SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

01. März 2019, 10:30 Uhr

Lagune vor der Stadt

Venedigs einsame Inseln

Von

Es muss ja nicht immer das Gedränge auf dem Markusplatz sein: 60 Inseln liegen in der Lagune vor Venedig. Der Fotograf Andrea Pugiotto bringt Sie sicher auf Ideen.

Kunterbunte Häuser, verlassene Kirchen, wilde Strände: In der Lagune von Venedig gibt es rund 60 kleine Inseln unterschiedlichen Charakters. Manche gehen sogar von über Hundert Eilanden aus, je nachdem, was man alles dazu zählt - manche bestehen nur aus einzelnen Felsen, andere sind bei Flut unter Wasser und nur bei Ebbe zu sehen.

Obwohl er in Mestre, einem Stadtteil von Venedig auf dem Festland, geboren wurde, hielt sich Fotograf Andrea Pugiotto in seiner Kindheit und Jugend selten in der venezianischen Lagune auf. Erst vor acht Jahren fing er an, die Gegend genauer zu erkunden - und war fasziniert von den vielen kleinen Inseln, die sich dort befinden. Seitdem hält er diese und ihre Bewohner mit der Kamera fest.

Mazzorbo, Pellestrino oder Sant'Erasmo: Rund 30 der Inseln besuchte Pugiotto in den vergangenen Jahren. Sie liegen nur wenige Kilometer weit voneinander entfernt, können mit einem Vaporetto oder mit einem privaten Wassertaxi erreicht werden. Meist kommen Urlauber nur für einen Tagesausflug und bleiben nicht über Nacht.

Zu den bekanntesten zählen etwa Murano, wo seit Jahrhunderten Glas hergestellt wird, und Burano mit seinen bunten Häusern. Auf der ruhigen und beschaulichen Insel Torcello sind die Mosaike der Basilika Santa Maria Assunta attraktiv. Der Fotograf selbst war mit seinem eigenen Boot unterwegs. "Es ist klein und perfekt, um auch zu den kleinen Inseln Zugang zu haben, die man mit dem öffentlichen Wasserbus nicht erreichen kann."

Pugiotto geht es mit seinen Fotos nicht darum, alle Inseln abzubilden, sondern die enge Beziehung zwischen diesen und den dort lebenden Menschen zu beschreiben. Denn beide verschwänden nach und nach. Der durch die globale Erwärmung steigende Meeresspiegel würde ständig die Oberfläche des trockenen Landes reduzieren.

Auch die Insulaner würden immer weniger, vor allem die Jüngeren zögen auf das Festland. Sie gingen nicht nur, weil das Land langsam zu verschwinden droht, sondern auch, weil die Lebenshaltungskosten immer höher werden und es nur wenige Arbeitsmöglichkeiten gibt.

Touristen sollten bei einem Besuch in Venedig also auch einen Abstecher auf die kleinen Inseln in der Lagune machen - solange es sie noch gibt.

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung