Main-Radweg: eine Route, viele Schleifen
Main-Radweg: eine Route, viele Schleifen
Foto: Thorsten Brönner/ www.thorstenbroenner.de

Ferntouren für die Familie Das erste große Abenteuer mit dem Fahrrad

Flach, ruhig - und viel Ablenkung am Wegesrand: Welche Ferntouren in Deutschland sind geeignet für die erste Radreise mit der Familie? Hier sind die besten Routen.
Von Thorsten Brönner

Zu langweilig, zu steil, zu lang - und schon quengelt der Nachwuchs: Wenn die Radroute nicht gut überlegt ist, kommt die Reaktion prompt. Und im großen Puzzle der deutschen Radfernwege kann das schnell passieren. Was aber für Familien, die zum ersten Mal einen Radurlaub planen, immer eine gute Wahl ist: Flussradwege - und davon gibt es einige zwischen Nordsee und Alpen.

Sie sind meist flach, ruhig, und die Abenteuer am Wegesrand sorgen für Spannung. Ab einem Alter von circa zehn Jahren kann man Kinder gut mit auf eine mehrtägige Fahrt nehmen - solange eher kurze Etappen zwischen 30 und 45 Kilometer eingeplant werden. Natürlich dürfen sie auch etwas länger sein, wenn die Jugendlichen Spaß an Bewegung haben.

Picknicken im Grünen, Geocaching, Burgenzählen oder "gleich sind wir am nächsten Badesee" - irgendein Motivationstrick findet sich immer zum Vorwärtslocken. Und wer weiß? Nach ein, zwei Tagen hat vielleicht auch das letzte Familienmitglied das Radelfieber gepackt - und es rollt wie von allein.

Fotostrecke

Die erste Radfernreise mit der Familie: Hauptsache eben und nicht langweilig

Foto: Thorsten Brönner/ www.thorstenbroenner.de

Main-Radweg: Und noch eine Schleife

Da geht’s lang: Deutschlands Flüsse ziehen meist in eine Himmelsrichtung, doch einer tanzt aus der Reihe - der Main. Wer seinen Lauf auf einer Karte betrachtet, könnte meinen, der Fluss weiß nicht wohin: Westen, Norden, Osten, Süden - in Kurven fließt er durch Franken und Hessen. Der Weg entlang des Ufers ist flach, die Radwege dort gehören zu den am besten ausgebauten im Lande.

Radler können am Weißen Main oder am Roten Main starten. Hier das Fichtelgebirge und die Stadt Kulmbach, dort die Fränkische Schweiz und Bayreuth. Ab dem Zusammenfluss geht es erst mal gen Westen von Bierfranken mit dem Höhepunkt Bamberg nach Weinfranken. Der Main wirft immer wieder Schleifen, die Schönste bei Volkach. Wer mit Kindern unterwegs ist, kann rätseln, in welche Richtung man gerade radelt. Ein Knick bei Kitzingen, einer bei Marktbreit, ein weiterer bei Würzburg.

Wo die Weinberge enden, beginnen die Wälder des Spessarts und Odenwalds. Hier wie dort ducken sich Fachwerkstädtchen an die Hänge. Hinter Aschaffenburg hat der Main mit mehr als hundert Metern seine volle Breite erreicht und fließt hinüber nach Hessen. Bei Hanau, der Geburtsstadt der Brüder Grimm, schwenkt er in die finale Richtung ein - gen Westen, hin zum Rhein.

  • Unbedingt besuchen: Toll für Kinder sind das Deutsche Dampflokomotiv Museum in Neuenmarkt, das Würzburger Freizeitbad "Nautiland" und der Frankfurter Zoo.

  • Radlertyp? Wer Mittelgebirge liebt, aber flach dahin radeln will, ist hier genau richtig. Die meist verkehrsfreie Strecke kommt Familien entgegen, dazu die oft parallel verlaufenden Eisenbahnlinien. So lassen sich auch mal Teilstücke per Bahn abkürzen.

  • Start und Ziel: Bahnhöfe in Neuenmarkt-Wirsberg (Weißer Main) oder Creußen (Roter Main) und Mainz

  • Länge: 560 Kilometer; mit Kindern rund 14 Tage

  • Infos: www.mainradweg.com 

RuhrtalRadweg: Einmal durchs "Revier"

Da geht’s lang: Mit dem Fahrrad durch das Ruhrgebiet? Mit Kindern? Ja, denn der Fluss sorgt abschnittsweise für ein grünes Wunder. Die Ruhr beginnt ihre Reise im Skigebiet Winterberg im Rothaargebirge und hüpft zunächst als Bach zwischen den Steinen hindurch. Dann wird der Fluss breiter, langsamer, gönnt sich bei Olsberg eine erste Verschnaufpause, wo er in einem Stausee aufgeht.

Fachwerkdörfer kommen und gehen. Die Hügel flachen ab. Für Familien bedeutet dies mehr strampeln, schließlich sind die meisten Höhenmeter aufgebraucht. Das Sauerland geht ins Ruhrgebiet über. Einst trug die Ruhr auf ihrem Wasser die Kohleschiffe und wusch die Abwasserbrühe der Industrie davon. Dann kam die Bahn, der Fluss erholte sich, heute wuchert an den Ufern das Grün. Für Kinder und Jugendliche bieten sich spannende Ausflüge an: etwa zum Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen oder zur Zeche Zollverein.

Der Fluss wirft seine letzten Schleifen: eine bei Kupferdreh, eine bei Kettwig, und eine bei Oberhausen. Vor der Skulptur Rheinorange vermählt sich die Ruhr mit dem Strom. Auf dem Tacho stehen 240 Kilometer; 240 Kilometer gespickt mit Höhepunkten und weitgehend autofrei auf separat geführten Rad- und Wirtschaftswegen.

  • Unbedingt besuchen: Ein Stopp in Hattingen lohnt aus zweierlei Gründen: Wegen der vielen Fachwerkhäuser in der Altstadt und der Henrichshütte. Wie ein Stahldinosaurier steht das einstige Hüttenwerk auf einer Wiese und kann auf Führungen erkundet werden.

  • Radlertyp? Seinen größten Trumpf spielt die Region mit dem Wechsel zwischen Industrierelikten und grüner Landschaft aus. Wenn Eltern und Kinder fasziniert sind von Kokereigasspeichern, Pumpspeicherwerken und Bergwerken - hier sind sie zu entdecken.

  • Start und Ziel: Bahnhöfe in Winterberg und Duisburg

  • Länge: 240 Kilometer; mit Kindern rund sechs Tage

  • Infos: www.ruhrtalradweg.de . Dort wird auch über drei Großbaustellen informiert, die zurzeit auf der Strecke eingerichtet sind - samt nötiger Umleitungen für Radler.

BahnRadweg Hessen: Mit "Volldampf" durch Deutschlands Mitte

Da geht’s lang: In Hessen, der einstigen Heimat der Gebrüder Grimm, schlängelt sich heute einer der tollsten Bahntrassenradwege durch die Lande. In den Grimm-Märchen ziehen kleine Helden hinaus ins Abenteuer, die heutigen Pedalritter ziehen zunächst in die Mittelgebirge von Rhön, Vogelsberg und Spessart.

Was nach Schwitzen klingt, ist eher entspanntes Radeln. Denn die Planer der einstigen Bahnstrecken legten die Trassen mit sanften Steigungsprozenten in die Hügel. In den Tälern liegen Fachwerkstädte, auf den Anhöhen sitzen Burgen und Schlösser.

Das ruhige Radelmärchen läuft meist autofrei durch die Landschaften in der Mitte Deutschlands. Der Solztalradweg bildet den ersten Abschnitt und führt ins Flusstal der Werra mit seinen weiß leuchtenden Kalibergen. Der Ulstertalradweg nimmt einen kurz mit nach Thüringen, auf dem Milseburgradweg geht es hinab ins Zentrum von Fulda.

Ab Schlitz empfängt einen der 94 Kilometer lange Vulkanradweg - der ebenfalls fast märchenhaft klingt mit der Teufelsmühle Grebenhain, der Auenlandschaft Mittleres Niddertal und der Keltenwelt am Glauberg.

  • Unbedingt besuchen: Die Hauptroute führt von Hartmannshain über den top ausgebauten Vulkanradweg hinunter nach Hanau. Von dort lohnt es, der zweiten Streckenvariante via Gelnhausen nachzusteuern. Radler strampeln langsam das Tal der Kinzig hinauf. Rechts der Spessart, voraus der Vogelsberger Südbahnradweg, ebenfalls so eine stillgelegte Bahntrasse.

  • Radlertyp? Auf den leicht erhöhten Wegen auf ehemaligen Trassen können kleine Radler sich fühlen wie kleine Eisenbahnen - mit tollem Ausblick und ungestört durch Autoverkehr.

  • Start und Ziel: Bahnhöfe in Bad Hersfeld und Hanau

  • Länge: Bad Hersfeld bis Hanau 250 Kilometer; mit Kindern rund sechs Tage

  • Infos: www.bahnradweg-hessen.de 

Fürst-Pückler-Weg: Landschaft im Wandel

Rakotzbrücke im Rhododendronpark Kromlau: Oft fotografiert, immer noch romantisch

Rakotzbrücke im Rhododendronpark Kromlau: Oft fotografiert, immer noch romantisch

Foto: Thorsten Brönner

Da geht’s lang: Hermann von Pückler-Muskau war ein Lebemann und unternahm Anfang des 19. Jahrhundert ausgedehnte Reisen in den Orient. Er begann mit dem Umbau zu einem der schönsten Schlösser Deutschlands. Und als sein Ende nahte, ließ Pückler sich eine Pyramide als Begräbnisstätte errichten. Heute trägt eine Radrunde den Namen des Fürsten, und die steckt voller Überraschungen.

Das nahezu flache Terrain der Niederlausitz ist ein Argument, die Route für eine erste Familientour auszuwählen, auch wenn die 500 Gesamtkilometer erst mal abschrecken. Doch die Strecke lässt sich kürzen und wie ein Fürst-Pückler-Eis in Häppchen schneiden: Die Radwege und ruhigen Nebenstraßen führen einen zur Slawenburg Raddusch, zum Rhododendronpark Kromlau und zum Freilichtmuseum Zeitsprung.

Seit Jahrzehnten befindet sich die Region im Wandel. Immer wieder legen Radler den Kopf in den Nacken, vor allem an der Abraumförderbrücke F60. Der Stahlgigant sieht ein wenig aus wie der umgeworfene Bruder des Eiffelturms: 502 Meter lang, 80 Meter hoch, 240 Meter breit. Was Pückler wohl über die riesigen Braunkohle-Tagebaue der Lausitz gedacht hätte, die heute wie Wunden im Gelände klaffen? Einige hat man renaturiert, geflutet und in Naherholungsgebiete umgewandelt. Also Badesachen einpacken!

  • Unbedingt besuchen: Am Weg liegt der Muskauer Park, seit 2004 ein Unesco-Weltkulturerbe. Der zweite Pflichtstopp für Radler auf dieser Runde ist im Branitzer Park die Seepyramide. Darin ruht Hermann von Pückler-Muskau.

  • Radlertyp? Für Technikfans ist der Rundkurs ein Traum. Es warten zahlreiche Industrierelikte aus DDR-Zeiten.

  • Start und Ziel: mehrere Bahnhöfe entlang der Strecke, der größte davon ist in Cottbus

  • Länge: 500 Kilometer; mit Kindern rund zwölf Tage. Die Tour lässt sich auch gut verkürzen. 

  • Infos: www.fuerstpuecklerweg.de 

Altmühltal-Radweg: Besuch bei Archaeopteryx

Da geht’s lang: Unter Deutschlands Routen ist der Altmühl-Radweg einer der Dinosaurier. Mehr als 40 Jahre hat der Weg auf dem Buckel und überzeugt noch immer, vor allem bei einer Fahrt mit der ganzen Familie. Als wolle sie jeden Höhepunkt der Region mitnehmen, fließt die Altmühl mal in diese Richtung, mal in jene. Könnte der Fluss Geschichten erzählen, würden viele von den wechselnden Landschaften handeln, aber auch von Urzeitwesen.

Da Routenplaner ebenfalls gern Höhepunkte einbauen, beginnt diese Reise in Rothenburg ob der Tauber. Türme, Mauern, Stadtplätze, Gassen mit Fachwerkhäuschen - wer alles in Ruhe sehen will, bleibt am besten eine Nacht. So geht es ausgeruht durch den Naturpark Frankenhöhe, dem Quellgebiet der Altmühl entgegen.

Ein Badestopp am Altmühlsee, ein Blick ins Limesmuseum in Gunzenhausen und dann in den Naturpark Altmühltal. Kalkfelsen rechts, Kalkfelsen links, und mittendrin der Radweg. Vor 150 Millionen Jahre wogte an dieser Stelle ein subtropisches Meer mit Inseln und Lagunen. Hier lebte der heimliche Star der heutigen Radroute - der Urvogel Archaeopteryx.

Lust auf einen Fossilienfund? Dazu gibt es Gelegenheit in einen der fünf Steinbrüche und Sammelstellen des Naturparks. Ein Archaeopteryx ist dort wohl nicht mehr zu finden, aber vielleicht Versteinerungen von Meeresschnecken oder urzeitlichen Insekten.

Vom Altmühltal-Radweg schwärmen Kinder noch lange - von den Tropfsteinhöhlen, den Spaziergängen durch die Felsen und von den Kleinstädten. Also Tageskilometer runterfahren. Wenn der Nachwuchs Radreiseerfahrung mitbringt, lohnt es, den Taubertalradweg anzuhängen. Hundert Bonuskilometer, top ausgebaut mit ebenfalls vielen Überraschungen.

  • Unbedingt besuchen: Von Kelheim aus fahren Schiffe durch den Donau-Durchbruch zum Kloster Weltenburg. In der Gegenrichtung kann man gut ins knapp 40 Kilometer entfernte Regensburg radeln.

  • Radlertyp? Radler mit Forscherdrang kommen hier voll auf ihre Kosten. Wie in einen Geschichtsstrudel tauchen sie unterwegs ab. Es beginnt im Mittelalter und geht über die Römerzeit in das Zeitalter des Jura.

  • Start und Ziel: die Bahnhöfe in Rothenburg ob der Tauber und Kelheim

  • Länge: 245 Kilometer; mit Kindern rund sechs Tage

  • Infos: www.naturpark-altmuehltal.de 

Unstrut-Radweg: Zeitreise per Rad

Da geht’s lang: Der Radweg an der Unstrut ist gut ausgebaut, ruhig und daher ideal für Kinder und Jugendliche. Auf der Hochfläche des Eichsfeldes schickt die in Stein gefasste Unstrutquelle die Radler auf die Reise durch Thüringen und Sachsen-Anhalt. Bis zur Mündung in die Saale sind es hundert Kilometer Luftlinie. Aber der Fluss wirft immer wieder Schleifen, legt so annähernd den doppelten Weg zurück.

Radler rollen auf den asphaltierten Wegen talwärts durch Wiesen und Dörfer. Ihr Ziel ist Mühlhausen. Wer unter dem Frauentor durch die massive Stadtmauer gelangt, findet sich inmitten der Fachwerkhäuser und der elf mittelalterlichen Kirchen wieder. 25 Kilometer sind geschafft, und in der Thüringentherme kann eine Runde geplanscht werden. Bis zur nächsten, der Friederiken Therme in Bad Langensalza, ist es auch nicht weit. Die Kur- und Rosenstadt hat eine hübsche Altstadt mit den nötigen Eiscafés und für Päuschen geeignete Gartenanlagen.

Die Unstrut durchbricht die von der Oberen und Unteren Sachsenburg bewachte Thüringer Pforte. In Sachsen-Anhalt sind einige Stopps angebracht: im Naturpark Saale-Unstrut-Triasland, an der Festung Heldrungen, in der Wein- und Sektstadt Freyburg und am Reiseziel am Naumburger Dom.

  • Unbedingt besuchen: In der Arche Nebra erfahren Kinder wissenswerte Details zur berühmten Himmelsscheibe. Das Original residiert im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Grund genug, am Ende der Reise dem Fluss Saale ein Stück stromabwärts nachzugehen.

  • Radlertyp? Alle, die stille Radtouren abseits der klassischen Touristenwege schätzen, freuen sich über die Auwälder und den Naturpark Saale-Unstrut-Triasland.

  • Start und Ziel: Der Bahnhof in Silberhausen ist sieben Kilometer von der Unstrutquelle entfernt. Naumburg hat einen Bahnhof.

  • Länge: 190 Kilometer; mit Kindern rund fünf Tage

  • Infos: www.unstrutradweg.de 

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.