Urlaub bei Adligen Schlossherr für einen Tag

Im Urlaub einmal Graf spielen: Herzöge und Freiherrn der Vereinigung "Culture & Castles" laden Touristen in ihr Schloss ein. Aus reiner Gastfreundlichkeit handeln die Schlossbesitzer jedoch nicht – zusätzlich zum Zimmerpreis bekommen sie satte Fördergelder.


Bad Essen/Kalkar - Kilometerlang und schnurgerade führt eine Allee mit knorrigen Linden durch Felder auf Schloss Hünnefeld zu. "Manchmal verirren sich die Gäste zufällig bis zu uns", sagt Luise Freifrau von dem Bussche-Hünnefeld, Eigentümerin des Anwesens bei Bad Essen im Osnabrücker Land. "Dann sind sie erstaunt, dass wir auch Gastgeber sind."

Nicht nur die Tore von Schloss Hünnefeld werden für Reisende geöffnet: Rund 50 Besitzer von oft jahrhundertealten Schlössern, Herrenhäusern und Wasserburgen haben sich in der Vereinigung "Culture & Castles" zusammengeschlossen. Die Mehrzahl der Landsitze sind in Deutschland zu finden - viele am Niederrhein und im Münsterland.

Einige stehen in den Niederlanden, in Belgien und Frankreich. Das Vorbild für die Kooperation stammt aus Nordportugal: Seit gut 25 Jahren kann dort auf Landgütern und in palastähnlichen Herrenhäusern übernachtet werden - unter dem Markenzeichen "Turismo de Habitação".

Staatliche Förderung für Touristen-Schlösser

Reisende aus der ganzen Welt finden mittlerweile den Weg in das abgelegene, 400 Jahre alte Schloss Hünnefeld in der Nähe des Mittellandkanals. "Manche sind unterwegs von Holland nach Hannover und steigen dann bei uns ziemlich müde vom Fahrrad", erzählt die 39 Jahre alte Freifrau von dem Bussche-Hünnefeld. Drei Gästezimmer gibt es in der ehemaligen Remise des Wasserschlosses.

Wie in Portugal erhalten die Adligen auch hierzulande staatliche Fördermittel, damit sie ihre Anwesen restaurieren und so in manchen Fällen vor dem Verfall bewahren können. Im Gegenzug haben sich die Besitzer verpflichtet, zehn Jahre lang Gastgeber zu sein und jeweils einige komfortable Zimmer einzurichten. "Durch die Gäste können wir die alten Gebäude nach und nach restaurieren", sagt die Freifrau.

Neben den drei Zimmern hat sie einige Extras parat: So stehen den Gästen die Tore zum romantischen Schlosspark offen, der für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Manchmal findet die Adelsfrau Zeit für einen Rundgang mit ihren Gästen durch das weitläufige Grün, das sich hinter einem doppelten Wassergraben ausbreitet. 200 Jahre alte Mammutbäume sind dort zu bestaunen, amerikanische Eichen und üppige Rhododendren.

Die Adelssitze wollen aber bewusst keine Schlosshotels sein. "Alle Herzöge, Grafen und Freiherrn sind private Gastgeber, die sich ganz persönlich um ihre Gäste kümmern", sagt Nicole Brögmann von "Culture & Castles" in Kalkar am Niederrhein. Deshalb gibt es auch keine Angebote wie im Hotel, also keine Wellnessbereiche, Schwimmbäder oder Sternerestaurants. Stattdessen servieren Hausherren wie Herzogin Karen und Herzog Wilhelm-Albert von Urach auf Schloss Ossenberg bei Rheinberg ihren Gästen selbst das Frühstück.

Schlossromantik für Hochzeitspaare

Viele der Zimmer, Apartments oder Suiten auf den einzelnen Anwesen haben weder Fernseher noch Telefon - und ermöglichen dafür Ruhe in stilvollem Ambiente. "Wir bieten Bed und Breakfast in Vier-Sterne-Qualität", sagt Nicole Brögmann. "Wenn einer unserer Gäste in einem der Schlosssäle eine Familienfeier plant, empfehlen wir ihm den örtlichen Partyservice. Und für das Abendessen geben die Schlossherren ihren Gästen Hinweise auf Restaurants im nächsten Ort."

Schlummern in Schlössern und zuvor feudal feiern - das ist in den meisten der Adelssitze möglich. Auf Schloss Wendlinghausen im ostwestfälisch-lippischen Dörentrup gibt es dazu fein hergerichtete "Feierscheunen". Auf Schloss Wissen bei Weeze am Niederrhein stehen mehrere Säle in der Burg und in der restaurierten Wassermühle bereit. Und in der 750 Jahre alten Burg Boetzelaer in Kalkar-Appeldorn offeriert Freiherr Maximilian von Wendt sowohl den urigen Gewölbekeller als auch den pompösen Festsaal im ersten Stockwerk.

Heiratswillige haben die Schlossromantik längst für sich entdeckt. "Wir hatten unlängst die dritte Hochzeitsfeier mit Gästen aus München", sagt der Freiherr. Ähnliches berichtet Raphael Freiherr von Loë auf Schloss Wissen. Hochzeitspaare können dort in ungewöhnlichem Ambiente flittern: Ein ausgedientes Trafohäuschen wurde zu einer feudalen Suite umfunktioniert - zu verschließen durch eine robuste Stahltür. Sie trägt noch das originale Warnschild: "Vorsicht Hochspannung!" - ein Schelm, wer sich dabei irgendetwas denkt.

Bernd F. Meier, gms



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