Idylle auf See Spaniens unberührte Inseln

Einsame Strände und unberührte Natur? Das gibt es sogar an Spaniens Mittelmeerküste. Und zwar dort, wo kaum jemand hinfährt - hinaus aufs Meer: Kleine, vorgelagerte Inseln sind Spaniens letzte Geheimtipps.

Fremdenverkehrsamt Castellon/ TMN

Wenn man an Spaniens Mittelmeerküste denkt, hat man eher selten einsame Strände im Sinn: Der moderne Massentourismus entstand in den frühen Fünfzigern in Norditalien und eben dort, von der Costa Brava an Richtung Südwest. Auch 65 Jahre später ist das kaum zu übersehen. Weiten Abschnitten der Küsten hat das den unschönen Spitznamen Costa Betona eingebracht - Hotel reiht sich an Hotel, Ressort an Ressort.

Das ursprüngliche Spanien findet sich eher an der Atlantikküste, denn auch die größeren Inseln wie Mallorca oder Ibiza gehören ja längst zu den dichtest besiedelten Gebieten Europas. Aber zu Spanien gehören nicht nur große, sondern auch einige kleine, zum Teil bewohnte Inseln - und an einigen davon ist der Massentourismus komplett vorbeigegangen.

Die Columbretes: Spaniens "Galapagos"

50 Kilometer vor der Costa del Azahar zwischen Peñiscola und Valencia liegt eine kleine Inselgruppe namens Columbretes. Es ist ein marines Schutzgebiet mit Naturpark-Status - und den kann man besuchen. Man mietet sich einen Katamaran oder reserviert sich einen Platz auf einem Ausflugs- oder Tauchboot (siehe Servicekasten unten). Viel Kommerz und Entertainment muss man dort draußen nicht befürchten.

"Dafür gibt es hier viel Ruhe und eine Menge spektakuläre Natur", versichert Parkwächter Vicente Ferrís. Schon bei der Anfahrt wird klar, warum diese Inseln oft als "spanische Galapagos-Inseln" bezeichnet werden. Die Abgeschiedenheit hat sie zu einem wahren Tierparadies gemacht.

Die meisten der knapp 20 Inselchen sind eigentlich eher Felsen, die aus dem Meer herausragen. Eleonorenfalken kleben in den steilen Felswänden, riesige Kolonien von Gelbschnabel-Sturmtauchern, Silber-, Korallen- und Mittelmeermöwen, Krähenscharben und Kormorane nisten im rissigen Gestein der Inseln.

Es gibt vier größere davon - La Ferrera, La Foradada, El Carallot und Illa Grossa, die Hauptinsel. Dass sie vulkanischen Ursprungs sind, zeigt sich schon, wenn das Boot in den ehemaligen, kreisrunden Vulkankrater von Illa Grossa einläuft, der zu einer Seite offen ist. Bis zu 67 Meter hebt sich die Insel in Hufeisenform aus dem Meer.

Segelboote liegen im kristallklaren Wasser vor Anker. "Die meisten sind auf dem Weg nach Mallorca, aber es ist hier so idyllisch und einsam, dass die wenigsten weiterfahren und einfach hierbleiben", versichert Antonio Civantos.

Er ist mit einer kleinen Tauchergruppe aus Alcossebre gekommen, die vor dem Abtauchen einen Landgang machen möchte. Er setzt sie an einer rutschigen, in den Felsen geschlagenen Treppe ab, wo Parkwächter Vicente die Gäste empfängt.

Die Illes Columbretes sind seit 1988 Naturpark und seit 1990 auch ein Seereservat, weshalb Vicente den Besuchern zunächst eine lange Verbotsliste mitzuteilen hat, bevor es auf einem schmalen Weg hinauf zum Leuchtturm geht. "Erst einmal darf man den Weg nicht verlassen", stellt er klar. Man darf keine Pflanzen pflücken oder auf sie treten. Man darf keine Steine mitnehmen, keine Tiere fangen und sie auch nicht füttern. Man darf hier nicht rauchen, Müll wegschmeißen oder einfach so sein Geschäft erledigen. "Sie dürfen aber so viele Fotos machen, wie sie möchten und die Inseln in vollen Zügen genießen", sagt Vicente mit einem Lachen.

So pfleglich geht man erst seit Kurzem mit den Inseln um. Bis vor 30 Jahren nutzten sowohl die spanische Armee als auch die amerikanische US-Luftwaffe die Inseln als Übungsgelände für Ballistik und Bomber. Einige Eilande tragen weithin sichtbare Narben aus dieser Zeit.

Über Jahrhunderte nutzten Schmuggler und Piraten die Inseln, kurzzeitig diente die Hauptinsel auch als Strafkolonie. 1856 wurde mit dem Bau des Leuchtturms begonnen. Dabei fackelten die Arbeiter einfach die ganze Insel ab, um die zahlreich dort lebenden giftigen Schlangen zu töten. "Die Vegetation wurde damals größtenteils vernichtet. Aber wie Sie sehen, hat sich die Natur wieder erholt", erklärt Vicente.

Durchaus exklusiv: Der Zugang ist limitiert

Damit das so bleibt, dürfen sich zu jedem Zeitpunkt immer nur drei Gruppen von je 20 Personen auf der Insel aufhalten. Maximal sind pro Tag 120 Besucher im 19 Hektar großen Naturpark zugelassen. Der Ansturm hält sich also in Grenzen. Zwischen Oktober und April könne es auf Columbretes sogar richtig einsam werden, meint Vicente. Im vergangenen Jahr haben nur knapp 5000 Touristen die Inseln besucht.

Es geht zurück zum Boot. Schließlich kommen die Besucher ja eigentlich zum Tauchen her. "Die Columbretes-Inseln sind mit Sicherheit die schönsten Tauchgebiete in der gesamten Region Valencia. Die vulkanische Felslandschaft ist wirklich sehr abwechslungsreich. Es gibt spannende Höhlen, Seegraswiesen, und wir haben hier Sichtweiten von bis zu 40 Metern", sagt Antonio Civantos. Er unterhält in Alcossebre ein Tauchzentrum. Immer wenn es das Wetter zulässt, fährt er die Inseln an.

Eineinhalb bis zwei Stunden dauert die Überfahrt. Doch der Weg lohnt sich, versichert Gast Volker Clasen. Der Autohausbesitzer aus dem norddeutschen Ritterhude ist begeistert: "Das Wasser hier draußen ist glasklar. Wir haben riesige Zackenbarsche, Goldbrassen, Muränen und große Barrakuda-Schwärme gesehen."

In den Höhlen verstecken sich Kraken und riesige Langusten. Da es sich um ein Seereservat handelt, ist auch die Zahl der zugelassenen Taucher sehr begrenzt. Anfänger dürfen hier gar nicht abtauchen. Doch schon das Schnorcheln im Kraterkessel ist ein Erlebnis für sich.

Tabarca: Ein Dorf im Meer

Wer etwas weiter südlich in der Provinz Alicante auf der Flucht vor den Sonnenschirmansammlungen der Costa Blanca ist, wird auf Tabarca fündig. Das Eiland liegt nur knapp vier Kilometer vor der Küste von Santa Pola.

Zugegeben: In der Hochsaison zieht es viele spanische Familien aus der Region dorthin, die die Massen deutscher und englischer Touristen in Benidorm und Alicante meiden wollen. Die Paella-Restaurants der Insel platzen dann auch hier aus allen Nähten. Doch Massenaufläufe und schreiende Menschen, die auf Kunststoffbananen übers Meer gezogen werden, gibt es noch nicht. Autos und große Hotels sind Fehlanzeige. In dem einzigen Dorf gibt es lediglich sechs Pensionen und kleine Hotels.

Vor allem in der Nebensaison findet man auf Tabarca noch stille Ecken und Badebuchten. Die Insel ist nicht groß: Eine einzige Drohne überblickt ihr ganzes Panorama. Vom Hafen aus gelangt man in wenigen Minuten zur Inselmitte, wo der klotzige Wachturm Torre de San José thront, mit dem sich die Inselbewohner früher vor Piraten schützten. Wenige Hundert Meter weiter gelangt man über die baumlose Ebene mit ihren prachtvollen Agaven zum Leuchtturm und einem Friedhof genuesischer Fischerfamilien.

König Karl III. befreite die Genuesen 1768 aus der Gefangenschaft in der tunesischen Stadt Tabarka und siedelte sie auf der Insel an, damit sie hier wohnen und das Eiland zum Schutz vor nordafrikanischen Schmugglern und Piraten befestigten. Deshalb heißt die Insel heute offiziell eigentlich "Nueva Tabarca", das Neue Tabarca.

Hinter der alten, von den Genuesen erbauten Stadtmauer erwartet die Besucher ein Gewirr aus kleinen Gassen. Geranien schmücken die Fenster der weiß gekalkten Fassaden. Rund um den Dorfplatz liegen ein paar kleine Restaurants. Es riecht nach Olivenöl, Knoblauch und schwarzem Tintenfischreis mit Meeresfrüchten. Gerade einmal 70 Personen leben hier im Winter. Im Sommer sind es knapp 300.

Wer Tabarca richtig genießen möchte, sollte auf jeden Fall hier übernachten. Sobald im Sommer die Tagesgäste die letzte Fähre zurück zum Festland genommen haben, erobern die wenigen Dorfbewohner am Abend wieder die Gassen. Ruhe kehrt ein. Der Sonnenuntergang gehört einem am Strand nun fast allein.

Tabarca und Columbretes: Was man wissen muss
Anreise
Columbretes und Tabarca Anreise: Air Berlin, Iberia und andere Airlines fliegen von zahlreichen deutschen Flughäfen Valencia und Alicante an.
Überfahrt nach Tabarca
Von Santa Pola gehen alle 20 Minuten Fähren verschiedener Anbieter nach Tabarca. Hin- und Rückfahrt kosten rund 10 Euro.
Aufenthalt auf Tabarca
In den letzten Jahren wurden sechse kleinere Pensionen/Hotels auf- und ausgebaut, und immerhin neun Restaurants und Tavernen sorgen dafür, dass niemand hungrig bleibt. Den jeweils vollständigen Überblick hat die Tourismusbehörde von Alicante: www.alicanteturismo.com/die-insel-tabarca-alicante/?lang=de
Trips nach Columbretes
Von Peñíscola, El Grau de Castelló, Alcossebre oder Oropesa del Mar starten Tauch- und Ausflugsboote nach Columbretes. Informationen zu autorisierten Touren mit Abfahrtszeiten bekommt man über eine Webseite der Nationalparkverwaltung: www.visitaislascolumbretes.com/en (nur in spanischer und englischer Sprache).

Ein Besucherzentrum am Festland, wo man sich vorab informieren kann, ist im Columbretes Planatario de Castellón untergebracht. (Paseo Marítimo 1, 12100 Grau de Castelló).

Manuel Meyer, dpa/pat

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
irrenderstreiter 22.09.2016
1.
"Kleine, vorgelagerte Inseln sind Spaniens letzte Geheimtipps" ... was SPON offensichtlich vorhat zu ändern.
GoaSkin 22.09.2016
2.
Die meisten Leute kennen von Spanien nur die Mittelmeer-Küste und beschränken darum ihre Suche nach Geheimtipps nur auf die Mittelmeer-Region. Und wenn man den Atlantik anspricht, denken die Meisten, man meint den kurzen Landstrich zwischen Gibraltar und Portugal. Aber ich bin auch recht froh darüber, dass es kaum jemanden in den Sinn kommt, nach Asturien oder nach Kantabrien zu reisen. Dort muss man die einsamen Strände und die unberührte Natur immerhin nicht so lange suchen.
realpress 22.09.2016
3. Falsch !
Nix unberührt ! Unberührt heisst eben unberührt, von unberührt ist hier nicht die Rede. MfG aus NL
mmmmmaria 22.09.2016
4. Die Petersilie Insel
Tja, im Mittelmeer bleibt es noch eine kleine Insel unentdeckt: die Insel Petersilie (Perejil) mit ihrem Ziegen-Bevölkerung... Viel Spaß dabei!
Sumerer 23.09.2016
5.
Zitat von realpressNix unberührt ! Unberührt heisst eben unberührt, von unberührt ist hier nicht die Rede. MfG aus NL
Über die Begriffsverwendung "unberührt" habe ich mich auch schon gewundert. Zwischen Torrevieja und Santa Pola bin ich bestimmt schon zehnmal über Tarbaca hin und her gependelt. Es sind von Torrevieja und Santa Pola ständig Ausflugsboote unterwegs. Dazu muss man mit den Tagesausflugsunternehmen sprechen. Mit jeweils 50-70 Besuchern, die sich ein paar Stunden auf der sehr kleinen Insel (ein Rundgang ist in etwas weniger als 1 Stunde zu schaffen). So dass zeitgleich zusätzlich etwa 100-200 Besucher auf der kleinen Insel sind. Trotzdem lohnt sich dies. Die Restaurants sind gut. Auf der Fahrt sind, mit etwas Glück Delfine, zu sehen. Die Gegend um Tarbarca ist sehr fischreich (Schnorcheln, Tauchen). In Santa Pola kann man Flamingos in den Salinen bewundern. Elx (Elche) ist gut zu erreichen (Palmengärten, Basilica, Museen, etc.). Alicante auch. Ein nahes Naturschutzgebiet ist ebenfalls zu empfehlen. Und in Torrevieja ist La Mata ein Ausflugstipp. Mit Flamingos in Salzseen und vielen Wasservögeln und wirklich abenteuerlichen Farben.
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