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King's Cross: Großer Bahnhof für Olympia

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Sommerspiele 2012 Londons Kampf gegen den Olympia-Stau

Eigene Fahrspuren für VIPs, Sonderzüge und moderne Bahnstationen: Londons Transportexperten tun alles, um den befürchteten Verkehrsinfarkt bei den Olympischen Spielen zu verhindern. Dabei entsteht eine spektakuläre Infrastruktur - wie der neue Bahnhof King's Cross.

Der Olympia-Park ist zu 96 Prozent abgeschlossen, die Wohnungen im olympischen Dorf bezugsfertig, einzelne Wettkampfstätten bereits eingeweiht. Auf den ersten Blick scheinen die Organisatoren der Olympischen Sommerspiele in London sich beruhigt zurücklehnen zu können. Sie haben ihre Arbeit getan - im vorgegebenen Zeitrahmen und Budget.

Doch bleibt eine große Unbekannte: der Verkehr. Die britische Hauptstadt ist berüchtigt für ihren Dauerstau auf den engen Straßen. Auch in der überlasteten U-Bahn bilden sich zur Rush-Hour lange Schlangen. In den beiden Olympia-Wochen vom 27. Juli bis 12. August werden sich schätzungsweise zusätzliche sechs Millionen Menschen in der Metropole tummeln. Der Ansturm wird zwar dadurch abgemildert, dass viele Londoner zur gleichen Zeit in den Sommerurlaub fliehen werden. Doch bleibt die Herausforderung für die Verkehrsplaner gewaltig.

Die Geografie ist dabei wenig hilfreich: Der Großteil der einfliegenden Gäste kommt in Heathrow im äußersten Westen der Stadt an und muss mitten durch die Innenstadt bis zum Olympia-Gelände im äußersten Osten gebracht werden. Für Team-Delegationen und die über 20.000 akkreditierten Journalisten werden eigene Fahrspuren auf Hauptstraßen reserviert. So sollen sie schnell an alle Wettkampforte gelangen. Für den Rest der Autofahrer wird der Stau damit jedoch noch schlimmer, schon jetzt wächst der Unmut auf die VIP-Spuren.

Auch der öffentliche Nahverkehr wird auf eine Belastungsprobe gestellt. Einer der Verkehrsknotenpunkte wird der Bahnhofskomplex King's Cross und St. Pancras sein. An dem Superdrehkreuz im Londoner Norden treffen sich der Eurostar vom europäischen Kontinent, der Bahnverkehr aus Nordengland und Schottland, sechs U-Bahnlinien und der Shuttle-Schnellzug Javelin zum Olympiapark. Es wird erwartet, dass die Passagierzahlen Ende Juli um 35 Prozent nach oben schnellen.

150.000 Passagiere pro Tag

Rechtzeitig vor den Spielen wird am Mittwoch die neue Eingangshalle von King's Cross eröffnet. Die spektakuläre Stahl-Glas-Konstruktion liegt zwischen den beiden Kopfbahnhöfen King's Cross und St. Pancras und erleichtert das Umsteigen. Der neue Western Concourse ist dreimal größer als der alte provisorische Flachbau, der seit 1972 als Eingang dient und im Herbst abgerissen werden soll. Die Halle ist für bis zu 150.000 Passagiere pro Tag ausgelegt. Das müsste für die Olympischen Spiele reichen, sagt Architekt Hiro Aso.

Der Nachbarbahnhof St. Pancras war bereits vor einigen Jahren grundlegend renoviert worden. Seit 2007 endet hier der Eurostar aus Paris und Brüssel. Während der Spiele fährt von hier der neue Javelin-Shuttle ab, der Passagiere in sieben Minuten zum Olympiagelände in Stratford bringt.

Der Umbau der beiden Bahnhöfe ist Teil einer größeren Regenerierung des Nordlondoner Viertels. Auf 27 Hektar brachliegendem Bahnland entsteht ein neues Geschäfts- und Wohnquartier. Gerade hat der US-Internetkonzern Google angekündigt, seine britische Zentrale hierher zu verlegen. Architekt Aso arbeitet bereits seit 14 Jahren an dem Großprojekt King's Cross. Doch erst die Vergabe der Spiele nach London habe den nötigen Druck entfacht, sagt er.

Der neugestaltete Bahnhof ist ein weiteres Beispiel dafür, wie das Großereignis die Infrastruktur der britischen Hauptstadt verbessert. Auch im East End rund um das Olympiagelände ist der öffentliche Nahverkehr erheblich ausgebaut worden, mit der Station Stratford ist ein neues Drehkreuz entstanden. Ob die Investitionen allerdings ausreichen, um den Verkehrsinfarkt zu vermeiden, wird sich erst im Juli zeigen.