Terminal 5 in Heathrow Premierentag mit Pannen

Der Glaspalast ist eröffnet: Der milliardenteure Terminal 5 des Londoner Flughafens Heathrow soll das Image von British Airways und den Betreiber retten. Doch am Premierentag gibt es allerlei Kinderkrankheiten.

London - Kurz vor 5 Uhr war Captain Lynn Barton Flug Nummer BA026 aus Hongkong an den Terminal 5 gerollt - als erste Maschine der heute in Betrieb genommenen Abfertigungshalle. "Um den Terminal 5 drehte sich seit mehreren Jahren die Zukunft der Fluggesellschaft", sagte die 51-Jährige, die 1987 als erste weibliche Pilotin bei British Airways ihren Dienst antrat, "den ersten Flug zu steuern ist eine große Ehre für mich." British Airways (BA), die fast ausschließlich ihre Passagiere im vom Stararchitekten Richard Rogers erbauen Glaspalast abfertigen werden, und die Betreibergesellschaft BAA versprachen den Passagieren bessere Zeiten in Heathrow: weniger Verspätungen, schnellere Abfertigungen und ein "besseres Passagiererlebnis".

Etwas nüchterner sahen schon am frühen Morgen die ersten Kunden den gefeierten Bau. "Es dauerte eine Stunde von der Landung, bis wir unser Gepäck erhielten", sagte Mike Salinger, der mit einem zweiten Flug aus Hongkong in Heathrow eintraf, zur Nachrichtenagentur AP. "Es scheint keinen Haupttreffpunkt zu geben, und es scheint schwierig, für Fahrer, die Leute abholen wollen, zur richtigen Stelle zu kommen." Passagiere aus Frankfurt mussten zwei Stunden am Gepäckband warten: "Der Terminal sieht gut aus, aber die Gepäcksituation ist es nicht", sagte Jenny Uhl zu BBC.

Manche der Premieren-Passagiere beschwerten sich über die teils unklare Ausschilderung und nicht funktionierende Fahrstühle. Die Flughafen-Planer kündigten eine rasche Behebung der Probleme an. "Wir hatten geglaubt, dass der Check-in und die Sicherheitskontrolle nur noch zehn Minuten dauern würden", sagte die 62-jährige Pamela Madden, die auf den Weg nach Berlin war, "aber es hat wesentlich länger gedauert."

BA und BAA hatten die Passagiere vorgewarnt, dass es einige Zeit dauern würde, bis so ein riesiges Projekt richtig funktioniert. Noch waren einige der Check-in-Schalter geschlossen. BA-Chef Willi Walsh erklärte die Warteschlangenbildung auch damit, dass viele Passagiere sehr früh zu ihren Flügen erschienen waren. In Zukunft sollen 96 Check-in- sowie 90 Gepäckaufgabe-Automaten, die die Kunden selbst bedienen können, die Abläufe beschleunigen. "Ich bin sehr erfreut, wie die Dinge sich bisher entwickelt haben", sagte Walsh trotz der Anlaufschwierigkeiten, "ich denke, das ist großartig."

Protest gegen Lärm und Klimagifte

Neben den Premieren-Passagieren hielten sich am Vormittag auch Demonstranten in den Hallen auf, protestierten gegen einen weiteren Ausbau des Flughafens: "Wir wollen klarmachen, dass Terminal 5 bis zu 100.000 mehr Flugzeuge im Jahr mehr nach Heathrow bringen kann, auch mit den bereits existierenden Start- und Landebahnen", sagte John Stewart, Sprecher von "Stop Heathrow Expansion" zu AP. Nach mehreren Vorfällen in den letzten Monaten waren die Sicherheitskräfte des Flughafens am Morgen in Alarmbereitschaft. Am Vorabend der Einweihung durch die Queen war eine Demonstrantin verhaftet worden, die auf eine der Pisten gerannt war.

An dem neuen Terminal sollen im Jahr rund 30 Millionen Passagiere mehr abgefertigt werden - beschränkt wird die Expansion allerdings durch die limitiere Anzahl möglicher Starts und Landungen auf den beiden vorhandenen Pisten. BAA plant daher mit Unterstützung des britischen Verkehrsministeriums den Bau einer dritten Startbahn und eines sechsten Terminals - zum Schrecken der Anwohner und Klimaschützer, die doppelt so viele Passagiere und 50 Prozent mehr Flugzeuge in Heathrow fürchten.

Der heute eröffnete Terminal jedenfalls will das ramponierte Image des Flughafens Heathrow und der nationalen Fluggesellschaft wieder aufpolieren. Mit Gucci- und Prada-Boutiquen und luxuriösen Restaurants sollen die Passagiere zum Shoppen in der Flugpause verlockt werden.

Ihre Fingerabdrücke müssen Transit-Kunden nun doch noch nicht abgeben. Geplant ist, dass alle Passagiere auf Inlandsstrecken oder solche, die aus dem Ausland kommend innerhalb Großbritanniens weiterfliegen wollen, an der Sicherheitskontrolle vier Fingerabdrücke abgeben sollen. Erst diese Woche protestierten britische Datenschützer gegen das Vorhaben - die Maßnahmen wurden "zeitweise vertagt". Nun reicht ein Foto zur Identifizierung.

abl