Türkische Ägäisküste Airbus A330 als Tauchspot versenkt

Ein Airbus A330 hat in der Ägäis seine letzte Ruhestätte gefunden. Das 65 Meter lange Flugzeug wurde dort mit Absicht versenkt - es soll Meeresbewohner wie Touristen anlocken.

Cihan Demirci/ Anadolu Agency/ Getty Images

Erst senkt sich das Heck des Airbus A330, dann ragt nur noch die Nase des Riesenflugzeugs aus dem Wasser. Aus den Cockpit-Fenstern sprudelt es, ein Wirbel auf der Meeresoberfläche - dann ist von dem 65 Meter langen Flieger nichts mehr zu sehen. Ein Video des britischen Senders BBC zeigt diese Szene.

Keine Bange: Vor dem Hafen Ibrice in der türkischen Provinz Edirne ist es nicht zu einer Flugzeugkatastrophe gekommen. Vielmehr wurde die ausgediente Maschine im Golf von Saros in der Ägäis in eine Tiefe von 30 Metern versenkt, um künftig als Tauchspot zu dienen und Meeresbewohner wie Touristen anzuziehen. Am Samstag war ein erster Tauchgang möglich.

1995 ging die A330 auf ihren ersten Flug, 2018 in Rente. In Antalya wurde das 90 Tonnen schwere Langstreckenflugzeug demontiert und im März auf sechs Lkw in den Nordwesten der Türkei an die Ägäisküste transportiert. Am Freitag zogen Boote das Wrack dann knapp zwei Kilometer aufs Meer hinaus - dort soll es künftig als künstliches Riff und Tauchspot dienen.

Taucher bringen mehr Einkommen

"Ich glaube, dass viele Taucher, insbesondere aus Griechenland und Bulgarien, hierher kommen werden", sagte Serdar Savasal, einer der an der Aktion beteiligten Taucher, der türkischen Zeitung "Hürriyet Daily News". Es gebe kein größeres Flugzeug, das als künstliches Riff versenkt wurde, als dieses. "Ich denke, schon das reicht aus, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen", sagte er. Zur Erkundung seien mindestens zwei Tauchgänge nötig.

"Der Tauchtourismus ist ein anderes Marktsegment als der Massentourismus", sagte der stellvertretende Gouverneur Ali Uysal bei einer Zeremonie am Samstag. Ein Tourist generiere laut seiner Aussage ein Einkommen von weniger als umgerechnet 450 bis 580 Euro, während Taucher umgerechnet 1800 bis 2700 Euro ins Land brächten. Die Sportler geben wohl mehr Geld für Tauchfahrten, Hotels und sonstiges aus. "Das versenkte Flugzeug und das künstliche Riff sind daher sehr wichtig", sagte Uysal.

Die Türkei profitiere von solchen Projekten, sagte Taucher Savasal. Er schlägt vor, neben die A330 noch weitere Fahrzeuge zu versenken - zum Beispiel Panzer, die in der Gallipoli-Schlacht während des Ersten Weltkriegs eingesetzt wurden. Auf diese Weise könnten auch Erinnerungen aus dem Krieg belebt werden, wie er "Hürriyet Daily News" sagte. In der Schlacht auf der Gallipoli-Halbinsel wehrte das Osmanische Reich 1915 einen Angriff der Alliierten ab.

Schiffe, U-Bahn-Waggons und Skulpturen für die Meeresbewohner

Ebenfallls in der Saros-Bucht gibt es bereits seit 2010 das weltweit erste unterwassergeschichtliche Museum. Auf dem Meeresboden wurden dafür Statuen und Denkmäler platziert, die an die Soldaten der Gallipoli-Feldzug erinnern sollen. Gleichzeitig mit der A330 verschwanden noch weitere Objekte im Wasser.

Die Idee ist nicht neu, Schrott wie ausgediente Schiffe oder Autoreifen im Meer zu versenken und darauf zu hoffen, dass Tiere wie Touristen dies attraktiv finden. Gegner kritisieren, dass das Meer damit vermüllt werde. So sank zum Beispiel die "HMS Scylla" voller Absicht 2004 auf den Meeresgrund vor Whitsands Bay an der Küste von Cornwall, der Frachter "Hoyt S. Vandenberg" vor Florida. Sogar U-Bahn-Waggons fanden vor der Küste von Delaware ihre letzte Ruhe.

Der britische Künstler Jason de Caires Taylor schuf den Skulpturenpark "The Silent Evolution" zwischen Cancún und der Isla Mujeres in Mexiko und das Museo Atlántico vor Lanzarote. Der Friedhof Neptune Memorial Reef entstand vor der Küste von Key Biscayne in Florida. Und vor der Küste Nordbalis stemmen sich die"Reef Gardeners of Pemuteran" gegen das Korallensterben.

abl



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