Fotostrecke

Auf nach Amsterdam: Hippe Viertel, tolle Adressen, schöne Ausflüge

Foto: EyeEm/ Getty Images

Städtetrip Amsterdam So voll, aber auch so toll!

Ach, Amsterdam! Wärst du nur nicht so beliebt. Warum sich ein Städtetrip trotzdem lohnt und welche Adressen man sich merken sollte - hier spricht eine, die sich auch abseits des Gedränges auskennt.
Zur Person
Foto: Bettina Abaouz

Bettina Abaoûz, 38, kommt ursprünglich aus Esslingen am Neckar. Seit 2004 lebt sie in Amsterdam. Zusammen mit ihrem aus Marokko stammenden Mann betreibt sie seit 2012 das kleine Bed & Breakfast The Weavery  im Stadtzentrum.

SPIEGEL ONLINE: Frau Abaoûz, Sie sind seit 14 Jahren in Amsterdam zu Hause. Warum haben Sie Ihr Herz an die Stadt verloren?

Abaoûz: Das Leben hier fühlt sich so einfach an. Überall kommt man zu Fuß oder mit dem Rad hin. Das gibt mir das Gefühl von Freiheit. Wovon ich niemals genug bekommen werde: abendliche Spaziergänge an den Grachten. Wenn es wärmer wird, natürlich mit einem Eis in der Hand. Ich mag, dass Amsterdam einerseits eine völlig überschaubare Stadt ist - das Zentrum kann man in einer halben Stunde durchqueren -, durch die vielen internationalen Bewohner aber eben auch ganz weltstädtisch ist.

SPIEGEL ONLINE: Amsterdam boomt. Wie lebt es sich in einer Stadt, in der für Einheimische auf den eigenen Radwegen oft kein Durchkommen ist?

Abaoûz: Vor allem zwischen April und Oktober ist es sehr voll. Das ist in Amsterdam genau so, wie in anderen beliebten Städten. Was die Radwege angeht: Es scheint immer so, als würden wir Amsterdamer gemütlich herumfahren. Dabei müssen auch wir pünktlich zu Terminen kommen und freuen uns nicht über Leute, die im Weg stehen. Die Diskussion zum Thema Overtourism ist wichtig, aber auch kompliziert. Ich finde: Es gibt immer noch genug Rückzugsorte in der Stadt.

SPIEGEL ONLINE: Verraten Sie uns eine Ihrer Oasen?

Abaoûz: Im Frühling und Sommer bin ich sehr gerne im Dignita Café  im Garten des Hermitage Museums. Mitten im Stadtzentrum im Grünen sitzen zu können, ist für Amsterdam etwas Besonderes. Oft sind die Terrassen der Cafés klein und die Bestuhlung eng. Im Dignita ist viel Platz. Dort ist es übrigens auch für Familien toll. Kinder können in Ruhe spielen, und das Gemüse für die leckeren Gerichte kommt aus dem eigenen Gemüsebeet.

SPIEGEL ONLINE: Sie leben mit Ihrer Familie in einem wunderschönen, denkmalgeschützten Webershaus. Wie haben Sie das Haus gefunden?

Abaoûz: Wir haben über ein Jahr gesucht. Als mein Mann und ich beim Besichtigungstermin waren, wussten wir sofort: In diesem verwinkelten Haus mit den vielen kleinen Zimmern wollen wir leben. Wir haben eineinhalb Jahre lang wie wild renoviert. Das Haus wurde 1670 erbaut und war ziemlich heruntergekommen. Im Mai 2012 sind wir eingezogen, ein paar Monate später haben wir dann auch unser kleines Bed & Breakfast mit zwei Zimmern eröffnet. Damit haben wir uns einen großen Traum erfüllt.

SPIEGEL ONLINE: Wohin schicken Sie Ihre Gäste am liebsten?

Abaoûz: In Amsterdam gibt es seit einiger Zeit viele tolle Kreativ- und Foodmärkte. Mein persönlicher Favorit ist der Pure Markt , der an jedem letzten Sonntag im Monat im Frankendael Park, einem sehr schönen kleinen Park im Osten der Stadt, stattfindet. Und den Möhrenkuchen von Odette  hier in der Nachbarschaft darf natürlich keiner verpassen.

SPIEGEL ONLINE: W elche Viertel sollte man unbedingt erkunden?

Abaoûz: Ich mag De Pijp und Oud West. Vom Vibe her sind das junge, hippere Viertel. Wenn ich ein paar Wochen nicht dort war, entdecke ich immer wieder ein neues, kleines Geschäft oder einen Pop-up-Store. Im Sommer macht ein Abstecher in den Westerpark  Spaß. Hier mischen sich Natur, Kultur und Kulinarisches. Kinder sind immer sehr von dem Streichelzoo dort begeistert und können prima am Wasser spielen. Und: Jeden ersten Sonntag im Monat findet der Sunday Market mit Foodtrucks, Handgemachtem und Musik statt. Ich habe auf dem Markt meine Lieblingssofadecke gefunden. Auch, wenn ich besondere Geschenke suche, gehe ich gerne dort auf Suche.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie noch einen Museumstipp jenseits von Rijks- und Van-Gogh-Museum?

Abaoûz: Ich finde das Tropenmuseum  mit seinen wechselnden Ausstellungen sehr empfehlenswert. Für Kinder öffnet an Wochenenden sogar ein eigener Trakt für Entdeckertouren.

SPIEGEL ONLINE: Wo essen Sie gerne zu Abend?

Abaoûz: Oh, da gibt es viele Adressen. Aber wenn es etwas Besonderes sein soll, gehen wir immer wieder gerne ins Restaurant De Kas  im Frankendael Park. Das ist keine neue Adresse, aber ich mag das ganze Ausgeherlebnis dort. Das Restaurant liegt in einem Gewächshaus, und das Essen ist hervorragend. Unbedingt reservieren! Wenn es etwas günstiger sein soll, ist das De Reiger  im Stadtteil Jordaan eine gute Adresse. Auch wegen der köstlichen hausgemachten Fritten.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie auch noch einen Kulturtipp?

Abaoûz: Es lohnt sich immer, das Programm des Boom Chicago Comedy Clubs  zu checken. Und wer ein bisschen Zeit hat, sollte sich auch einen Ausflug zu den Windmühlen und Handwerkern in Zaanse Schans  nicht entgehen lassen.