Geführte Touren in Tirol Touristen in der Gletscherspalte

Für Eiskletter-Profis sind Ausflüge in Gletscherhöhlen normal, hier trainieren sie für den Weltcup. Doch auch für Touristen gibt es mittlerweile Wege ins Innere der Eisriesen. Vier Orte in Tirol bieten geführte Touren an - unter anderem mitten durch Gletscherspalten.

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Über Stege und Leitern geht es vorbei an gefrorenen Wasserfällen und glitzernden Eiskristallen, die mit farbigen Scheinwerfern in Szene gesetzt sind. Die Höhlenwanderung ist ungewöhnlich - das Terrain ist normalerweise eher oberirdisch bekannt, und zwar Skifahrern, die über die Hänge des Hintertuxer Gletschers carven.

Vor rund fünf Jahren ist diese Attraktion im Inneren des Eisriesen auf 3250 Metern Höhe entstanden. Sie nennt sich der "Natur Eis Palast" und ist nur drei Gehminuten von der Bergstation des "Gletscherbus 3" entfernt. Während einer 45- bis 60-minütigen Tour spazieren die Besucher rund 30 Meter unter der Oberfläche durch eine natürliche, zufällig entdeckte Gletscherspalte - weltweit einmalig.

Tour durch die Pitztaler Eisgrotte
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Tour durch die Pitztaler Eisgrotte


Auch der Pitztaler Gletscher hat ein sehenswertes Innenleben: Eine halbkreisförmige Gletschereishöhle mit stark überhängenden und senkrechten Abbrüchen. Die auf rund 2700 Metern Höhe gelegenen Eisabbrüche des Mittelbergferners bieten trotz mittlerweile geschrumpfter Fläche ein ideales Trainingsgebiet für Profis und ambitionierte Eiskletterer, und das rund ums Jahr.

Hier bereiten sich Kletterprofis nicht nur auf die extremen Routen markanter Wasserfälle im Alpenraum oder in Kanada vor; sie trainieren auch für Weltmeisterschaften und den Weltcup, die vermehrt auf künstlich geschaffenen Eistürmen wie dem Pitztaler Big Ben abgehalten werden. Manch einem wird da schon vom Zuschauen ganz schwindelig. Gut zu wissen: "Normale" Führungen sind im Winter nur mit Guide möglich - und nur auf Anfrage.

Durch die Eishöhle im Stubaital
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Durch die Eishöhle im Stubaital

Die jüngste Eishöhle befindet sich im Stubaital und ist im Gegensatz zu den anderen mit tatkräftiger Unterstützung des Menschen entstanden. Seit Juli 2014 hat die auf knapp 3000 Meter Höhe gelegene Gletscher-Eisgrotte, die in Zusammenarbeit mit Glaziologen der Universität Innsbruck 30 Meter unter der Skipiste entstand, geöffnet, täglich von 11.30 bis 15.30 Uhr.

Entlang eines zwei Meter breiten Erlebnispfads kann man hier alles über Gletscherphänomene erfahren und wie der 150 Meter lange Rundgang - ökologisch korrekt - ins Eis gebaut wurde. In der zwei Meter breiten Höhle selbst stoßen Besucher dann auf einzelne Eisschichten und Wechsellagerungen. Spannend zu sehen, wie sich hier das strahlende Weiß vom Gletschereis in ein mystisches Blau wandelt.

Und damit man nicht nur guckt, sondern auch etwas lernt, beschreiben Zeittafeln auf den Wegen die Entwicklung der Gletscher, Grafiken veranschaulichen das Gletscherfließen und das Eisalter. Bei so viel Information freut man sich auf ein bisschen Aktivität bei der Tour: So darf man Steine aneinander reiben, um Gletscherschliff zu imitieren oder mit einem Schüttelrohr die Entstehung von Gletschermilch nachstellen.

Die Kaunertaler Eishöhle ist nur im Sommer zu besichtigen.
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Die Kaunertaler Eishöhle ist nur im Sommer zu besichtigen.

So viel Aufhebens wird am Kaunertaler Gletscher nicht gemacht. Die Eisgrotte dort spielt ohnehin eine Sonderrolle. Denn diese ist nur im Sommer zu besichtigen. Auf einem gesicherten Pfad, gerade einmal rund 300 Meter vom Gletscherrestaurant entfernt, gelangen Besucher zu den beiden rund 40 Meter langen, begehbaren Gletscherspalten sowie zu einer Gletscherhöhle.

Dort lässt sich das mindestens 100 Jahre alte Eis, das im Laufe der Jahre aus dem Nährgebiet des Weißseeferners bis in die begehbare Gletscherzunge geflossen ist, in seiner ganzen Schönheit bewundern. Anfassen ist ausdrücklich erlaubt!

Und bis Besucher wieder im Sommer durch die Gletscherspalten wandern können, bleibt ihnen ein anderes Tunnelerlebnis: In dieser Wintersaison wurde am Kaunertaler Gletscher ein 140 Meter langer und sieben Meter breiter Skitunnel eröffnet, der die Karlesjoch-Pisten mit der schwarz markierten Wiesejaggl-Piste verbindet.

Christian Haas/srt/beh



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