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29. Juli 2010, 11:33 Uhr

Spritmangel in Griechenland

Touristen haben keinen Anspruch auf Mietwagen-Stornierung

Die Benzinknappheit in Griechenland ist ein Fall von höherer Gewalt - deshalb können Verträge mit Mietwagenunternehmen nicht problemlos storniert werden. Ein Experte empfiehlt trotzdem, mit dem Verleiher zu verhandeln - und bloß keinen Reservesprit aus der Heimat einzuführen.

München - Mietwagenkunden in Griechenland haben wegen der dortigen Kraftstoffknappheit keinen Anspruch auf eine Stornierung des Vertrags. Ein Streik der Tank- und Lastwagenfahrer hat zu akutem Spritmangel an den Tankstellen geführt. "Das ist höhere Gewalt, da gibt es keinen Rechtsanspruch", erklärt ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. Verhandlungsgespräche könnten sich aber lohnen.

Griechenland-Reisenden rät Maurer, im Gespräch mit dem Vermieter vor Ort eine Lösung zu suchen. Zumindest von den großen Anbietern sei eine gewisse Kulanz erwartbar. Bestenfalls könnten Verträge aufgehoben werden - vor Fahrtantritt oder danach. Auf Kulanz der Anbieter können Mietwagenkunden auch hoffen, wenn sie ihren Wagen nicht wie vereinbart vollgetankt wieder abgeben können, weil kein Kraftstoff verfügbar ist. Kommt ein Auto fast leer zurück, kassieren viele Verleiher laut Maurer normalerweise "unattraktiv hohe" Vorauszahlungen fürs nachträgliche Tanken.

"Unter den besonderen Umständen kann man darüber aber sicher mit dem Anbieter reden und faire Konditionen aushandeln", sagt der ADAC-Sprecher. Reservekraftstoff im Auto mitzuführen oder gefüllte Spritkanister ins Land zu bringen, verbietet das griechische Gesetz strikt. "Es könnte zwar gut sein, dass die Polizei momentan bei Kontrollen ein Auge zudrückt, wenn jemand Reservesprit an Bord hat", spekuliert Maurer, betont aber: "Griechenland-Urlaubern und auch Transitreisenden rate ich dringend davon ab."

Eine Besserung der Situation ist aber bereits in Aussicht: Der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou hat den für die Benzinknappheit verantwortlichen tagelangen Streik mit einer Notverordnung beendet. Er erließ nach Angaben eines Sprechers am Mittwochabend eine Anordnung, in der die Tank- und Lastwagenfahrer zur Arbeit verpflichtet wurden. Der Ausstand habe bereits für eine "ernsthafte Störung" des wirtschaftlichen und sozialen Lebens in der Hauptreisezeit gesorgt.

sto/dpa/AFP

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