Thermalbad Ischia Zur Rheumakur auf den radioaktiven Strand

Der Sage nach waren die berühmten Heilquellen der Mittelmeerinsel Ischia ein Geschenk der Götter - als Trost für das Unglück, das Vulkanausbrüche den Menschen gebracht haben.


Castello Aragonese über dem Fischerdorf Ischia Porto: Der Hafen war einst ein Vulkankrater
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Castello Aragonese über dem Fischerdorf Ischia Porto: Der Hafen war einst ein Vulkankrater

Forio - Die Inselbewohner verstanden es dann auch, das reiche Geschenk anzunehmen, Natur und Thermalquellen zu verbinden und die Insel in einen Garten zu verwandeln. Heute ist die "Isola Verde" - grüne Insel - im Golf von Neapel bei Urlaubern vor allem wegen der heißen Quellen beliebt. Aber auch ihre tiefgrünen Pinienwälder, dichten Kastanienhaine, bizarren Felsen und weit ausladenden Buchten locken Reisende an.

Bis zur Nordspitze reihen sich im Westen Ischias die Badebuchten aneinander. Im Mittelpunkt der Küste liegt dort das mittelalterliche Städtchen Forio - nach dem Hauptort Ischia selbst der bedeutendste Ort der Insel. Forios Wehrtürme wurden einst zur Verteidigung gegen Übergriffe der Sarazenen errichtet. Das wohl berühmteste Thermalbad sind die Poseidon-Gärten: 20 Badebecken und ein für die Besucher abgegrenzter Badestrand mit schwach radioaktivem Sand sollen Ruhe und Heilung unter anderem bei Rheuma und Nervenleiden verschaffen.

Zu den ältesten Thermen zählt Casamicciola im Norden mit seinen kochend heißen Quellen sowie in nächster Nachbarschaft Lacco Ameno und oberhalb davon die Ortschaft Fango - sie gab dem heilbringenden Schlamm den Namen. Lacco Ameno bietet zwei felsige Attraktionen: den "Fungo", einen von Wind und Wasser zu einem Pilz geformten Tuffsteinfelsen, sowie den Felsen Monte Vico, der hier aus dem Meer empor ragt. An dieser Stelle sollen sich schon 800 vor Christus die Griechen niedergelassen und die älteste Kolonie im westlichen Mittelmeer gegründet haben, um Eisenerz von der Insel Elba zu verarbeiten.

Das archäologische Museum von Lacco Ameno zeigt rund 200 steinerne Skarabäus-Käfer aus Ägypten und syrischen Grabbeigaben aus der nahe gelegenen Nekropole Pethecussai. Als besonderer Schatz gilt der so genannte Nestor-Becher: Wer aus diesem Becher trinkt, wird sofort vom Verlangen nach der schönen Aphrodite ergriffen, lautet die Inschrift.

Im Süden der Insel locken weit ins Meer hinausragende Felsen mit dem Fischerdörfchen Sant'Angelo. Wie Schwalbennester klemmen sich die gelb, rosa und hellblau gestrichenen kleinen Häuser an den steilen Felsen. Zwei der schönsten Strände mit den Thermalgärten Aphrodite und Apollon warten hier auf Besucher. Als Abwechslung zum Kuren und Baden lohnt ein Abstecher in den "Mortella"-Garten. Der britische Komponist William Walton ließ ihn in einem Steinbruch im Nordwesten der Insel mit Hunderten von exotischen Pflanzen errichten.

Ischia Porto, der Hafen der Insel, und die einstige Hauptstadt Ischia Ponte sind als Zentrum des Tourismus ein Konglomerat aus Hotels, Pensionen, Einkaufstraßen, Bars und Restaurants sowie einladenden Stränden. Ischia Porto, ursprünglich ein Kratersee, wurde erst 1853 von dem Bourbonenkönig Ferdinand zu einem Hafen ausgebaut - und zwar mit Hilfe von Gefangenen vom trutzigen Castello Aragonese. Dieses Wahrzeichen der Insel liegt hoch oben auf einem Felsen, den eine Brücke mit dem kleinen Fischerhafen von Ischia verbindet. In den verwinkelten Gassen scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein.

Von Irmgard Wilke, gms



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