Wandern in den Pyrenäen Hang zum Drama

Enno Kapitza/ADAC reisemagazin

6. Teil: Tag 5 - Standpauke vom Hüttenwirt


Ich gehe an Stöcken. Enno und ich haben uns von Lynne und Ruth verabschiedet, sie mussten ihren Flieger kriegen. Nun reißen wir wieder Männerwitze, reden über Sachen, die ich hier nie aufschreiben würde. Bergkameraden sind wir. Ich trage einen Bart, alles, was zählt, ist der nächste Schritt.

Eine kleine Herde Gämsen kreuzt unseren Weg, ein Jungtier posiert für Enno in sicherer Entfernung auf einem Findling. Mit dem einsetzenden Regen kommen wir in der Refugi de Saboredo an: drei Räume auf einer Fläche von 80 Quadratmetern, inklusive Schlafsaal mit drei Etagenbetten übereinander.

Ein riesiger weißer Hirtenhund rennt uns bellend entgegen, schnuppert und nimmt uns in seine Herde auf. Die bestand bis eben nur aus Guard Xavi, der jung, bärtig und baskisch in der Tür steht. Er hat drei Hühner gerupft und eine Suppe gekocht, in der alle gängigen Sorten Fleisch sowie die Hälfte aller Gemüsesorten schwimmen. Endlich mal keine Bratwurst.

José und Laura, ein junges Paar aus Mallorca, kommen an und ziehen im Regen weiter. Drei Stunden genießen wir die Ruhe, dann fällt eine siebenköpfige Gruppe Männer in bestem Alter wie eine nasse Barbarenhorde im Saboredo ein. Sie halten Höhenmesser hoch, reden viel zu laut und rufen alle zehn Minuten "Cojones!", das spanische Wort für "Eier" oder "Mut". Gäbe es im Saboredo Fenster, würden sie vor Testosteron beschlagen.

Gegen Abend kommen José und Laura wieder, sie haben sich verlaufen, fragen nach dem Weg und ziehen erneut in die Dämmerung. Enno versucht, sie zurückzuhalten, aber José bleibt stur. "Die gehen in den Tod", meint Enno. Xavi zuckt die Schultern. In den Bergen herrscht absolute Freiheit. Auch im Hinblick auf Leben und Tod. Das Essen ist köstlich und will uns trotzdem nicht schmecken.

Um halb zehn bellt draußen der Hirtenhund. José und Laura kommen zurück. Laura ist stinksauer, José hat verheulte Augen. Erst hält Xavi den beiden eine Standpauke, dann die Barbaren. Enno und ich schütteln in Ermangelung von Spanischkenntnissen nur verständnislos den Kopf. Doch insgeheim sind wir alle froh, dass die beiden wieder da sind.



insgesamt 4 Beiträge
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Rainer Helmbrecht 22.06.2010
1. Titel verweigert!
Zitat von sysopViel Zeit und einen guten Freund: Das nahm Autor Sebastian Glubrecht in die Pyrenäen mit. Er sah Bergseen, mondgleiche Landschaften und knorrige Bäume, begegnete Südafrikanerinnen und Barbaren. Und erlebte auf seiner sechstägigen Wanderung ein klassisches Abenteuer. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,695840,00.html
Ich habe da im Baskenland gelebt und in der Region Aquitaine wunderbare Landschaften und nette Menschen kennen gelern. http://www.file-upload.net/download-2618865/IratyPaysBasque-BP-.pps.html Viel Spaß beim Anschauen dieser *.PPS MfG. Rainer
2funky 22.06.2010
2.
Es erschreckt mich manchmal was man im Spiegel findet. Aber noch mehr, die Peinlichkeit vieler Leute ihre Erlebnisse, die erstens banal und zweitens von einer extremen Egozentrik zeugen, als die Grenzerfahrung schlechthin verkaufen. Auch wen man nach Bayern gezogen ist so bedeutet das nicht Automatisch den Erwerb von "skills". Karten lesen, informieren und nicht zuletzt langsam an die Sache angehen zb. Erstmal mit Tagestouren beginnen wäre hilfreich. Um es auf den Punkt zubringen: Die Selbstüberschätzung vieler Leute erstaunt mich immer wieder
Rainer Helmbrecht 23.06.2010
3. Für einen titelfreies SpOn-Forum.
Zitat von 2funkyEs erschreckt mich manchmal was man im Spiegel findet. Aber noch mehr, die Peinlichkeit vieler Leute ihre Erlebnisse, die erstens banal und zweitens von einer extremen Egozentrik zeugen, als die Grenzerfahrung schlechthin verkaufen. Auch wen man nach Bayern gezogen ist so bedeutet das nicht Automatisch den Erwerb von "skills". Karten lesen, informieren und nicht zuletzt langsam an die Sache angehen zb. Erstmal mit Tagestouren beginnen wäre hilfreich. Um es auf den Punkt zubringen: Die Selbstüberschätzung vieler Leute erstaunt mich immer wieder
Was will uns der Dichter damit sagen? MfG. Rainer
2funky 24.06.2010
4. hum
Dichter ist lieb. Habe ich mich so unklar ausgedrückt? Die gegend ist sicher Schön kein zweifel. Aber mir gefällt der Artikel nicht besonders der Schreibstil. mfg 2funky
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