"Weiße Wiek" Boltenhagen Neues Stück Urlaub an der Ostsee

Wo einst das DDR-Militär in Stellung ging, führen nun Urlauber das Kommando: Die Ostsee-Halbinsel Tarnewitz bei Boltenhagen ist als neues Feriendomizil für Segler, Wellnessurlauber und Familien eröffnet worden. Investoren und Steuerzahler steckten 100 Millionen Euro in das Projekt.


Boltenhagen - Die Halbinsel Tarnewitz östlich des Ferienortes Boltenhagen in Mecklenburg-Vorpommern war bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte. Ab dieser Saison ist das anders: Am Wochenende öffnete die "Weiße Wiek" als neues Ferienresort zwischen Wismar und Lübeck. Zwei Hotels und ein Yachthafen sind in den vergangenen Monaten auf der insgesamt zehn Hektar großen Landfläche entstanden. Es sei eines der ehrgeizigsten Tourismusprojekte Deutschlands, erklärte die TUI, Betreiber der beiden Häuser.

Ein Hauch von mondäner Bäderarchitektur spiegelt sich in der weißen Außenfassade der beiden Häuser wieder, allerdings überwiegt die moderne Schlichtheit. Von nostalgischer Urlaubsromantik an weißem Sandstrand ist auch die Historie des Grundstücks weit entfernt: Einst diente Tarnewitz als Fliegerhorst der Wehrmacht, später als Stützpunkt der Nationalen Volksarmee der DDR.

Seit der Wende war das Gelände nicht genutzt worden und wurde zum Naturschutzgebiet - bis ein Investor das Stück Land entdeckte, kaufte und Geldgeber für die Bebauung fand. Die Kosten für die Neugestaltung werden mit 100 Millionen Euro beziffert, die zu 55 Prozent von Privatleuten stammen. Den Rest steuerten Land, Bund und Europäische Union als Fördergelder bei. Nach Angaben der TUI werden insgesamt 180 Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region geschaffen. 80 Prozent der Beschäftigten sollen aus der Gegend kommen.

Boomender Binnentourismus

Für die TUI ist das Engagement in Boltenhagen das Ergebnis einer Binnentourismus-Strategie: "Die TUI hat gemerkt, dass sie mit ihren eigenen Hotels in Deutschland Erfolg hat, weil der Deutschlandtourismus einfach boomt", sagte eine Sprecherin des Unternehmens SPIEGEL ONLINE.

Zwei Häuser, zwei Zielgruppen: Der Reisekonzern trennt die unterschiedlichen Ansprüche der Touristen fein säuberlich in zwei Hälften - ins Iberotel werden die Wellness und Ruhe suchenden Singles und Paare gelockt, das Dorfhotel ist dagegen Anlaufstelle für Familien. Das Konzept habe sich bewährt, sagt Karl J. Pojer, Bereichsvorstand der TUI-Hotels. Ähnlich dem Land Fleesensee sei auch im neuen Ferienresort in Boltenhagen eine durchschnittliche Auslastung von rund 65 Prozent vorgesehen. Mit Schwimmbad, Sauna, Kinder- und Jugendclub soll das Familienhotel auch bei schlechtem Wetter attraktiv sein.

Meerblick inklusive

Kein Billigurlaub, aber auch keine abgehobene Luxusklasse - so umschreibt die Tui die Preisgestaltung ihrer beiden neuen Häuser. Im Iberotel kosten Zimmer zwischen 60 und 90 Euro pro Person und Nacht je nach Saison, im Dorfhotel sind Familien mit 79 bis 159 Euro pro Apartment und Tag dabei, Meerblick inklusive - denn den haben alle Zimmer und Apartements an der "Weißen Wiek".

Mit der "Weißen Wiek" - Wiek ist ein norddeutsches Wort für Bucht - hat sich seit dieser Saison eine Urlaubs- Infrastruktur auf dem einst kargen Stück Land angesiedelt. Strandkorbvermieter und Bootsverleih bezogen ihr Quartier, am Yachthafen machten die ersten Segler fest.

reh



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