Yachthafen von La Rochelle Rückenwind für Freizeitsegler

La Rochelle setzt auf sportlichen Tourismus: Der größte Jachthafen der französischen Atlantikküste wird auf fast 5000 Liegeplätze ausgebaut. Und die Nachfrage bei den Bootsbesitzern ist immens - bisher warten Segler bis zu zehn Jahre auf einen Platz am Steg.

Julien Chauvet / Mairie de La Ro

Von aus La Rochelle


Die Postkartenansicht des Alten Hafen bringt die Anziehungskraft auf den Punkt: Für Touristen verbreiten die Arkadengänge und Kais, wo einst mächtige Segler anlegten, historischen Charme; Gourmets schätzen die gewaltigen "Fischerteller" mit einer verschwenderischen Muschel- und Austernvielfalt. Investoren setzen auf Hightech-Unternehmen wie den Bahnbauer Bombardier, Transport-Firmen nutzen La Rochelle als Drehscheibe für Getreide- und Holzimporte. Für Freizeitkapitäne schließlich bieten die Inseln vor der Küste des Département Charente-Maritime zudem ein spannendes Segelrevier.

"Wie eine Badewanne", beschreibt Jack Dillenbourg, 60, die Reede zwischen der Ile de Ré und der Ile d'Oléron, die La Rochelle gegen die Unbillen des Atlantiks schützt. "Es ist ein zugleich anspruchsvolles wie sicheres Gebiet", so der Stadtrat, der zuständig für Sport, Nautik und maritime Entwicklung ist. "Das macht uns für segelnde Anfänger genauso interessant wie für nautische Touristen, die zu Tagestouren aufbrechen. Oder für echte Regatta-Wettbewerbe - olympische Konkurrenzen eingeschlossen."

Die geografische Lage - nur gut drei Schnellzugstunden von Paris entfernt - ist ein weiterer Trumpf, genauso wie die kurzen Wege vom massigen Bahnhofsgebäude zum Hafen, wo ein elektrisch betriebenes Zubringerschiff die anreisenden Skipper binnen 15 Minuten zu den Liegeplätzen schafft. Die sind für nötigen Tiefgang ausgelegt. Damit können Freizeitkapitäne auch bei Ebbe ohne Schleusendurchfahrt in See stechen.

Hafen platzt aus allen Nähten

Der Jachthafen "Les Minimes", im Management der Stadt, ist allerdings das Opfer seines Erfolges. Mit 3600 Liegeplätzen, verteilt auf drei Hafenbecken, platzt die Infrastruktur aus allen Nähten. "Das war kaum vorstellbar, als wir 1973 hier die ersten Bootsstege anlegten und gerade mal ein Dutzend Jachten dümpelten", erinnert sich Dillenbourg, "die ehrgeizigen Pläne wurden als grandiose Phantasien verlacht."

Die Zeiten sind vorbei. Denn neben dem Schifffahrtshafen unweit der geschwungenen Brücke zur Ile de Ré, immer noch ein zentraler Umschlagplatz für Getreide und Holz, ist die Marina zum entscheidenden Wirtschaftsfaktor mit einem Umsatz von neun Milliarden Euro aufgestiegen: Bootswerften, Reparaturbetriebe, Zulieferer für Segel und Beschläge haben Hunderte Arbeitsplätze geschaffen.

Der Jachthafen mit rund 2000 Jobs ist neben der Tourismus-Branche zum wichtigsten Arbeitgeber der Region geworden. Und für Führungskräfte, die sich nach neuen Aufgaben umsehen, sagt Dillenbourg, ist das bukolische Ambiente der Stadt, das Meeresklima und die Nähe zur Marina durchaus ein Grund, sich für den Standort La Rochelle zu entscheiden.

"Bei uns sind die Skipper - 80 Prozent Segler, 20 Prozent Motorbootbesitzer - wirklich aktiv", freut sich der Stadtvater: "Anders als im Mittelmeer, wo die Boote meist nur als schwimmende Luxusterrassen genutzt werden und nur zwei, drei Tagen umherkreuzen, stechen unsere Hobby-Schiffer echte Sportler, die jährlich im Schnitt einen Monat ihre Boote nutzen."

Ausbau ab November

Mittlerweile fehlt es freilich an Liegeplätzen: 1600 Bootseigner warten auf den ersehnten Platz, die Wartezeiten betragen bis zu zehn Jahren. Ein Phänomen, das nicht auf "Les Minimes" beschränkt ist - in Frankreich fehlen landesweit 54.000 maritime Parkbuchten, mit steigender Tendenz, trotz Finanz- und Wirtschaftskrise.

Glück für La Rochelle: Hier war die Erweiterung des Hafenbeckens schon in der ursprünglichen Planung eingeschlossen: Dazu wird nur die Verlängerung der Uferpromenade nötig, um hinter dem neuen Deich Platz für 1300 weitere Boote zu schaffen. Dennoch vergingen fast vier Jahre, um das 40-Millionen-Projekt ökologisch-korrekt voranzubringen.

Nicht einmal der verheerende Sturm "Cynthia", der im vergangenen Herbst die Küste verwüstete und auch in La Rochelle Jachten auf die Kais der Stadt spülte, hat die Pläne aufgehalten. Und Dillenbourg fürchtet auch nicht, dass durch die verengte Einfahrt zum Alten Hafen der Wasserstand bei künftigen Unwettern in die Höhe geht: "Das Profil des zusätzlichen Deiches dürfte die Macht von Wellen und Windböen sogar eher brechen. "Die breiten Öffnungen werden nicht nur den Sand aus dem Hafen spülen, sondern damit bleibt die Bucht bei Hochflut eine Art Reservebecken."

Von dem Ausbau, der im November mit dem Eintreffen der niederländischen Schwimmbagger beginnen wird, erhofft sich Dillenbourg nicht nur das Ende der logistischen Probleme, sondern neue Arbeitsplätze, zusätzlichen Übernachtungen und internationales Renommee. Kurz: "Neuen Rückenwind für La Rochelle".

http://www.ville-larochelle.fr/videotheque/detail/h/e491d5696f/video/46/back/524/catvideo/8.html



insgesamt 2 Beiträge
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T-Rex, 07.10.2010
1. Prima Sache
Das ist bestimmt ein schönes Revier - wenn der Seegang unter 2 Metern bleibt. Dafür, dass das eher was für Mutige ist ist es dann evtl. etwas günstiger dort zu liegen.
kd0627 08.10.2010
2. Ein tolles Revier, aber...
...hoffentlich wollen die ganzen Wassersportler nicht alle gleichzeitig in die in der Nähe liegenden Häfen einfallen, denn dort müsste auch noch einiges zur Kapazitätserweiterung passieren. 2m Windsee. Es segelt sich dann in dieser Region noch sicherer als unter gleichen Bedingungen an der Nordsee.
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