.

TMN/ Ski amadé/ Claudia Ziegler

Mühlbach am Hochkönig - Bei 20 Stundenkilometern geht das Licht aus. Dann zeigt der Bildschirm im rechten unteren Rand der Skibrille nur noch schwarz. Gefährlich sei es, wenn die Skifahrer ständig auf ihre Abfahrtsgeschwindigkeit schauen, sagt Christoph Eisinger.

Eisinger ist Geschäftsführer des Gebiets Ski amadé im Salzburger Land, einem Zusammenschluss der Salzburger Sportwelt, Schladming-Dachstein, Gastein, Hochkönig und dem Großarltal. In der Wintersportregion können Skifahrer und Snowboarder eine Datenbrille, die Smart Ski Goggles, für etwa 20 Euro am Tag ausleihen.

Auf den ersten Blick sehen die Skibrillen ganz gewöhnlich aus: schwarz, weiß, grau, verspiegelt oder nicht. Im rechten unteren Eck der Innenseite befindet sich eine kleine Kamera, im Rahmen ein kleiner Schalter und die USB-Schnittstelle, um die Daten auf einen Computer zu laden und die Brille mit Strom zu versorgen.

Sechs Stunden reicht die Batterie der Brille in der Regel - genug für einen durchschnittlichen Skitag. Und noch ein zweites Gerät müssen die Wintersportler anlegen: Ums Handgelenk wird eine Fernbedienung gewickelt, mit der man durch die verschiedenen Menüpunkte scrollen kann. Groß genug sind die Tasten und so angeordnet, dass sie auch mit einem dicken Skihandschuh zu bedienen sind.

Die Einweisung in das Gerät dauert eine Weile. "Die Daten in der Brille beruhen auf dem, was wir für unsere App aufbereitet haben", erklärt Eisinger. Die steht bereits im vierten Jahr für iPhones und Android-Smartphones zur Verfügung. "Herzstück ist das integrierte Ski-Navigationssystem mit Geokarte", sagt Manuel Schnell, der bei Ski amadé für sämtliche Datenprojekte zuständig ist.

Optimale Route für Hochkönig-Runde

Das aktuelle Wetter und die Temperaturen am Berg können Skifahrer ebenso abrufen wie die Pistenverhältnisse und den Status der verschiedenen Lifte. "Man kann sich entsprechend dem eigenen Fahrstil, dem eigenen Können und den aktuellen Wetterdaten seine optimale Route berechnen lassen", erläutert Schnell. Inklusive Hütteneinkehr und dem nächsten stillen Örtchen.

App und Datenbrille helfen zum Beispiel bei einer Runde um den Hochkönig. Die Route ist 32 Kilometer lang und führt über blaue und rote Pisten, 6700 Höhenmeter werden überwunden. Alle Infos erscheinen in der Brille, während der Fahrt zeigt lediglich ein Pfeil die Richtung an.

"Die Daten aktualisieren sich immer, wenn der Nutzer an einem der 400 freien W-Lan-Hotspots vorbeikommt, die es im Skigebiet gibt", sagt Schnell. So erfährt man, ob eine Piste oder ein Lift gesperrt ist. Oder wie man alternativ wieder zurück an seinen Ausgangspunkt und damit zum Auto oder Skibus kommt.

Zwar zeigt die Brille nicht wie das Navi im Auto jede Abzweigung an, bei dem der Skifahrer abbiegen muss - Pfeile weisen vielmehr die Richtung zum nächsten eingegebenen Punkt. Die analogen Tafeln und Schilder im Skigebiet sind schließlich auch noch da.

App und Brille können so personalisiert werden, dass ein Skitagebuch des Urlaubs entsteht. Es gibt einen Kalorienzähler, der anhand von gefahrenen Kilometern, Steilheit der Pisten und dem Können des Fahrers den Energieverbrauch berechnet. "Das will ich gar nicht wissen", sagt Andrea, Anfängerin aus Ostwestfalen. Doch Eisinger ist anderer Meinung: "So weiß man gleich, wie lange man noch fahren muss, damit der Kaiserschmarrn sich nicht allzu sehr auf die Hüften legt."

Einkehr in die Hütte

Von den 260 Hütten in der größten Skiregion Österreichs sind 20 zertifizierte Ski- und Weingenuss-Hütten, die auch zum Einkehrschwung am Mittag regionale Schmankerl in urigem Ambiente anbieten. Schick wie die Steinbockalm, urig wie die Tiergartenalm oder erstklassig gelegen wie die Karbachalm. Niemand muss in Skischuhen anstehen, in allen Genusshütten wird das Essen serviert.

Die Hütten sind nicht die einzigen "Points of interest" (POI), die in der Brille und der App hinterlegt sind. Auch Sehenswürdigkeiten, die zum Skigebiet gehören, Event-Tipps und die Zimmerverfügbarkeit können abgefragt werden. Außerdem hat die App noch eine weitere ganz praktische Funktion: Sämtliche Notrufnummern sind hinterlegt, über die Skifahrer sofort Hilfe holen können.

Digital unterwegs ist das Skigebiet schon seit einer ganzen Weile und gilt als Vorreiter in Österreich. Hotspots gibt es schon seit vielen Jahren, Orte also, an denen die Skifahrer draht- und kostenlos ins Internet gehen können. Inzwischen auch in einigen Liften, etwa dem King's Cab, einer Gondel, die Skifahrer und Snowboarder unter anderem zum Blue Tomato Kings Park führt. Dort sind vor allem die Freerider unterwegs - und die haben bereits Bilder im Internet gepostet, wenn sie ihre Figuren gerade fertig gedreht haben.

Um ihre persönlichen Daten müssen sich die Wintersportler im Ski amadé übrigens keine Gedanken machen: "Wenn die Verleiher die Brillen zurückbekommen, setzen sie alle Daten zurück", sagt IT-Experte Schnell.

Verena Wolff/dpa/cpo



insgesamt 2 Beiträge
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Leser161 20.02.2015
1. Endlich, aber
Endlich benutzt jemand mal die neuen Möglichkeiten mal für korrekte und praktische Augmented Reality. Natürlich gibt es noch Detailprobleme: - Is das echt cool wenn bei einer gefährlichen Sache wie Skifahren plötzlich Hinweise das Sichtfeld verdecken? So kleine Sachen gehen ja GERADE noch, aber eine bildfüllende Anzeige wie im Internet wäre ein Nogo. - Wie ist das mit dem Datenschutz? Kriegen häufige Nutzer dieses Angebots plötzlich still und heimlich Risikozuschläge bei der Krankenkasse? Einbrecher könnte sowas auch interessieren. Aber trotzdem geht es in die richtig Richtung.
eigene_meinung 20.02.2015
2. um Gottes Willen - nein !!!!!!!
Die Skifahrer werden sowieso schon genug abgelenkt und in ihrer Sicht und Hörfähigkeit beeinträchtigt, z.B. durch Helme und Kopfhörer. Sie fahren auch immer riskanter, weil sie meinen, ihnen könne nichts passieren, oder weil sie in diversen Skihütten mit Alkohol abgefüllt wurden. Auch sind immer mehr Idioten unterwegs, die sich nicht einmal orientieren können (und durch solche Brillen angelockt werden).
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