Fotostrecke

Alpen: Fünf Bergmassive, die eine Reise lohnen

Foto: Nendaz Tourismus

Superskiberge der Alpen Fünf Meisterprüfungen für die Ski-Elite

Auf einer planierten Piste kann jeder abwärts rutschen - wahre Ski-Meister und Snowboarder suchen die Herausforderung lieber gleich an einem kompletten Massiv. Fünf Superskiberge in den Alpen bieten den maximalen Nervenkitzel.

Die längste Piste, die steilste Piste, die schönste Piste - alle Winter wieder werden Ranglisten dieser Art erstellt. Wer aber fährt für einen Hang in den Urlaub? Besser wäre doch ein ganzer Berg, ein Massiv, an dem man sich tage- oder wochenlang austoben kann.

So muss man eher folgende Fragen stellen: Welche Gipfel vereinen große Schneesicherheit, markante Landschaftsformen, vielfältige Pisten und beste Möglichkeiten im Gelände? Welche wohlgeformten Schneeriesen bringen selbst Flachlandtiroler zum Träumen, wenn der Wetterbericht im dritten Programm die Winterpanoramen im TV zeigt?

Kurzum: Wie heißen die Superskiberge der Alpen?

SPIEGEL ONLINE stellt fünf Berge vor, deren Flanken und Hänge die wirklich guten Skifahrer und Snowboarder einmal im Leben erlebt haben müssen - und lädt die Leser dazu ein, eigene Vorschläge zu machen. Neben den persönlichen Erfahrungen des Autors spielten auch ein paar harte Fakten bei der Auswahl eine Rolle: Berge unter 2500 Metern bleiben außen vor, und die Höhendifferenz vom Start an der Bergstation bis zum letzten Schwung an der Talstation sollte sich der Marke von 1500 Metern zumindest nähern. Ebenso spielt die Länge der Talabfahrt eine Rolle, deren Kilometerzahl muss im zweistelligen Bereich liegen.

Zusätzlich setzen wir extensive Abfahrtsmöglichkeiten abseits der präparierten Pisten voraus - ob es sich um markierte Tiefschneerouten oder völlig unkontrolliertes Gelände handelt, ist nicht von Belang. Unter den A-Prominenten aus Fels und Schnee finden sich sowohl schillernde Solitäre als auch Erhebungen, die Teil riesiger Skigebiete sind. So kann jeder Schneesport-Freak seinen Favoriten finden, ganz gleich, ob man nun ein anheimelndes, verschlafenes Bergnest wie Andermatt vorzieht oder lieber in den Metropolen der Wintersportszene wie etwa Verbier absteigt.

Klicken Sie sich durch die besten Skiberge der Alpen:

Mont Fort (3330 Meter) im "Quatre Vallées" - König der Buckligen

Mont Fort: Mädchenhang oder Bubenhang, das ist hier die Frage

Mont Fort: Mädchenhang oder Bubenhang, das ist hier die Frage

Foto: Nendaz Tourismus

Weniger ist manchmal mehr: Mit dieser Taktik haben sich die Skigebietsplaner im schweizerischen Riesenrevier "Quatre Vallées" über die Jahre einen exzellenten Ruf bei sportlichen Skifahrern und Freeridern erworben. Mitunter sind hier selbst zentrale Abfahrten weder blau noch rot noch schwarz markiert, sondern gelb. Das bedeutet, dass sie zwar überwacht, aber nicht gewalzt werden. Ein derart anspruchsvolles Revier braucht ein geeignetes Aushängeschild. Diese Aufgabe erfüllt der Mont Fort, mit 3330 Meter der höchste Punkt in den "Vier Tälern", mit Bravour.

Auf seiner Vorderseite, direkt unter der Seilbahn, fallen zwei Rampen ins Tal ab, die Anfängern und Sonntagsskifahrern das Blut in den Adern gefrieren lassen. Eine kleine Traverse bringt Wagemutige auf den "Mädchenhang", der diese Bezeichnung unter anderen Umständen sicher nicht tragen würde. Direkt unter der Station kippt jedoch der "Bubenhang" ab ins Bodenlose. Wer hier stürzt, für den endet der Fall nicht selten erst am Fuß der Gipfelpyramide.

Angesichts Tausender Buckel mit den Ausmaßen von Komposthaufen - von Könnern liebevoll "Kamelhöcker" genannt, in den Augen anderer wohl eher verschneite Eiterbeulen - tritt so mancher, der voller Zuversicht nach oben schwebte, den Rückzug an. So freut sich der Gondelführer auch bei den Talfahrten regelmäßig über Gesellschaft. Die Bezwinger des Mont Fort können das holprige Vergnügen schier grenzenlos verlängern: Über sechs Kilometer und 1300 Höhenmeter führt die gewaltigste Buckelpiste der Alpen hinab nach Tortin, im Anschluss folgen auf der blau markierten Piste nach Siviez (1730 Meter) vier Kilometer Ski-Wellness.

Am Mont Fort kann auch der Rücken entzücken: Wer einen kleinen Aufstieg auf den Gipfel des Berges investiert, für den öffnet sich ein variantenreicher Ski-Spielplatz von gigantischen Ausmaßen. Am Einstieg reißen ruppige Steilrinnen ihre felsigen Mäuler auf, anschließend schnurren die Ski über weites Gletschergelände und offene Hänge dahin, bevor eine spektakuläre Traverse entlang des "Lac de Cleuson" in die Zivilisation zurückführt.

Zum Schlusspunkt dieser Abfahrt schwingt man an der riesigen Staumauer des Gewässers hinab. Und wer jetzt noch nicht genug hat, dem sei verraten, dass der Mont Fort noch einen kleinen Bruder hat, den Mont Gelé (3023 Meter). Vom "vereisten Berg" ziehen ausschließlich unpräparierte Routen zu Tal.

Kontakt und Infos: Téléverbier, www.4vallees.ch , Tel.: +41-(0)27- 775-25-11

Schindlergrat (2660 Meter) in St. Anton - Höhe ist nicht alles

Schindlergrat: In sämtlichen Himmelsrichtungen locken gute Pisten

Schindlergrat: In sämtlichen Himmelsrichtungen locken gute Pisten

Foto: Tourismusverband St. Anton

Es kommt nicht immer auf die Größe an: Höhenmäßig zieht der Schindlergrat gegenüber allen anderen Kandidaten in dieser Auflistung den Kürzeren. Dafür thront er über einem der Schneelöcher in den Alpen: St. Anton am Arlberg. Trotz seiner vergleichsweise bescheidenen Ausmaße ist der Berg von einzigartiger Vielseitigkeit. In alle Himmelsrichtungen ziehen sich Abfahrten verschiedener Schwierigkeitsgrade zu Tal.

Wintersportler können nach dem Starthang zwischen zwei endlosen Pistentrassen wählen. Richtung Westen lockt die blaue Valfagher-Abfahrt, die nach neun Kilometern und 1200 Höhenmetern im Weiler Stuben endet. Hier unten empfiehlt es sich, zur Stärkung ein Heißgetränk auf der malerischen Sonnenterrasse des Hotels "Zur Post" einzunehmen.

Noch 160 Höhenmeter mehr reißt man auf der zehn Kilometer langen Piste durch das Steißbachtal ab, die jedoch gerade zu Stoßzeiten an eine Ruhrgebiets-Autobahn zur Rush-Hour erinnert. Schluss ist auf dieser Abfahrt erst inmitten von St. Anton - falls man der Versuchung widersteht, unterwegs noch für ein bis fünf Drinks in den Après-Ski-Tempeln "Mooserwirt" oder "Krazy Känguru" einzukehren.

Seine wahren Qualitäten offenbart der Schindlergrat vor allem jenen Wintersportlern, die das Gelände nicht scheuen. Kultcharakter haben vier Steilrinnen, die sich durch die markanten Felsen an der Westflanke des Berges schneiden. Um sie zu erreichen, biegt man direkt nach dem Liftausstieg links ab. Eine Traverse unterhalb der Schneisen führt in eine gewaltige Schneeschüssel gleich unter dem Schindler-Sessel. Wer sich dagegen nur auf kontrollierten Routen in den Tiefschnee wagt, findet auf der Ostseite des Schindlergrates sein Nirwana. Schindlerkar und Mattuntal bieten steile, weite Pulverhänge, die nach Schneefällen innerhalb weniger Tage zu monströsen Buckelpisten mutieren.

Kontakt und Infos: Tourismusverband St. Anton am Arlberg, www.stantonamarlberg.com , Tel.: +43-(0)5446-22690

Gemsstock (2964 Meter) in Andermatt - Verkehrte Skiwelt

Der Gemsstock in Andermatt ist der stille Star unter den Superskibergen. Zu klein ist das Dorf über dem Gotthard-Pass für das Radar des Mainstream, zu gering die Zahl der offiziellen Pistenkilometer im Tal. Das könnte sich bald ändern, denn derzeit entsteht in Andermatt eines der größten und anspruchsvollsten Tourismusprojekte der Schweiz: Sechs Hotels, 490 Ferienwohnungen, einen Golfplatz und zusätzliche Freizeiteinrichtungen klotzt derzeit der ägyptische Investor Samih Sawiris auf ein ehemaliges Militärgelände im Hochtal. Gleichzeitig soll das Skigebiet Oberalp-Sedrun modernisiert und ausgebaut werden.

Am Gemsstock selbst herrscht verkehrte Welt. Üblicherweise liegen die haarigsten Pisten hoch oben, in Gipfelnähe der Berge. Am Gemsstock dagegen starten die beiden präparierten Abfahrten vom Gipfel eher verhalten, um ab der Mittelstation in eine ruppige Talabfahrt zu münden. Ein Klassiker ist der nach dem ehemaligen Top-Rennläufer benannte "Bernhard-Russi-Run" über den Gurschen-Eispanzer. Eher gemütlich präsentiert sich dagegen die rote Piste über den St.-Anna-Gletscher. 1500 Höhenmeter kommen auf beiden Abfahrten zusammen, bevor man in Andermatt abschwingt.

Seine wahren Qualitäten offenbart der Gemsstock erst abseits der präparierten Pisten. Nicht umsonst sind die Gondeln regelmäßig gefüllt mit Männern in Uniform: Die Gebirgsjäger der Schweizer Armee trainieren im wilden Gelände des Gemsstocks die Landesverteidigung im Hochgebirge. Kilometer um Kilometer führen Varianten an den Traumhängen des Berges zurück ins Tal, steil und anspruchsvoll präsentiert sich vor allem die Route durch das Felsental.

Dabei kommt den Freeridern die geografische Lage des Bergs in der Mitte der Alpen zugute: Ergiebige Schneefälle gehen auf das Schneeloch Andermatt sowohl aus dem Norden als auch aus dem Süden nieder. So bleibt eingefleischten Fans nur die Hoffnung, dass die Gäste des neuen Resorts sich eher für die sanften Pisten des Oberalp-Gebiets entscheiden, anstatt in Massen "ihren" Gemsstock anzusteuern.

Kontakt und Infos: Andermatt Gotthard Tourismus, www.andermatt.ch , Tel.: +41-(0)41-888-71-00

Marmolada (3343 Meter) bei Arabba - Königin der Dolomiten

Wer auf dem ersten Teilstück der Marmolada-Seilbahn nach oben gleitet, kann sich zunächst nur schwer vorstellen, dass dieser Berg ein Skiparadies ist. Beängstigend schroff türmen sich über Malga Ciapela die Felswände der Dolomitenkönigin auf. Die archaische Bastion wirkt abweisend, bedrohlich, als wolle sie die Gondelstation auf ihrem Rücken abwerfen wie einen lästigen Parasiten. Nicht umsonst war die Marmolada im Ersten Weltkrieg ein umkämpfter Bergriese, ließ sich doch von hier oben aus die Umgebung beherrschen.

Erst auf der dritten Sektion der Seilbahn zeigt sich das Skigebiet auf der Südseite des Berges. Dort wölbt sich ein gewaltiger Eispanzer, der Pulverschnee glitzert in der Sonne. Von der Bergstation auf 3269 Metern kann man selbst dem gewaltigen Sellastock aufs Dach schauen. Hier oben startet eine der klassischen Abfahrten der Alpen, eine der wenigen Pisten, die an der Marke von 2000 Höhenmetern kratzen. 14 Kilometer ist die rot markierte Traumabfahrt lang, schier endlos reiht sich Schwung an Schwung.

Selbst bei höherem Tempo und geschnittenen Carving-Radien ist man an diesem Berg auf Pausen angewiesen, um den brennenden Oberschenkeln Erleichterung zu verschaffen. Gletscher, Felsen, Wälder, Almwiesen: Das ganze Spektrum alpiner Landschaft rückt an der Marmolada innerhalb einer Abfahrt ins Blickfeld. Zwei Lifte machen eine teilweise Sofortwiederholung des gigantischen Hangs möglich.

Ein lifttechnisches Urzeit-Relikt erschließt über dem Fedaiapass weite Geländehänge auf der Marmolada-Südseite. In Körben gleiten die Wintersportler hier bergwärts. Zu erreichen ist der Geheimtipp entweder über die Passstraße oder - für Geländekundige -, wenn man die Talabfahrt einige hundert Meter unterhalb der Bergstation nach links verlässt. Der Lohn für die Fahrt im Lift-Cabrio sind 600 Höhenmeter einsamer Pisten und unberührter Pulverhänge - wie es sich für einen echten Superskiberg gehört.

Kontakt und Infos: Pistenverbund Dolomiti Superski, www.dolomitisuperski.com , Tel.: +39-(0)437-722277

Pic Blanc (3350 Meter) in Alpe d'Huez - weiße Spitze, schwarze Pisten

Alpe d'Huez: Skifahren mit Tunnelblick

Alpe d'Huez: Skifahren mit Tunnelblick

Foto: Alpe d'Huez Tourisme

Zugegeben, die Namensgeber des Pic Blanc (3330 Meter) in den französischen Westalpen waren nicht gerade von Einfallsreichtum beseelt - "Weiße Spitze" heißt der Berg übersetzt. Origineller zeigten sich dagegen die Betreiber des Skigebiets von Alpe d'Huez, als sie nach einer Möglichkeit suchten, den Besuchern eine direkte Talabfahrt vom Gipfel des 1962 mit einer Seilbahn erschlossenen Berges zu ermöglichen. Zwölf Jahre später war der Durchbruch da: Ein 200 Meter langer Tunnel öffnet seither die Zufahrt von der sonnenverwöhnten Rückseite des Berges zur gleichnamigen Abfahrt auf der Vorderseite. Die schattige, tiefschwarze Rampe "Le Tunnel" avancierte zu einem Klassiker, an den sich gleichwohl nur sichere Skifahrer wagen sollten.

Doch auch für Genussmenschen bietet der Pic Blanc eine Abfahrtsvariante, mit deren Beschreibung sie bei gemütlichen Hüttenrunden glänzen können. Auf der Rückseite des Berges liegt der Gletscher, prominent liest dich die Liste der alpinen Szenegrößen, die von hier zu bestaunen sind: Mont Blanc, Grande Casse, La Meije, um nur einige zu nennen. Doch hier oben liegt auch der Startpunkt für eine der gewaltigsten Abfahrten im Alpenraum, ein Superstar unter den Pistenriesen: die "Sarenne". 17 Kilometer zieht sich das planierte Band wie ein weißer Lindwurm zu Tal, Hang reiht sich an Hang, bis schließlich ein Ziehweg die malerische Sarenne-Schlucht durchmisst. Erst nach fast 2000 Höhenmetern ist an der Talstation des Zubringer-Lifts "Chalvet" unterhalb von Alpe d'Huez Schluss.

Umgeben wird die Sarenne von gewaltigen Geländehängen, die sich Freeridern durch Traversen - vor allem zur rechten Hand - erschließen. Nur für Fans extremer Bedingungen sind die Couloirs auf der Vorderseite des Pic Blanc geeignet, zügig zu erreichen von der Bergstation der Marmotte-Bahn, die seit einigen Jahren als zweiter Gletscher-Zubringer die Seilbahn auf die Spitze des Berges entlastet.

Die schmalen Rinnen durchschneiden die Felsen und münden schließlich in die Abfahrt "Mine de l'Herpie". Als etwas zahmere Variante bieten sich Abstecher neben der präparierten Tunnel-Abfahrt an. Nach einigen Tagen am Berg könnte man übrigens zum Schluss kommen, dass der Name ironisch gemeint ist - ausschließlich schwarze Abfahrten ziehen sich vom weißen Gipfel hinab.

Kontakt und Infos: Alpe d'Huez Tourismus, www.alpedhuez.com , Tel.: +33 (0)476-11-4444

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.