Steinbrüche in der Oberlausitz Blubber in der Blauen Grotte

Durchlöchert wie ein Schweizer Käse wirkt Oberlausitz an vielen Stellen, tiefe Löcher sind gefüllt mit blauen See: Der Granitabbau hat den Osten Sachsens nachhaltig verändert - zum Glück für Taucher, Turmfalken und Tagebau-Fans.


Häslich - Für Falken ist es eine tolle Gegend - und für Abenteurer ein echter Spielplatz. Vom einen auf den anderen Meter fällt der Boden steil ab, und mitten im Wald tun sich tiefe Löcher auf. Sie sind gefüllt mit blauen Seen, die eingerahmt werden von senkrechten und teils überhängenden Felswänden. Mehr als 170 Jahre industrieller Granitabbau haben in der grünen Hügellandschaft der Oberlausitz ihre Spuren hinterlassen.

Wer wissen will, wie die Seen entstanden sind, findet Antworten in einem kleinem Museum im Haselbachtal. Auf dem Gelände im Ort Häslich können Besucher der Spur der Steine folgen: vom Heraussprengen der Granitfelsen über die unterschiedlichen Stufen der Bearbeitung bis zum Verladen der fertigen Steine. Angerostete Kräne, Lokomotiven und Loren legen Zeugnis ab von einstiger Geschäftigkeit. Zu besichtigen sind auch die - wieder funktionstüchtige - Schmiede und die Zimmerei.

Granit ernährte die ganze Gegend

Das Museum informiert auch über die Lebens- und Arbeitsbedingungen jener Menschen, die hier einst die Maschinen bedienten. Granit aus der Oberlausitz wurde benötigt für den Straßen- und Brückenbau, für Eisenbahnlinien und Gehwege. Am Ende der dreißiger Jahre erreichte der Steinbruchboom seinen Höhepunkt. Allein in Häslich und der Nachbargemeinde Bischheim gab es dem Museum zufolge damals 23 Steinbruchbetriebe, und der Granit ernährte die ganze Gegend.

Knapp 3000 Besucher zählte der Förderverein "Schauanlage und Museum der Granitindustrie" im Jahr 2007. Das ist viel für Häslich mit seinen 600 Einwohnern. Der Ort liegt abseits der Touristenrouten im Freistaat.

Die überregionalen Besucher, die sich bisher nach Häslich verlaufen, sind meist Taucher. Zwei Tauchschulen aus Dresden sind Pächter der Steinbruchseen, die Namen tragen wie "Luise", "Prelle" und "Blaue Grotte". Das klare Wasser und die bis in Tiefen von mehr als 40 Meter abfallenden Steilwände sind für Taucher eine Attraktion. Und neben Fischen und Unterwasserpflanzen lassen sich auch noch Überbleibsel des ehemaligen Tagebaubetriebs finden.

Fledermäuse und Turmfalken

Die zerklüftete Landschaft ist nicht nur interessant für Inlandtaucher, sondern auch für Vogel- und Pflanzenfans. Aus den verlassenen Steinbrüchen sind Naturoasen geworden, die eine Mischung aus Biotopen bieten, die anderswo selten geworden sind. Auf den Abraumhalden hat sich Pionierwald breit gemacht: Weißbirken, Zitterpappeln, Weiden, Kiefern und Stieleichen, gesät von Wind und Vögeln.

Für den Turmfalken, der gerade eine Runde fliegt, sind die steilen Felswände ausgezeichnete Brutplätze. Steile Ufer für den Bau seiner Brutröhren benötigt auch der Eisvögel. Sein Futter findet der blaue Fischjäger direkt vor der Haustür.

Das Steinbruchgelände bietet aber nicht nur Vögeln Unterschlupf: Wenn es dunkel geworden ist, verlassen Fledermäuse ihre Schlafplätze. Zu sehen sind die Flattermänner, wenn es an den Steinbrüchen am schönsten ist: nach einem Badetag im Sommer, wenn die Felsenseen im Abendlicht zur perfekten Kulisse werden für die Abenteuergeschichten eines Mannes, der gar nicht weit von hier gelebt hat: Karl May.

Von Arnd Petry, dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.