Wintersport in Tirol Feine Ferien in "Kitz"

Hunderttausend Schaulustige lockt das legendäre Hahnenkamm-Rennen jedes Jahr nach Kitzbühel. Das idyllische alte Bergbaustädtchen platzt während dieser Januar-Tage aus allen Nähten. Doch schon kurz danach kann der "Kitz"-Fan wieder in Ruhe seinen Hobbys frönen: Skifahren, Shoppen und - Promi-Gucken.


Kitzbühel: Bis in 1800 Meter Höhe 165 Kilometer präparierte Pisten
GMS

Kitzbühel: Bis in 1800 Meter Höhe 165 Kilometer präparierte Pisten

Kitzbühel - Viele Winterurlauber führen die ewig wiederkehrende Klage: Zu voll, zu teuer, zu verbaut sei es in den Bergen. Früher, da sei es noch ganz anders gewesen. Da kannte einen noch die Wirtin mit Namen, die Mahlzeiten waren zünftig und die Pisten liebevoll gepflegt.

Ein solches Plätzchen im Schnee gibt es immer noch, und es hat sogar einen illustren Namen: Kitzbühel in Tirol. Erst seit einigen Jahren wird "Kitz" wieder schicker, tauchen in den Bars vermehrt wieder Promis auf. Und in diesem Winter werden sie in Scharen erwartet: Der legendäre Kitzbüheler Ski Club (K.S.C.) wird 100 Jahre alt.

Hahnenkamm-Rennen: Ausgerichtet seit über 70 Jahren vom Kitzbüheler Ski Club
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Hahnenkamm-Rennen: Ausgerichtet seit über 70 Jahren vom Kitzbüheler Ski Club

Der K.S.C. gilt als die Wiege der Ski-Elite. Toni Sailer - der "Schwarze Blitz von Kitz" -, Ernst Hinterseer und Anderl Molterer sind nur drei Ausnahmefahrer, die der Skiclub hervorgebracht hat. Insgesamt sind es 49 Weltmeister und Olympiasieger. Bereits 1931 veranstaltete der Club das berühmte Hahnenkamm-Rennen, bei dem sich heute Fahrer aus aller Welt messen. Diesen Winter findet es vom 22. bis zum 26. Januar statt. Die Strecke gilt als "Königsdisziplin" unter den Skiwettbewerben, aber auch als hochgefährlich. Rund hunderttausend Besucher werden jedes Jahr zu dem Rennen erwartet.

In der Zeit vor und nach den Skiwettbewerb strahlt die jahrhundertealte Stadt mit ihrem mittelalterlichen Stadtkern Beschaulichkeit aus. Das liegt nicht nur am Kopfsteinpflaster und den nur 8000 Einwohnern. In den Restaurants und Cafés werden österreichische Köstlichkeiten gereicht zur Melange, zum Wiener oder zum Wein. Aber auch die Geschäfte sind einen Bummel wert. Hier hat Filialen, wer Rang und Namen hat, vom Nobelschneider bis hin zum französischen Juwelier.

Kitzbühel: Von München aus in eineinhalb Stunden Autofahrt erreichbar
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Kitzbühel: Von München aus in eineinhalb Stunden Autofahrt erreichbar

Das Angebot in den Kitzbüheler Alpen ist vielfältig - es reicht vom Skikurs über den Drachenflug bis hin zum Snowboard-Rennen. Aber richtig hektisch wird dabei niemand. In der Zeit um das Rennen Mitte Januar ist Kitzbühel allerdings im "Streiffieber". Schon Tage vor den Hahnenkammrennen werden die Abfahrtstrecken für den gewöhnlichen Skiläufer gesperrt. Zeit also, die Bars unsicher zu machen und zu gucken, wie die Promis so aussehen.

Früher kamen Kirk Douglas, Aga Khan und Coco Chanel, heute immerhin noch Arnold Schwarzenegger, Udo Jürgens, Lothar Matthäus, Prinz Alphons zu Hohenlohe und Uschi Glas. Franz Beckenbauer hat sich gleich häuslich niedergelassen. Die Schickeria trifft man dann bevorzugt im Dorfkern, etwa in der Bar des Hotels "Tenne" oder im Restaurant "Chizzo".

Kitzbühel hat bis auf rund 1800 Meter Höhe hinauf insgesamt 165 Kilometer präparierte Pisten. Insgesamt rund 60 Seilbahnen und Lifte sind über den Winter in Betrieb. Zur neuen Saison hat die Bergbahn AG von Kitzbühel weiter aufgerüstet: Drei neue Liftanlagen wurden errichtet. Wer Sonne liebt, sollte auf das 1996 Meter hohe Kitzbüheler Horn fahren. Abfahrten in allen Schwierigkeitsgraden führen von dort wieder hinunter, inklusive einer wunderschönen leichten Talabfahrt über weite Wiesen und durch Wälder.

Am späten Nachmittag steht der Einkehrschwung in die Hütte zum Après-Ski auf dem Plan. Wenn man Glück hat, steht man neben Hansi Hinterseer an der Theke. Ein Blick aus den Augenwinkeln bestätigt: Er sieht sogar besser als im Fernsehen. Irgendwie kerniger. Und das Beste: Hansi kann man buchen! Er singt in Kitzbühel nämlich keine Volkslieder, sondern hilft mitunter auch in der Skischule "Total" seines Bruders Ernst aus.

Abendstimmung in "Kitz": Zum Après-Ski in die Altstadt
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Abendstimmung in "Kitz": Zum Après-Ski in die Altstadt

Überhaupt sind die Skilehrer im Ort oft prominent: Die bereits 1926 gründete Skischule Kitzbühel etwa leitet heute immerhin Rudi Sailer. Wer lieber mit dem immer noch feschen Bruder Toni auf die Piste will, muss seinen Nachwuchs mitnehmen. Denn Toni leitet die Kinderskischule.

Die Hotels von Kitzbühel schliefen lange Jahre einen tiefen Schlaf, sprich: Sie renovierten nicht, sondern zehrten vom guten Ruf aus den Sechzigern. Inzwischen ist das Versäumte aber nachgeholt: Berühmte Häuser wie der "Schwarze Adler", das "Hotel Erika", das "Weiße Rössl", der "Bichlhof" und der "Tennerhof" haben Millionen investiert.

Wer nicht im Vier- bis Fünf-Sterne-Bereich absteigen will, hat ebenfalls reichlich Auswahl: Urlaub auf dem Bauernhof, Appartements, Pensionen oder Gasthöfe. Hier ist der Urlaub günstig. Noch. Denn vielleicht wird Kitzbühel ja bald noch ein bisschen mondäner: Gemeinsam mit Salzburg bewirbt sich die Stadt um die Olympischen Winterspiele 2010.

Von Hilke Segbers, gms



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