50 Jahre Erstbesteigung Heroen, Hybris, Höhenrausch

Der Mount Everest ist Sinnbild für Todesmut und Glückseligkeit, ein Mythos, nicht nur für Bergsteiger. Hunderte kämpften sich zum Gipfel, Dutzende kamen an den Hängen um. Vor 50 Jahren gelang die Erstbesteigung, nun macht sich eine Jubiläumsexpedition auf den Weg. SPIEGEL ONLINE berichtet live mit einem Multimedia-Tagebuch vom Aufstieg.


Die ersten Menschen am höchsten Punkt der Welt: Der Neuseeländer Edmund Hillary und der Sherpa Tenzing Norgay
DPA

Die ersten Menschen am höchsten Punkt der Welt: Der Neuseeländer Edmund Hillary und der Sherpa Tenzing Norgay

Edmund Hillary und der Sherpa Tenzing Norgay saßen vor genau 50 Jahren im Basislager des Mount Everest. Die beiden wünschten sich nichts sehnlicher, als den höchsten Berg der Erde zu besteigen. Am 29. Mai 1953, 11.30 Uhr, sollte sich ihr Wunsch erfüllen. Der neuseeländische Bienenzüchter und der nepalesische Anführer der Lastenträger standen als die ersten Menschen auf dem 8848 Meter hohen Gipfel mitten im Himalaja.

Mehr als 30 Jahre lang hatten sich die Briten am "Chomolungma", der "Göttinmutter der Erde", wie die Einheimischen ihren Berg nennen, versucht. Acht Expeditionen scheiterten. Um als erste Nation den höchsten Punkt der Welt endlich zu erobern, stellte das britische Empire 1953 eine mittlere Armee auf die Beine: 350 Träger brachen Mitte März aus Katmandu auf und schleppten 180 Sauerstoffzylinder, 32 Sauerstoffapparate, Kocher, Zelte, und Leitern aus Metall an den Fuß des Everest - insgesamt 13 Tonnen an Ausrüstung. Allein zwölf Träger hatten die schweren Kisten mit Münzgeld zu tragen - den Sold für die Helfer. John Hunt, Oberst der britischen Armee, dirigierte seine bergsteigenden Soldaten, die zum Angriff auf den Sitz der "Göttinmutter" bliesen.

Ein halbes Jahrhundert später ist der Weg zum Gipfel des Bergs der Berge nicht weniger gefährlich und aufwendig. Auch mit moderner Hightech-Ausrüstung, künstlichem Sauerstoff und der Hilfe der Sherpa ist die Besteigung eine außergewöhnliche Leistung. Wer die Besteigungen der einheimischen Sherpa nicht mitzählt, kommt auf weniger als tausend Menschen, die den höchsten Berg der Welt erreichten. Etliche mehr dürften es inzwischen versucht haben, 175 ließen ihr Leben. Erst 21 Deutsche schafften es, der Welt aufs Dach zu steigen.

Mount Everest: Mehr als 175 Bergsteiger kamen seit der Erstbesteigung bei dem Versuch um, den Berg zu erklimmen
Oliver Häußler

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Im Jubiläumsjahr 2003 wird das sonst einsame Basecamp zu einem kleinen Dorf. So viele Expeditionen wie nie zuvor werden sich um die besten Zeltplätze in 5400 Meter Höhe schlagen. Einige der 22 Teams sind schon vor Wochen aufgebrochen, um sich einen guten Platz zu sichern. Andere haben einen Sherpa vorausgeschickt, um mit Fähnchen den Claim abzustecken. 500 Bergsteiger, Köche und Sherpa werden sich in diesem Jahr im Basislager aufhalten. Internetcafé, Livebands, kleine Läden im Basecamp - die Gerüchteküche, was in diesem Jahr alles geboten werden soll, brodelt.

Auch ein deutsch-schweizerisches Team, die Bad Heilbrunner Mount Everest Jubiläumsexpedition, ist bereits im Himalaja eingetroffen. Die vier deutschen und drei schweizerischen Bergsteiger haben einen Traum: Am 29. Mai 2003 um 11.30 Uhr wollen sie auf dem Berg der Berge stehen, nachdem sie Schritt für Schritt der Route von Hillary und Tenzing gefolgt sind. Die Vorbereitungen für den Besteigungsversuch dauerten mehr als ein Jahr, da die Teammitglieder ihre Expedition nicht von einem kommerziellen Veranstalter organisieren ließen.

Jubiläumsexpedition: Vier Deutsche und drei Schweizer wollen den Gipfel erklimmen, ein deutscher Arzt begleitet das Team
Oliver Häußler

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Der Yeti, die höchste Müllkippe der Welt und Millionärsgattinnen, die sich in "eisigen Höhen" von den Sherpa den Berg hochziehen lassen: Das sind die Klischees, mit denen ein Everest-Bergsteiger leben muss. Dass der Schneemensch mit dem weißem Zottelfell eine Erfindung britischer Zeitungen ist, wissen die wenigsten. Auch haben die Expeditionen zum Everest seit 1996 Umweltauflagen, die jedem schweizerischen Alpengipfel gut tun würden. Jeder Sauerstoffzylinder, jede Gaskartusche und jede Batterie müssen die Bergsteiger in die Hauptstadt Katmandu zur Entsorgung zurückbringen.

SPIEGEL ONLINE wird bis Ende Mai Bekanntes und Unbekanntes vom Berg der Berge berichten: Autor Oliver Häußler begleitet die Jubiläumsexpedition ins Basislager und wird dort hinter die Kulissen der Expeditionsszene schauen. Tag für Tag wird er per ISDN-Satellitenanlage E-Mails aus dem Himalaja senden - Berichte jenseits von heroischem Gipfelsturm, Sauerstoffflaschen und abgefrorenen Fußzehen. Im Forum können sich SPIEGEL-ONLINE-Leser über Höhenrausch und Höhenwahnsinn austauschen und täglich Fragen an Reporter Häußler stellen.



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