Vulkanausbruch auf Island Südeuropa fürchtet neues Aschechaos

Der isländische Vulkan Eyjafjallajökull kommt nicht zur Ruhe - jetzt beeinträchtigt seine Asche erneut den Luftverkehr in Europa. Eine Wolke über dem Süden sorgt für 500 Flugausfälle in Italien, Frankreich und Spanien. Auch Süddeutschland könnte bald betroffen sein.

Annullierte Flüge in Bilbao: Südeuropa fürchtet die Aschewolke
AFP

Annullierte Flüge in Bilbao: Südeuropa fürchtet die Aschewolke


Rom/Brüssel - Der Vulkan Eyjafjallajökull stört erneut den Flugverkehr. Die Aschewolke erstreckt sich nun von Island bis zu den Azoren und sorgt für Ärger in Südeuropa. Es werde rund 500 Flüge weniger als an normalen Sonntagen in dieser Jahreszeit geben, teilte die europäische Flugsicherheitsorganisation Eurocontrol in Brüssel mit. Die italienische Zeitung "Corriere della Serra" warnt bereits vor einem neuen "Chaos" - präsent ist noch immer die Woche im April, als mehr als acht Millionen Reisende nach dem Ausbruch des Vulkans festsaßen.

Bis Sonntagabend sollen laut europäischer Flugaufsicht Eurocontrol auch Süddeutschland, Österreich und Tschechien von der Aschewolke bedeckt sein. Eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung teilte in Langen bei Frankfurt mit, dass die Situation aber bislang nicht beunruhigend sei. "Wir beobachten die Lage weiter."

Betroffen ist zurzeit besonders Norditalien: Zahlreiche Flughäfen im Nordwesten des Landes mussten geschlossen werden - auch das bei Touristen beliebte Mailand war betroffen. An den beiden Flughäfen der Stadt wurden am Sonntagvormittag knapp 300 Flüge gestrichen. In Turin und in Rom fielen Dutzende Flüge aus. Der norditalienische Luftraum bleibt bis 14 Uhr geschlossen. Nicht betroffen sind die Flughäfen in Venedig, Triest und Rimini.

Südfrankreich fürchtet ebenfalls weitere Behinderungen. Im südostfranzösischen Nizza wurden etwa 20 Flüge annulliert, darunter zahlreiche Verbindungen der britischen Billigfluglinie Easyjet. Nach Flughafenangaben handelte es sich um Flüge von und nach Frankreich, Großbritannien, Irland, Dänemark und in die Schweiz. In Nizza werden wegen des Filmfestivals von Cannes ab Mittwoch Prominente aus aller Welt erwartet.

Ausläufer der Aschewolke sorgten auch auf der iberischen Halbinsel für Probleme. In Nordspanien sollten nach Angaben der Flugaufsicht vier Flughäfen bis zum Sonntagnachmittag gesperrt bleiben. 19 Flughäfen hatten am Samstag schließen müssen, darunter der Airport von Barcelona. 600 Flüge wurden gestrichen, betroffen waren Zehntausende Passagiere.

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Aschewolke über Südeuropa: Airports geschlossen, Flüge gestrichen

Der Flughafen im portugiesischen Porto blieb ebenfalls vorerst geschlossen. Seit Samstagabend ist insbesondere der Transatlantik-Flugverkehr von Portugal aus eingeschränkt. Viele Flüge mussten umgeleitet werden, was zu längeren Flugzeiten führte. Die stärksten Einschränkungen galten der portugiesischen Luftfahrtbehörde zufolge für die neun Azoren-Inseln. Sie liegen 1500 Kilometer westlich von Portugal. Auch die Airports von Lissabon und Faro im Süden des Landes meldeten Beeinträchtigungen.

Auch mehrere Flüge von Deutschland nach Südeuropa entfielen, teilte der Flughafen in Frankfurt am Main mit. 16 Ankünfte und 13 Abflüge wurden am Sonntag abgesagt, darunter Flugverbindungen in die norditalienischen Städte Mailand, Bologna, Turin und Florenz.

Das Ausmaß der neuen Flugstörungen war aber weitaus geringer als im April. Damals mussten europaweit Hunderte Flughäfen geschlossen werden. In dieser Situation erlaubten die Aufsichtsbehörden in Deutschland sogenannte Sichtflüge (siehe Kasten links), um wenigstens einen Teil der gestrandeten Passagiere aus ihrer Notlage zu befreien. Doch jetzt zeigt sich: Die Maßnahme war und ist unter Flugzeugführern hoch umstritten.

Nach Informationen des SPIEGEL bedauert der Sicherheitspilot der Lufthansa, Jürgen Steinberg, in einem internen Aushang gegenüber Kollegen seine Zustimmung zu den Sichtflügen, die deutsche Fluglinien Ende April während des Vulkanasche-Alarms geflogen sind: "Das darf sich nicht wiederholen. Heute würde meine Empfehlung in der gleichen Situation lauten: Don't do it."

In dem Schreiben, das dem SPIEGEL vorliegt, gibt Steinberg zu, dass die Situation von Piloten "als unbefriedigend oder auch als bedrohlich" empfunden wurde. Lufthansa-Bereichsvorstand und -Chefpilot Jürgen Raps distanziert sich gegenüber dem SPIEGEL von seinem Sicherheitspiloten: "Das ist seine rein persönliche Einschätzung, die sich nicht mit der Auffassung des Konzerns deckt."

kgp/AFP/apn/dpa



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