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13. September 2003, 11:59 Uhr

Zypern

Der Norden erwacht aus Dornröschenschlaf

Jahrzehntelang war die Grenze zwischen Süd- und Nordzypern fast undurchlässig, erst seit einigen Monaten dürfen die Bewohner beider Teile der Insel sich zu Tagesbesuchen treffen. Die Touristen, die sich für die steinernen Zeugen längst vergangener Zeiten interessieren, kehren zurück.

Einzige geteilte Hauptstadt Europas: Im Vordergrund die orthodoxe Kirche der Junfrau Maria (Republik Zypern), im Hintergrund die in eine Moschee umgewandelte St.-Sophia-Kirche (Nordzypern)
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Einzige geteilte Hauptstadt Europas: Im Vordergrund die orthodoxe Kirche der Junfrau Maria (Republik Zypern), im Hintergrund die in eine Moschee umgewandelte St.-Sophia-Kirche (Nordzypern)

Famagusta - Vor knapp 30 Jahren entstand durch die politische Entwicklung eine fast undurchlässige Grenze - Nordzypern war nur noch über den Umweg Türkei erreichbar. Seit einigen Monaten aber können die Bewohner der Insel zumindest zu Tagesbesuchen wieder aus dem Süden in den Norden, Touristen war dies schon vorher möglich. Allerdings dürfen Ausländer, die in Nordzypern eingereist sind, nach wie vor nicht die Grenze in den Süden überschreiten.

Ein "Dornröschenschlaf" überzog in den vergangenen Jahrzehnten den Norden. "Doch die touristische Infrastruktur ist dadurch nicht zurückgeblieben", sagt Irene Raab, deutsche Inhaberin eines Reisebüros in Girne (Kyrenia). "Die großen Verbindungsstraßen sind gut ausgebaut, es gibt auch Fünf-Sterne-Hotels."

Südlich von Gazimagusta (Famagusta) verfiel allerdings das einst aufstrebende Ferienzentrum Varosha seit dem Einmarsch türkischer Truppen 1974. Diese hatten 37 Prozent der Insel besetzt, als das Militärregime in Athen 1974 einen Putsch der Nationalisten gegen den Insel-Staatschef Erzbischof Makarios inszenierte. Die türkische Minderheit im Norden rief Ankara zur Hilfe. 1975 erklärten die Türken die Insel für geteilt. 1983 wurde die Türkische Republik Nordzypern ausgerufen, die international jedoch keine Anerkennung fand.

Grenzöffnung in Nikosia: Griechische und türkische Zyprioten am 23. April 2003 überqueren nach fast 30 Jahren Restriktionen erstmals die Grenze
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Grenzöffnung in Nikosia: Griechische und türkische Zyprioten am 23. April 2003 überqueren nach fast 30 Jahren Restriktionen erstmals die Grenze

Touristen treffen im Norden Zyperns auf die Reste einer Geschichte, die lange vor den Kreuzfahrern begann. In Famagusta beispielsweise, im Mittelalter Hafen und reiches Handelszentrum, steht noch immer die imposante Stadtmauer, die eine Breite von bis zu 9 Metern und eine Höhe bis zu 14 Metern erreicht.

Der Untergang der "Perle der Levante" setzte mit der Machtübernahme durch die Republik Genua 1372 ein. Später herrschte Venedig, ehe dessen Flotte 1571 von den Türken vernichtend geschlagen und Famagusta erobert wurde. Kathedralen und Kirchen wurde zu Moscheen umgewandelt, ihres Schmucks beraubt und mit einem Minarett gekrönt - wie die gotische Kathedrale St. Nikolaus in Famagusta aus dem frühen 14. Jahrhundert. Sie trägt jetzt den Namen der Eroberers Lala Mustafa Pascha. Im Spiel der Mächte hissten die Briten dann 1878 ihre Flagge. Nach einem blutigen Aufstand griechisch-zyprischer Freiheitskämpfer erhielt das Eiland 1960 die Unabhängigkeit.

Zweimal Zypern: Seit 1975 ist die Insel in die Republik Zypern und die Türkische Republik Nordzypern geteilt
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Zweimal Zypern: Seit 1975 ist die Insel in die Republik Zypern und die Türkische Republik Nordzypern geteilt

Die Vorherrschaft des Christentums hatte mit den Byzantinern Ende des 4. Jahrhunderts begonnen. 1098 errichteten die Kreuzfahrer auf Zypern einen Stützpunkt für ihre Eroberungszüge im Heiligen Land. 1191 brachte Richard Löwenherz das ganze Eiland in den Besitz der katholischen Krieger, nachdem der zyprische Kaiser Isaak Comnenus den Fremden Beistand verweigert hatte. Die Gegensätze zwischen Orthodoxen und Katholiken prägten das Zusammenleben der Christengemeinschaften.

Kurz darauf machte der von den Arabern aus dem Heiligen Land vertriebene christliche Ex-König Jerusalems, der französische Ritter Guy de Lusignan, Zypern zu seinem Sitz. Sein Geschlecht herrschte drei Jahrhunderte bis zur Ablösung durch die Venezianer. Ihnen folgten die Osmanen. Im Spiel der Mächte hissten die Briten dann 1878 ihre Flagge. Nach einem vier Jahre dauernden blutigen Aufstand griechisch-zyprischer Freiheitskämpfer gegen die Kolonialmacht erhielt das Eiland am 16. August 1960 die Unabhängigkeit.

Die Entfernungen zwischen den Sehenswürdigkeiten im Norden sind kurz. Nur wenige Kilometer nördlich Famagustas liegen die Ruinen von Salamis, der Sage nach eine Stadtgründung des Troja-Helden Teukros, in der auf Archäologen noch viel Arbeit wartet. Auf die Bedeutung der Stadt, die ihre Blüte in vorchristlicher Zeit erlebte, lässt die Größe des Theaters schließen, das 20.000 Zuschauern Platz bot. Erdbeben und Sturmfluten sowie Araberüberfälle richteten im 4. Jahrhundert schwere Zerstörungen an.

Kyrenia in Nordzypern: Ein griechischer Zypriot schießt ein Erinnerungsfoto an seinen Besuch im Nachbarstaat
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Kyrenia in Nordzypern: Ein griechischer Zypriot schießt ein Erinnerungsfoto an seinen Besuch im Nachbarstaat

An der Nordküste liegen die Ruinen der Festungen, mit denen Einfälle der muslimischen Sarazenen abgewehrt werden sollten. Eine ist die Kantara-Burg in gut 600 Meter Höhe über dem Meeresspiegel, die eine großartige Aussicht bietet. Hier stehen auch die Reste eines der Maria geweihten Klosters, das im 13. Jahrhundert Zentrum des orthodoxen Widerstands gegen die römisch-katholische Kirche war.

Ein großartiges Relikt der Blütezeit der Kirche Roms auf Zypern sind die Ruinen der Abtei Bellapais. Der Orden der Prämonstratenser, gegründet 1120, errichtete im 14. Jahrhundert das Bauwerk mit prächtigen Kreuzgängen. Von der Größe des Klosters zeugen die Reste des Refektoriums: 30 mal 11 Meter maß der Speisesaal der Mönche.

Unverzichtbar erscheint auch ein Besuch in der Kleinstadt Girne (Kyrenia) mit ihrem hufeisenförmigen Hafen und der sich darüber erhebenden Festung. Früher wählten Briten hier ihren Ruhesitz, an den Kaimauern legten Yachten an. Inzwischen wird am Stimmgewirr in den Straßencafés deutlich: Die Touristen finden sich wieder ein.

Von Horst Heinz Grimm, gms

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