Urlaub im Schweizer Kloster Einfach weg aus der Welt

Während viele Urlauber es kaum aushalten, mal einen Tag nicht ihre E-Mails im Internetcafé abzurufen, hat auch die Gegenbewegung Konjunktur. Um sich für eine Weile aus der Welt zu verabschieden, muss man nicht versuchen, deren Ende zu finden. In einem Talkessel der Schweiz können Urlauber die Welt durch ein Tor ins Kloster verlassen.


Allein unter Mönchen: Urlaub im Kloster Engelberg
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Allein unter Mönchen: Urlaub im Kloster Engelberg

Engelberg - "Die Menschen, die zu uns kommen, suchen Werte", sagt Pater Columban, der sich im Benediktinerkloster in Engelberg um die Gäste kümmert. "Das Wort Kloster ist vom lateinischen 'claustrum' abgeleitet." Der Ausdruck bedeutet "das, was abgeschlossen ist".

In dem barocken Kloster in Engelberg können auch Weltliche dieses Refugium kennen lernen, die in einem der rund 18 Gästezimmer übernachten. Die Ausstattung der Zimmer erinnert nicht gerade an Mönchszellen - auch wenn sie Namen von Heiligen und Äbten tragen.

Als Hotelbetrieb sieht sich das Kloster aber nicht. "Wer herkommt und nur preisgünstig übernachten möchte, schadet dem Haus", sagt der Pater. "Wir sind eine spirituelle Einrichtung, ein Ort des Gebetes und der Stille." Die Gäste können den Klosteralltag intensiv kennen lernen, vom ersten gemeinsamen Gebet frühmorgens um 5.15 Uhr bis zur letzten Andacht um 20 Uhr. Wie viel Kontakt die Besucher dabei mit den 35 Mönchen haben, entscheiden sie selbst.

1000 Meter über NN: Engelberg in der Zentralschweiz
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1000 Meter über NN: Engelberg in der Zentralschweiz

Die Kirche mit ihren prachtvollen Gemälden steht den Klostergästen stets offen. Wer Glück hat, trifft dort Pater Patrick beim Üben an der mächtigen Orgel. "Mit 137 Registern ist sie die größte Orgel der Schweiz", sagt der Organist. Die Konzerte des Paters sind bei Einheimischen und Besuchern beliebt.

In den Kellergewölben des Klosters reifen die Käselaibe, die von den Mönchen noch immer nach mittelalterlicher Tradition produziert werden. In einem Café können Gäste die Spezialitäten probieren. Viele der 200.000 Bände, die sich in der Bibliothek aneinander reihen, wurden im Mittelalter in der Schreibschule des Klosters angefertigt. Das älteste Dokument stammt aus dem 6. Jahrhundert.

"Ein Rückzug ins Kloster ist keine Einsiedelei", sagt Pater Columban. Er nimmt die Mahlzeiten gemeinsam mit allen Gästen ein und bietet dabei Gespräche an. Ganz nach der Regel des Heiligen Benedikt, dem Ordensgründer: "Höre, lasse dich ansprechen, neige das Ohr deines Herzens!"

Familien mit Kindern können ruhige Ferien im Sankt Josefshaus, dem Gästehaus der Franziskanerinnen in Engelberg, verbringen. 1945 wurde das 70-Betten-Haus zur Erholung für Ordensangehörige eingerichtet, heute steht es jedermann offen.

Beim Essen sitzen auch Gäste zusammen, die sich noch nicht kennen, damit sie miteinander in Kontakt kommen. Ordensschwestern und Priester speisen in ihren Ferien ebenfalls gemeinsam mit Urlaubern. "Wer möchte, kann auch an unseren Gebeten in der Kapelle teilnehmen oder an unserer wöchentlichen Bibelstunde", erzählt Schwester Angela, die Besucher betreut. "Doch niemand ist dazu verpflichtet."

Zu sich selbst finden oder das Weite suchen: Engelberg ist ideal für Ausflüge auf hohe Gipfel
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Zu sich selbst finden oder das Weite suchen: Engelberg ist ideal für Ausflüge auf hohe Gipfel

Viele der Gäste machen tagsüber Ausflüge in die Berge zum Wandern oder Skilaufen. Dafür ist das auf 1000 Metern über dem Meeresspiegel gelegene Engelberg ein idealer Ausgangspunkt. Vom engen Talkessel aus geht es mit der Titlisbahn auf den Gipfel. Mit mehr als 3000 Meter über dem Meer ist der Titlis der höchste Aussichtspunkt in der Zentralschweiz. In Engelberg scheint der Besucher dem Himmel ein Stück näher.

von Daniela David, gms



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