Spanien Die Pfade des "El Cid"

2. Teil: Auch Touristen dürfen hier Burgherr spielen


Touristen dürfen Burgherr spielen

In Berlanga de Duero kann man sogar sicher sein, alleine die Burg besuchen zu können, in der auch der "Cid" einige Nächte weilte: Der Burgschlüssel muss im Rathaus abgeholt werden - Gäste können sich also wie der Burgherr selbst fühlen. Bevor es anschließend weiter geht zu den mittelalterlichen Dörfern Medinaceli und Sigüenza, sollten Reisende aber auch einen Blick in Berlangas Kirche werfen.

Dort hängt über dem Eingang ein ausgestopftes Krokodil. Der Mönch Tomas von Berlanga, der im 16. Jahrhundert Bischof von Panama war und die Galápagosinseln entdeckte, hat es einst aus der Neuen Welt in sein Heimatdorf gebracht.

Ab Atienza und seiner imposanten Festung, die der "Cid" wegen der Stärke seiner Gegner wohlweislich umging, führt die Reiseroute in die ehemals muslimischen Gebiete. In Molina de Aragón, einem Schmelzkegel der christlichen, muslimischen und jüdischen Kultur, verbrachte der "Cid" einige Tage in der heute noch stehenden Burg des Kalifen Abengalbón. Hier lohnt sich ein Besuch im Naturpark Alto Tajo sowie im zwischen Felsklippen versteckten Kloster der Jungfrau de la Hoz.

Langsam geht die hügelige Landschaft Kastiliens in die raue Bergwelt Aragóns und die Bergausläufer Teruels über - Regionen in Spanien, die nur selten von ausländischen Touristen besucht werden. Halb verlassene Steindörfer, in denen es nach Feuerholz riecht, säumen die wilde Gebirgslandschaft mit dichten Pinienwäldern. Von hier aus begannen der "Cid" und seine Mannen mit der Eroberung Valencias und der Levante-Küste. Versteckte Bergdörfer wie Albarracín, Rubielos de Mora oder Mirambel bezaubern auf der Route mit ihrer Lage und ihren mittelalterlichen Gassen. Albarracín gilt dabei als eines der schönsten Dörfer der iberischen Halbinsel.

Schutzherrscher im Fürstentum

Nach schweren Niederlagen der Kastilier gegen die maurischen Fürsten kam es ab 1086 zur Annäherung zwischen dem "Cid" und König Alfons VI. Nach und nach übernahm der Ritter die Schutzherrschaft über das formal mit Kastilien verbündete maurische Fürstentum Valencia. Von 1089 an machte der "Cid" Valencia und die nördliche Region des heutigen Castellón dann zum Bollwerk gegen die erneut vom Süden vordringenden maurisch-almoravidischen Heere. Nachdem die Mauren 1092 Valencia kurzzeitig besetzen konnten, nahm der "Cid" die Stadt 1094 wieder ein und drängte die Almoraviden gen Süden. Dann herrschte er bis zu seinem Tod am 10. Juli 1099 als oberster Richter.

Wer sich abseits der Touristenhochburgen Valencia und Alicante auf die Spuren des "Cid" begibt, wird mit dem Besuch von Burgen wie Sax und Villena belohnt, die schon vor dem Jahr 1100 zwischen Apfelsinen- und Weinplantagen emporragten. Oder er entdeckt nach der Fahrt durch schöne Schluchten mittelalterliche Dörfer wie Bocairent.

Ob auch der "Cid" auf dem Weg nach Alicante durch die Altstadt und über die verträumten Steinbrücken Bocairents gezogen ist, weiß man nicht. Sicher ist hingegen, dass er auf dem Eroberungszug in den maurischen Süden das Weihnachtsfest 1088 im Palmenpark von Elche verbracht hat. In der Stadt, die erst 1265 von den Mauren zurückerobert wurde, befindet sich mit bis zu 300.000 Bäumen heute noch die größte Ansammlung von Palmen in ganz Europa. Der Palmenhain wurde im Jahr 2000 sogar zum Unesco-Welterbe ernannt. Zu Zeiten des "Cid" sollen in Elche sogar bis zu zwei Millionen gestanden haben.

Von Manuel Meyer, gms



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