Steiermark Fata Morgana unter Hügeldächern

Als größtes bewohnbares Gesamtkunstwerk bezeichnete Friedensreich Hundertwasser Rogner-Bad Blumau. Die von ihm entworfene Thermenlandschaft ist unendlich verspielt und bunt, aber dennoch funktionsgerecht. Im Süden der Steiermark dreht sich alles um die heißen Quellen.

Fehring - "Ursprünglich wurde in den siebziger Jahren ja nach Erdöl gebohrt", erzählt ein Wiener Tourist, der seit vielen Jahren regelmäßig eine Woche zum Ausspannen in das Steirische Thermenland fährt. "Statt Öl und Gas wurde aber nur heißes Wasser gefunden. Das bringt uns nichts, hieß es damals, und die Bohrlöcher wurden zunächst wieder verschlossen", erinnert er sich.

Doch in Zeiten wirtschaftlicher Rezession besannen sich die politisch Verantwortlichen rasch und nutzten die wortwörtlich zu verstehende heiße Chance. Anstelle von Raffinerien entstanden die fünf modernsten und meistbesuchten Wellness- und Gesundheitszentren Österreichs, die sich mittlerweile auch international einen Namen gemacht haben. Rogner-Bad Blumau, Therme Loipersdorf, Kurtherme Bad Gleichenberg, Heiltherme Bad Waltersdorf und Parktherme Bad Radkersburg heißen die beliebten Thermenanlagen.

Inmitten einer fast unberührten Wald- und Wiesenlandschaft liegt Österreichs jüngster Kurort Bad Waltersdorf. Das heilkräftige Thermalwasser einer Natrium-Hydrogencarbonat-Chlorid-Quelle, das mit 62 Grad Celsius aus der Erde tritt, wird auf verträgliche Temperaturen gekühlt und sprudelt mit 28 bis 37 Grad Celsius in die Bade- und Schwimmbecken der Heiltherme und mehrerer Hotels. Die überschüssige Wärmeenergie wird zu Heizzwecken benutzt und macht den Kurort emissionsfrei und zu einem Öko-Musterdorf.

Freie Formen, fließende Linien

"Eintauchen, wohlfühlen und das Leben genießen", lautet das Motto von Bad Waltersdorf, das sich auf ganzheitliche und innovative Anwendungen spezialisiert hat. Sie lindern Beschwerden am Bewegungsapparat, Erkrankungen der Atemorgane oder Herz-Kreislaufstörungen. Neben den warmen Quellen bietet Bad Waltersdorf eine Umgebung, die zum Laufen, Radfahren, Wandern, Reiten oder Golfen einlädt. Über den Thermenradweg R 12 zum Beispiel sind vier der fünf Bäder miteinander verbunden.

Nur einen Katzensprung ist es bis zum Rogner-Bad Blumau, das dank seiner Farbenpracht und außergewöhnlichen Architektur schon von weitem ins Auge fällt. "Man geht über bewaldete Hügel und ist erstaunt zu entdecken, dass darunter Menschen wohnen", schwärmte Friedensreich Hundertwasser über seine Thermenlandschaft, die er selbst als größtes bewohnbares Gesamtkunstwerk bezeichnete. Sie ist wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht, wie eine Fata Morgana unter bewaldeten Hügeldächern - freie Formen, fließende Linien, unendlich verspielt und bunt, aber dennoch funktionsgerecht.

Das Therapieangebot der Hundertwassertherme reicht von der traditionellen Behandlung bis zu fernöstlichen Heilmethoden und Klangtherapien, die sich in der Harmonie von Formen und Farben entfalten. Spaß und Erholung für die ganze Familie garantiert das nur wenige Kilometer südlich gelegene Erlebnisbad Loipersdorf. Eine 101 Meter lange Riesenrutsche mit Licht-, Ton- und Geruchseffekten, ein Wildbach und das Acapulcobecken mit Felsrutschen stehen auf der Beliebtheitsskala weit oben. Für Kinder gibt es ein Märchenhaus und einen "Baby-Beach" mit echtem Sand und Muscheln aus Florida.

Steirische Schlösserstraße

Als Ausflugsziele rund um Loipersdorf empfehlen sich die Burgen und Schlösser entlang der Steirischen Schlösserstraße. Weithin sichtbar thront die Riegersburg auf einem 482 Meter hohen Vulkanberg und bietet einen herrlichen Blick auf die sanft, aber markant gewellte Landschaft, die auch als die "Toskana Österreichs" bezeichnet wird. Als "Bollwerk und Brücke zum Osten" erzählt die Burg, die nie eingenommen wurde, romantische Legenden, mystische Geschichten und historische Details. In den Prunkräumen bietet eine Ausstellung Einblicke in das Leben auf der Riegersburg im 17. Jahrhundert.

Aussichtsreich in jeder Hinsicht ist der Besuch von Schloss Kapfenstein. Erstmals 1065 erwähnt, ist das Gemäuer seit 1898 im Familienbesitz und zieht Genießer aus nah und fern an. Hinter den dicken Mauern des Schlosses versteckt sich neben einem Hotel auch ein beliebtes Restaurant. Aufgetischt wird bodenständige steirische Küche, dazu werden Weine der Region gereicht.

Welschriesling, Muskateller, Weißburgunder, Morillon und Sauvignon blanc haben längst internationales Format, und auch bei den Rotweinen mischen die Winzer aus dem Dreiländereck Österreich, Ungarn und Slowenien ganz vorn mit. Genau in dieser Grenzregion liegt mit Bad Radkersburg Österreichs südöstlichste Stadt. Der internationale Bauernmarkt, auf dem jeden Freitag auch Produzenten aus den beiden Nachbarländern ihre Spezialitäten feilbieten, zeigt anschaulich, dass die gesamte Region von der EU-Erweiterung profitiert.

Römer im Bad der Könige

Der vorbildlich sanierte Ort präsentiert sich wie ein Bilderbuch europäischer Baugeschichte. Die von einem fast lückenlosen Festungsgürtel umschlossene Altstadt bietet in ihren engen Gassen und auf ihren Plätzen schmucke Fassaden, Torbögen, Arkadenhöfe in Gotik, Renaissance, Barock und Biedermeier. Ein "Blaues Wunder" verspricht die moderne Parktherme ihren Gästen beim Kuren und Baden und verweist auf die besondere Qualität des Thermalwassers.

Die älteste Kurtherme hat Bad Gleichenberg. Im Bad der Könige sollen schon die alten Römer das hier sprudelnde Heilwasser genossen haben. Seit 1834 war das mondäne Kurbad Treffpunkt des Hochadels. Herrschaftliche Villen und ein 20 Hektar großer Park erinnern an diese Zeit. Anders als bei den neuen Erlebnisbädern liegt in Bad Gleichenberg auch heute noch der Schwerpunkt auf Heilanwendungen.

Von Detlef Berg, gms

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