Unterwegs mit Rangern Tief in der Eifeler Wildnis

Wo früher Panzer rollten, wächst jetzt Ginster: Im Nationalpark Eifel gehören Baumriesen ebenso zum Landschaftsbild wie eine ehemalige NS-Schulungsstätte. Auf Entdeckungstour mit den Rangern von Nordrhein-Westfalen zum "Amazonas der Eifel".


"Seid ihr heute gut drauf und fit?", fragt Carsten Richter die kleine Wandergruppe, die sich am Nationalpark-Eingang Rurberg versammelt hat. "Denn gleich müssen wir bergauf." Bergauf, das bedeutet über 150 Meter steiler Felsenpfad. Ziel ist der Honigberg, die Tour aber alles andere als ein Zuckerschlecken. Selbst Carsten Richter muss oben kurz verschnaufen. Doch dann hat er wieder Luft, um den Besuchern Pflanzen und Baumwuchs zu erläutern.

Carsten Richter ist einer der 15 Ranger, die für die Landesforstverwaltung Nordrhein-Westfalen im Nationalpark Eifel täglich auf Tour sind. Die ehemaligen Waldarbeiter wurden zu geprüften Natur- und Landschaftspflegern ausgebildet, um den Besuchern das Wachsen und den Wandel von Fauna und Flora in einem der jüngsten Nationalparks Deutschlands näherzubringen. "Wir sind die Mittler zwischen Mensch und Natur", erklärt Richter. Er und seine Kollegen tragen als Erkennungsmerkmal den typischen, breitkrempigen Rangerhut und einheitliche, grüne Outdoor-Bekleidung.

An fünf "Rangertreffpunkten" scharen sie an drei Wochentagen sowie samstags und sonntags interessierte Besucher um sich, wandern mit ihnen durch den Nationalpark und informieren dabei über ihre Arbeit in der wachsenden Eifeler Wildnis. Die jeweilige Route wird mit den Gästen spontan festgelegt. Darüber hinaus sind die Männer ganzjährig freitags und sonntags auf drei festgelegten "Rangertouren" mit Besuchern unterwegs. Für geübte Wanderer gibt es die "Klosterroute", eine anspruchsvolle Strecke über fünf Stunden. Weniger anstrengend ist die "Hirschley-Route", die zu Baumriesen und alten Köhlerplätzen führt. Alle Touren sind kostenlos.

Ranger, Waldführer und Referenten

Neben den Rangern stehen im Nationalpark mehr als 150 geschulte ehrenamtliche Waldführer bereit, die mit angemeldeten Gruppen Thementouren unternehmen. Nur gut dreieinhalb Jahre nach der offiziellen Eröffnung des Nationalparks Anfang Januar 2004 ist das Angebot überaus reichhaltig: Es gibt ebenso Wanderungen mit Experten zum Thema Fledermäuse wie mit Wasserbaufachleuten zur Geschichte des Rurstausees und der Urfttalsperre, die wegen ihrer Lage inmitten des Großschutzgebietes auch "Amazonas der Eifel" genannt werden.

Herzstück des ersten Nationalparks im Bundesland Nordrhein-Westfalen ist jedoch das ehemalige "Camp Vogelsang" auf der kargen Dreiborner Hochfläche zwischen Herhahn und Einruhr. Mehr als 60 Jahre lang war das raue Land mit den charakteristischen Ginsterbüschen, dem "Eifelgold", streng abgeschirmtes militärisches Sperrgebiet. Ende 2005 verließ die belgische Armee das Panzerübungsgelände.

Damit wurde auch ein bedrückendes Erbe wieder zugänglich - die "Ordensburg Vogelsang" aus der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur. Die 100 Hektar große Anlage war eine der Schulungsstätten für die Nazi-Führungselite. Ab 1934 wurden die Bauten am Hangplateau oberhalb der Urfttalsperre errichtet, zwei Jahre später begannen die Kurse für die "Junker". Heute sind die denkmalgeschützten Bauten der Ordensburg stumme und mahnende Zeugen der dunklen Vergangenheit. Täglich werden für Besucher Rundgänge mit Referenten angeboten, die hier aus gutem Grund nicht die Bezeichnung Führer tragen.

Ein gut ausgeschildertes Wanderwegenetz fehlt noch in dem weitläufigen Schutzgebiet: Manche Markierungen sind zugewachsen, Wanderer müssen danach suchen. In der nächsten Zeit sollen jedoch Wege und Pfade von 240 Kilometer Länge ausgewiesen werden, die den 108 Quadratkilometer großen Park entlang der Grenze zu den belgischen Ardennen erschließen. "Alles im Nationalpark soll für die Besucher erlebbar sein, allerdings nicht an jedem Ort", sagt Michael Lammertz vom Nationalpark-Forstamt Eifel in Schleiden-Gemünd.

Die Natur erobert alte Pfade zurück

Neben den Wanderpfaden sind auch Rad- und Reitwege vorgesehen, sogar fünf Kilometer Loipe für den Skilanglauf sollen entstehen. Dafür wurden etliche andere Wirtschaftswege in den Buchen- und Fichtenwäldern aufgegeben. Auf dem 500 Meter hohen Kermeter-Höhenrücken wuchern bereits die ersten Pfade unter dichtem Grün zu. "Die Natur wieder Natur sein lassen" heißt das Motto dieser Umgestaltung. Mehr als 460 gefährdete Pflanzen- und Tierarten leben in der Schutzzone: Die Gelbe Wildnarzisse und die Graslilie, Schwarzstörche und Wildkatzen, Biber und Eisvögel, Mauereidechsen, aber auch Rote und Schwarze Milane sind darunter.

Die kleinen Eifeldörfer rund um den Nationalpark bestätigen wachsende Besucherzahlen, bisher sind es aber vor allem Tagesgäste, die zum Wandern kommen. Alice Gempfer vom Förderverein Nationalpark vertraut darauf, dass die urwüchsige Landschaft und die Weitblicke über die Stauseen Touristen in Zukunft auch für länger in die Gegend locken: "Diese Kombination bietet keiner der anderen 13 deutschen Nationalparks." Ideale Zugänge für Gäste sind die Nationalpark-Tore in Rurberg, Heimbach, Gemünd sowie künftig auch in Monschau-Höfen und in Nideggen. Dort bekommt man auch Anregungen für Unternehmungen und den Urlaub in der Eifelregion. Egal ob für einen Tag oder eine Woche.

Von Bernd F. Meier, gms

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