Trysil Smottetass und die wilden Huskys

Familienfreundlich und geruhsam geht es auf den Pisten und Loipen des norwegischen Skigebiets Trysil zu. Behelmte Kinder bis sieben Jahren fahren sogar gratis Lift. Den Adrenalinkick können sich die Eltern bei einer Husky-Safari durch den Wald holen.


Skigebiet Trysil: Der Skitag beginnt oft direkt vor der Tür der "Hytta"
GMS

Skigebiet Trysil: Der Skitag beginnt oft direkt vor der Tür der "Hytta"

Trysil - Wie ein Netz spannen sich Abfahrtspisten über das Trysilfjellet. Als einsamer Gipfel erhebt sich der Berg aus der sanft gewellten Waldlandschaft der Hedmark. Das ist das Gesicht von Trysil. Während die meisten Winterurlauber um 7 Uhr noch schlafen, lassen sich die ersten Skiläufer mit dem Sindretekket-Schlepplift den Berg hinauf ziehen. Im Licht der aufgehenden Sonne schwingen sie über frisch gespurte Pisten. "Herrlich, es einmal richtig laufen lassen zu können, ohne auf Mitfahrer zu achten", sagt Skiführerin Runa Eggen und wedelt durch den Tiefschnee am Rande der schwarzen Experta-Piste.

Eine Stunde später hockt sie in der gemütlichen Blockhütte "Høgegga Varmestua". Auf einigen Holztischen stehen Platten mit Käse, Wurst, Eiern, Fisch und Rohkost, dahinter Berge von Brot, Brötchen und kleinen Kuchen. Kaffee und Tee dampft aus Thermoskannen. Denn zum Skilauf am Morgen gehört neben menschenleeren Abfahrten stets die gemeinsame "Frokost" in der Hütte.

Nach 9 Uhr füllen sich die Pisten allmählich. Doch Wartezeiten an den 27 Liften sind selten. In Trysil, 210 Kilometer nördlich von Oslo nahe der schwedischen Grenze gelegen, verteilen sich die Wintersportler am Berg. 64 Abfahrten führen vom 1132 Meter hohen Gipfel des Trysilfjellet ins Tal, verzweigen und verbinden sich, ehe sie im unteren Drittel im Nadelwald verschwinden: 21 kinderleichte grüne, 17 breite blaue Pisten, 15 genussvolle rote und 11 steile schwarze Abfahrten. Die Pisten für Könner mit einem Gefälle bis zu 45 Prozent konzentrieren sich im Bereich Høgegga, die Anfänger- und Kinderhänge am Højfjellssentret an der Nordflanke des Fjellbergs.

Vierjährige in der Halfpipe

Dort liegen auch die urigen Blockhütten von "Smottetass" und seinen Freunden. Die tapsige Trollfigur ist Trysils Maskottchen und präsentiert die Angebote für den Nachwuchs: vom Mini-Snowboard-Land über den Zauberteppich bis hin zur Märchenstunde bei der Berghexe Isiz. Die Trolle hausen im "Trollbo" am Touristenzentrum, wo Kinder betreut werden und das Skifahren lernen können.

Skischule Trollbo: Nach dem Training am Übungshügel sind auch Pisten kein Problem mehr
GMS

Skischule Trollbo: Nach dem Training am Übungshügel sind auch Pisten kein Problem mehr

Dass viele der 80 Skilehrer auch Deutsch sprechen, ist in Norwegen fast selbstverständlich. Familienfreundlich zeigt sich Trysil auch am Lift: Kinder bis sieben Jahre fahren gratis, wenn sie einen Schutzhelm tragen. So geschützt stürzen sich drei norwegische Steppkes auf Skiern, kaum vier Jahre alt, eine Halfpipe hinab, schneller und wagemutiger als die Jugendlichen im "Ski Park", der unter Snowboardern als spektakulärste Anlage des Landes gilt. "Auch Langlauf ist in Norwegen ein Familiensport", erzählt Runa Eggen später und zeigt auf einen Vater, der seinen kleinen Sohn in eine "Fjellpulka", die klassische norwegische Kindertrage, setzt.

In die Seitentasche kommt die Verpflegung: Kviklunch, die unverzichtbare norwegische Schokowaffel für zwischendurch. Mit kraftvollen Schwüngen gleitet das Duo auf der Loipe, die zwischen den zwei klassischen Spuren eine breite Fläche für Skater anbietet, durch die glitzernde Winterlandschaft.

"Anka als Leittier, Essell als Tempomacher"

Auf etwas andere Art können Urlauber die Gegend mit Tor Arne Myrheim erleben. Vor vielen Jahren hat der Journalist seinen Schreibtisch gegen ein paar Zelte und Hundehütten getauscht. Im Sommer startet er mit kleinen Wagen, im Winter mit Schlitten aus Birkenholz zu Husky-Safaris.

Tor Arne Myrheim und sein Husky Willy: Der Journalist tauschte Schreibtisch gegen Zelt und Hundehütten
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Tor Arne Myrheim und sein Husky Willy: Der Journalist tauschte Schreibtisch gegen Zelt und Hundehütten

"Bindet die Schlitten erst am Baum fest, ehe ihr die Hunde anspannt", rät der 53-Jährige seiner Gruppe, die an diesem Nachmittag dem Flusslauf des Trysil-Elva folgen will. "Vorne links kommt Anka als Leittier, rechts Essell als Tempomacher." Mit 25 bis 40 Stundenkilometern sausen die Schlittenhunde dann durch den Wald, ignorieren Wurzeln, Engpässe und andere Hindernisse.

Nach wenigen Minuten zeigen sich bei den Piloten trotz minus 18 Grad die ersten Schweißperlen auf der Stirn. Gesteuert wird mit dem ganzen Körper durch Gewichtsverlagerung. Was leicht und gemütlich aussieht, erweist sich als Schwerstarbeit für Sportliche - Adrenalinkick inklusive. Erschöpft, aber glücklich, schwebt die Gruppe am Abend mit dem letzten Lift hinauf zur Knetsedra-Hütte.

Schumachers Blockhaus

Jeden Dienstag und Freitag wird der historische Hof von 1790 zum Mekka für Fondue-Fans, die im Kerzenschein schlemmen und mit Fackeln in der Hand zu ihren Ferienhäuser zurückfahren. Viele Pisten führen direkt bis vor die Haustür. 1300 "Hytta", von einfachen Blockhütten mit Grasdach bis hin zu komfortablen Chalets, werden vermietet. Sauna und Skikammer sind fast immer Standard.

Und beim morgendlichen Brötchenholen kann der Urlauber durchaus auf Prominenz treffen: Star-Langläufer Bjørn Daehlie hat in Trysil sein Feriendomizil, in der Nachbarschaft besitzt Formel-Eins-Pilot Michael Schumacher ein Blockhaus.

Von Hilke Maunder, gms

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