Trolle in Norwegen Evas ungewaschene Kinder

Sie waren schon dort, bevor es Elch, Kronprinz und Aha gab: Trolle, die einzig wahren Norweger. Doch so versteckt in den Wäldern, wie es immer heißt, lebt das knorrige Völkchen gar nicht. Autor Philip Wesselhöft jedenfalls begegneten die angeblich so scheuen Unholde an den seltsamsten Orten - und posierten vor der Kamera.


Troll bei der Arbeit: Vor Elch, Kronprinz und Aha
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Troll bei der Arbeit: Vor Elch, Kronprinz und Aha

Norwegen ist das Land der Fjorde, des braunen Ziegenkäses und der Strickpullover. In Norwegen gibt's Polarlichter, Popmusik und den Friedensnobelpreis. Hier gräbt man Fische ein, bis sie stinken und nur noch Norwegern schmecken, oder man betreibt eine so genannte Aquafarm und verkauft das Erzeugnis als Lachs rund um die Welt. Außerdem gibt es in Norwegen Trolle, Fabelwesen, die man leider nie zu Gesicht bekommt - als durch die Landschaft schwadronierender Tourist schon gar nicht.

Das jedenfalls steht in den Reiseführern, und das sagt auch das norwegische Fremdenverkehrsamt. Beziehungsweise dort wird herzlich gelacht, wenn die Frage nach Trollen gestellt wird. Und der lauwarme Ratschlag erteilt, doch einfach mal hinzufahren und die Augen offen zu halten.

Vorab war so viel über Trolle zu erfahren: Manche sind so klein wie ein Daumen, andere wieder haben die Größe eines Berges und mitunter komplette Wälder auf dem Rücken. Sie leben in Seen und ziehen Angler mitsamt Angel und Fisch ins Wasser, dann nennt man sie Nøkk. Oder sie laufen einäugig und bäumeausreißend durch den Wald, in dem Fall handelt es sich um Skogtrolle. Sie sind sehr jähzornig, und ihre Frauen, Huldras genannt, haben den Hintern einer Kuh und den Schwanz eines Ferkels.

Toilette als Touri-Attraktion

Bei Sonnenlicht werden Trolle zu Stein, bei Gold übermannt sie eine maßlose Gier. Sie hassen die Menschen, weil die sie immer weiter in die Wälder und höher in die Gebirge getrieben haben. Trolle erleichtern sich gerne von steilen Klippen herab - und freuen sich, dass die Menschen ihre Toiletten gern als Wasserfälle zu Touristenattraktionen erklären.

Evolutionsmäßig gehen Trolle auf eine mehr als unschöne und zumeist totgeschwiegene Begebenheit im Paradies zurück. Demnach schickte Eva ihre ungewaschenen Kinder in den Wald, als Gott einmal unangemeldet vorbeischaute. Die blieben, enttäuscht von der herzlosen Mutter, gleich dort und wurden in der Gesellschaft von Waldgeistern und Zwergen mit der Zeit zu Trollen.

So weit die Theorie. Auf unseren Reisen quer durch Norwegen haben wir ein vollkommen anderes Bild von den angeblich so zivilisationsscheuen Gesellen bekommen. Erstaunlicherweise sahen wir überall Trolle. Sie standen an Bushaltestellen, vor Geschäften mit Strickpullovern und in Spielzeugläden. Sie saßen beim Skat, auf Bergspitzen und vor einem Sack Blumenerde. Trolle, so muss man feststellen, sind überall im norwegischen Alltag anzutreffen und immer bereit, sich der Kamera zu stellen:

Fotostrecke

9  Bilder
Trolle: Fabelwesen an der Bushaltestelle



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