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Schottische Highlands-Linie Passagiere beklagen Temperaturen unter null im Zug

Eine Reise durchs malerische Schottland wird zur Schlotterfahrt im »Polarexpress«: Passagiere der West Highland Line haben in den Zügen zuletzt bitterlich gefroren. Es gebe nicht mal heißen Tee an Bord.
Zug der West Highland Line bei Corrour: Unter dem Gefrierpunkt

Zug der West Highland Line bei Corrour: Unter dem Gefrierpunkt

Foto: Iain Masterton / Alamy

Daunenmantel, Mütze, Handschuhe und am besten noch eine Thermoskanne mit heißem Tee dabei – so ausgerüstet begeben sich Passagiere der West Highland Line zurzeit auf ihre Zugfahrt durch die westlichen schottischen Highlands. Fahrgäste beklagten, dass die Temperatur in den Waggons regelmäßig unter den Nullpunkt sinken würde, berichtet der britische »Guardian«. Einheimische haben den Zug bereits »Polarexpress« getauft, in Anspielung auf das Kinderbuch über eine geheimnisvolle Bahnreise an den Nordpol.

Die eingleisige Bahnstrecke führt von Glasgow an die Westküste Schottlands – nach Oban beziehungsweise weiter nördlich über Fort William nach Mallaig. Sie gilt als eine der schönsten der Welt. Berühmt wurde etwa der Glenfinnan-Viadukt auch als Kulisse in den »Harry Potter«-Filmen. Darin überquert der Hogwarts Express regelmäßig die 380 Meter lange Brücke auf 21 Pfeilern auf dem Weg zur Zauberschule. Der Bahnhof Corrour wiederum war im Drogendrama »Trainspotting« zu sehen und ist auf 408 Metern der höchstgelegene Bahnhof Großbritanniens.

Glenfinnan-Viadukt: Als wäre es der Hogwarts Express

Glenfinnan-Viadukt: Als wäre es der Hogwarts Express

Foto: Pond5 Images / IMAGO

Die Schönheit ihrer Bahnfahrt werden die frierenden Gäste der West Highland Line bei den momentan winterlichen Bedingungen wohl kaum wahrnehmen. Ann McLachlan aus Taynuilt östlich von Oban erzählte der schottischen BBC, dass sie und ihr Mann Terry Halcrow Mitte Januar eine »gefährlich kalte« Reise unternommen hätten.

Draußen sei es etwa minus 10 Grad Celsius kalt gewesen, und ihr Mann habe trotz mehrerer Kleidungsschichten bitterlich gefroren: »Terry ist ein Shetland-Insulaner, er hat in der Nordsee gearbeitet, er ist an die Kälte gewöhnt, aber er war völlig durchgefroren«, sagte sie. »Stellen Sie sich vor, Eltern mit einem kleinen Kind oder eine gebrechliche ältere Person wären an seiner Stelle gewesen.«

Die Bahnlinie, deren Bau 1842 begann, ist nicht elektrifiziert und wird seit den Sechzigerjahren von Diesellokomotiven und Triebwagen befahren. Laut dem »Guardian« erklärte der Betreiber ScotRail, dass die meist in den Achtzigerjahren gebauten Züge der Klasse 156 die überschüssige Wärme ihrer Dieselmotoren zum Aufheizen der Waggons nutzen. Vor allem an den ersten Fahrten des Tages wäre dies eine Herausforderung. ScotRail arbeite an »längerfristigen Lösungen und Finanzierungsmöglichkeiten, die die Temperaturen an Bord für unsere Passagiere verbessern könnten«.

Mancher Fahrgast sieht die Kältefahrten nicht auf die ersten des Tages beschränkt – sie seien ganztägig üblich. »Wenn ich übers Wochenende weggefahren bin, habe ich den ganzen Inhalt meiner Tasche anziehen müssen: Mützen, Jacken, Pullover und so weiter«, erzählt Neil McInroy aus Oban laut der Zeitung. Seine Fahrt dauere eigentlich drei Stunden, »oft ist man länger unterwegs, weil es Verspätungen gibt. Und wenn es ein kalter Waggon ist, ist das furchtbar«. Zudem gebe es keinen Trolley-Service an Bord und damit noch nicht einmal heißen Tee im Angebot.

Wohl erst mit dem Frühling wird die Reise per Bahn durch die West Highlands komfortabler. Ab Ende März kommt zusätzlich zu den Dieselzügen ein dampfbetriebener Nostalgiezug zwischen Fort William und Mallaig zum Einsatz: »The Jacobite«  fährt täglich und hinterlässt seinen weißen Dampf auch bei der Überquerung der Harry-Potter-Brücke von Glenfinnan.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war die Rede von Rauch, wo eigentlich Dampf gemeint war. Wir haben die Stelle korrigiert.

abl