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Südliches Pigalle: C'est la Pi

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Städtetrip Paris So hip, SoPi!

Montmartre? Trendbewusste Pariser meiden die touristische Gegend. Sie shoppen und essen lieber in einem kleinen Bermudadreieck etwas weiter südlich - in "SoPi".

Wer ein echter bobo ist und wer als Besucher gekommen ist - spätestens auf Höhe der Metrohaltestelle Pigalle kann man es sehr deutlich erkennen. Hier trennen sich die Wege der Insider und derer, die nur zu Besuch in die französische Hauptstadt gekommen sind.

Die Touristen wandern beflissen nach Norden, die kleine Rue Houdon hinauf in Richtung Montmartre. Die bobos, die Pariser Hipster, hingegen haben längst den entgegengesetzten Weg eingeschlagen. Sie laufen gen Süden, bergab, die Rue Frochot hinunter und tauchen ein in "SoPi" - ins südliche Pigalle, eine der angesagtesten Gegenden der Stadt.

Im Prinzip ist "SoPi" ("South Pigalle") nur ein kleines Bermuda-Dreieck, ein paar wenige Straßen zwischen den Metrostationen Pigalle, Blanche und Saint-Georges. Um dieses Pflaster von Paris abzulaufen, braucht man keine halbe Stunde - verbringen kann man dort locker den ganzen Tag, und natürlich die Nacht. Vorausgesetzt natürlich, man hat ein Faible für alles, was trendig ist.

Haussmann-Fassaden und ein Hauch von Rotlicht

Auch hier finden sich schöne Haussmann-Fassaden, wie fast überall in Paris, aber die Straßen sind weniger herausgeputzt, weniger Postkarte, und vom lauten Boulevard de Clichy mit seinen blinkenden Sex-Shops weht ein Hauch von Rotlichtviertel hinüber.

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Südliches Pigalle: C'est la Pi

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Ein beliebter Treffpunkt der "SoPi"-Gänger ist das Café im Erdgeschoss des Hotel Pigalle , das vor drei Jahren in der Rue Frochot eröffnet hat. An die einst zwielichtige Vergangenheit des Hauses erinnert eine glänzende Pole-Dance-Stange in der Lobby. "Vor 15 Jahren gab es in dieser Straße nur Striptease-Lokale. Erst mit Dirty Dick  kam die erste normale Cocktailbar", erinnert sich Laura Buteux. Die Managerin des Hotels passt mit ihrer schwarzen Nylonstrumpfhose unter den Jeans-Hotpants perfekt ins Retro-Ambiente des Hotels.

Buteux hat viele Jahre lang selbst in der Gegend gewohnt und miterlebt, wie die meisten Sex-Shops oder Erotik-Lokale trendigen Läden gewichen sind: angesagten Restaurants wie dem L'Entree des Artistes Pigalle  in der Rue Victor Massé, Modeboutiquen oder Cold-Press-Läden. Der Gemüsehändler Causses  in der Rue Notre-Dame-de-Lorette hat sich längst mit seinen ausgezeichneten Sandwiches und lässiger Brooklyn-Atmosphäre einen Namen gemacht.

Rund um die Place Gustave Toudouze

"Für mich sind es vor allem Leute wie Stéphane Ashpool, die das Bild des Viertels verändert haben," sagt Buteux. Der französische Designer, der in den Straßen südlich von Pigalle aufwuchs, öffnete vor zehn Jahren seine Modeboutique Pigalle  in der Rue Henry Monnier, direkt gegenüber von der hübschen Place Gustave Toudouze. Ashpool war einer der Ersten, der seine Boutique nach dem Viertel benannte und damit das Quartier zur Marke machte.

Heute gehört Pigalle zu einem der angesagtesten Männer-Streetwear-Labels überhaupt. Hier findet man Logo-T-Shirts, gebatikte Jeans-Hemden und ausgefallene Blousons, die durchaus auch Pariserinnen gern tragen.

Gleich daneben befindet sich mit der Boutique Celia Darling  eine weitere Institution des Viertels. Celia, die charismatische Besitzerin und Namensgeberin, hat sich vor acht Jahren hier niedergelassen und ist bekannt für ihre extravagante Auswahl an Vintage-Mode, von Chanel bis hin zu günstigen Flohmarkt-Fundstücken. Ihre schönsten Stücke findet die Modeliebhaberin bei Hausbesuchen in der Nachbarschaft, dank derer sie das Viertel so gut kennt wie kaum ein anderer.

"Der Charme des Quartiers ist nicht so offensichtlich wie in anderen Gegenden der Stadt", sagt die gebürtige Pariserin. "Manchmal muss man zuerst durch eine Tür gehen, um die Schönheit zu entdecken." Wie durch das unscheinbare dunkelgrüne Tor in der Rue Chaptal. Leicht zu übersehen, wenn man nicht weiß, dass sich dahinter das Musée de la Vie Romantique  versteckt. Über einen gepflasterten Weg kommt man zu einem paradiesischen kleinen Garten und dem neu eröffneten Teesalon der berühmten Rose Bakery , deren Erfolg vor über 15 Jahren auch in Süd-Pigalle begann, in der Rue des Martyrs.

In dem kleinen Museum kommt man nicht nur dem Leben der französischen Schriftstellerin Georges Sand näher, sondern kann das Quartier von seiner ruhigen Seite genießen - bevor man sich später in sein berühmt-berüchtigtes Nachtleben stürzt. Auch das sollte man in Pigalle mal erlebt haben.