Foto: Kirkendall-Spring / Nature Picture Library / IMAGO

52 Reisetipps für 2022 Auf in eine andere Welt!

Ein dänischer Küstenabschnitt, eine Wüste voller Kakteen – und ein Ort, der für die meisten einfach nur Käse ist: Die 52 Reisetipps der »New York Times« sind so unterschiedlich und haben doch etwas gemein.
Von Julia Stanek

Die Welt hat sich verändert, das scheint inzwischen bei den meisten Menschen angekommen zu sein: Sie leidet massiv unter den Folgen der Klimakatastrophe, was etwa dort besonders sichtbar wird, wo wochenlang Wälder brennen und wahlweise Koalas oder Mammutbäume in den Flammen sterben. Aber nicht nur dort, weit weg von Deutschland – in Australien oder Kalifornien –, sondern auch an beliebten Urlaubszielen in Europa – praktisch vor unseren Augen – sind Auswirkungen auf Mensch und Natur längst spürbar.

In der Schweiz schmelzen die Gletscher rapide. Die viel zu trockenen Sommer in beliebten Urlaubsregionen wie der italienischen Amalfiküste  bereiten den Menschen Zukunftsängste. Und in Kopenhagen will man sich mit einer künstlichen Insel im Hafen vor den Folgen des Klimawandels, etwa dem steigenden Meeresspiegel und Sturmfluten, schützen.

Doch auf der großen Bühne des Weltuntergangs gibt es auch Szenen, in denen Leute und Initiativen auf der Suche nach einem Ausweg die Hauptrolle spielen. Sie kämpfen um die Lebensräume, die von dem von Menschen gemachten Klimawandel besonders bedroht sind. Sie haben oft große Ideen und setzen sie um – in der Hoffnung auf ein Morgen.

Um diese Orte geht es in den aktuellen Reiseempfehlungen der »New York Times«, die unter dem Titel »52 Places to Go« alljährlich für ein großes Interesse sorgen. Über die Ausgabe für das Jahr 2022 sagt Amy Virshup, Leiterin des »Times«-Reiseressorts: »Unsere Liste richtet den Blick auf Orte, an denen Besucher Teil der Lösung von Problemen sind – sei es Overtourism oder der Klimawandel.« Ja, die Welt habe sich verändert, so Virshup. Daher auch die Überschrift: »52 Places for A Changed World« .

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52 Reisetipps für eine veränderte Welt

Foto: Pete Ryan / Getty Images

Welche Regionen, Städte, Länder haben es in die Liste geschafft? Und warum?

Tipps für Reisen in Europa

  • Northumberland, England. Die Klippen von Dover, die Piers von Brighton – nicht mehr lange, und diese wie andere englische Küstenorte werden verbunden sein. Und zwar über den rund 4500 Kilometer langen England Coast Path . Die Regierung hat den Küstenwanderweg entwickeln lassen, um den öffentlichen Zugang zur Küste zu verbessern, Landschaft wiederherzustellen und um insgesamt nachhaltiges Reisen zu stärken.

  • Höga Kusten, Schweden. Die wilde Region im Norden des Landes, auch als »Hohe Küste« bekannt, gehört seit dem Jahr 2000 zum schwedisch-finnischen Unesco-Weltnaturerbe »Schärenküste – Kvarken-Archipel«. Endlose Wanderwege und der Ausblick aufs Meer machen die Schönheit der Gegend aus, die sich dem nachhaltigen Tourismus verschrieben hat. Bis 2030 will die Höga Kusten CO2-neutral werden, »um die Küste, ihre schönen Seen und alten Wälder zu schützen«, wie es in der »New York Times« heißt. Im vergangenen Sommer hat man hier neue Elektrobusse eingeführt, die Wanderer von den Ortschaften zum Eingang des Nationalparks bringen. Im Rahmen eines Architekturfestivals sind in den vergangenen Jahren mitten in der Natur sehr besondere, fast schon skulpturale Hütten und Unterstände  entlang der Wanderwege entstanden.

  • Normandie, Frankreich. Allein die neue 260 Kilometer lange Fahrradroute La Seine à Vélo  – sie führt von Paris bis an die Küste – lohne den Besuch laut »New York Times«, wenn's einem wichtig ist mit dem nachhaltigen Reisen. Entlang der Strecke befänden sich umweltfreundliche Radlerunterkünfte, der Tourismus sei hier mit der lokalen Community verknüpft – und dann führe die Route auch noch durch das Pays d’Auge, eine grüne Landschaft, die für die Produktion von Camembert, Calvados und Cidre berühmt sei.

  • Gouda, Niederlande: Ja, Sie haben richtig gelesen. Die eine gute Autostunde südlich von Amsterdam liegende Stadt ist zwar hauptsächlich für ihren Käse bekannt. Doch laut der »New York Times« ist »Gouda eine ideale Basis für einen autofreien Urlaub in den Niederlanden«. Das gut ausgebaute System von markierten Radrouten (mit Ladestationen für E-Bikes) mache es leicht, Stadt und die Region zu erkunden. Mit einem Gouda-Besuch tut man nicht nur der Umwelt etwas Gutes – sondern erspart in dem Moment vielleicht auch Amsterdam die eigene Anwesenheit. Dort ist man der vielen Touristinnen und Touristen schon lange überdrüssig . So sehr, dass man schon gar nicht mehr um Reisende wirbt.

  • Chioggia, Italien: Beim Stichwort Overtourism fällt einem sofort Venedig ein – und so verwundert es nicht, dass die »Times« das im Süden der Lagune liegende Chioggia als »reizende Alternative« anpreist. Urlauberinnen und Urlauber würden von den »architektonischen Schönheiten im historischen Zentrum« genauso angezogen wie von den familienfreundlichen Stränden in der Nähe.

Arizona bis Vanuatu: Die große weite Welt

Die »New York Times« lobt natürlich auch Projekte in der Heimat USA und auch in anderen Ländern fern von Europa:

  • Saguaro National Park in Arizona, USA: Millionen Kakteen sind vom Feuer bedroht, das hier immer häufiger ausbricht. Eine Initiative im Park hat damit begonnen, das sogenannte Büffelgras zu entfernen, eine dürreresistente Pflanze, die bei Bränden wie Öl funktioniert.

  • Australiens Daintree Rainforest: 400.000 Hektar Land wurde den Eastern Kuku Yalanji , Ureinwohnern Australiens, zurückgegeben. Es wird angenommen, dass die Aboriginals bereits 50.000 Jahre lang hier im Nordosten des Kontinents lebten.

  • Hoonah in Alaska, USA: Einst lebten die Menschen hier vom Fischfang und der Holzwirtschaft. Doch heute ist das keine tausend Einwohner zählende Dorf am Pazifik vor allem als Anlegeort für Kreuzfahrtschiffe bekannt. Die Community vor Ort – sie besteht etwa zur Hälfte aus Angehörigen der Tlingit, einem Ureinwohnervolk Nordamerikas – hat sich nun aber dem nachhaltigen Tourismus verpflichtet. Die Natur im Hinterland gibt es her: Reisende können hier zu Bären- und Walbeobachtungstouren aufbrechen. Die Huna Totem Corporation, eine den Einheimischen gehörende Tourismusinitiative, ist dabei, eine Liftanlage mit Gondeln aufzubauen, um Besucherinnen und Besucher auf den Huna Mountain zu bringen – und dabei auf Busse zu verzichten.

  • Chimanimani National Park, Mosambik: Im Mai 2021 wurde in Mosambik, an der Grenze zu Simbabwe, ein spektakulärer Nationalpark eröffnet. Zu sehen sind hier Felsmalereien, heilige Berge und der höchste Gipfel des Landes, der Mount Binga. Es ist das Habitat vieler Pflanzenarten und von Vögeln wie dem Südlichen Hornraben, winzigen Frösche und Agama-Eidechsen. Für die »Times« ist es ein Zeichen von Resilienz, dass das Land diese Eröffnung feierte – in einer Zeit der Dreifachkrise: Klimawandel, die Coronapandemie und Konflikte. »Es ist nicht das erste Mal, dass Mosambik durch solch eine Krise geht. Der mehr als 15 Jahre dauernde Bürgerkrieg forderte eine Million Todesopfer und einen riesigen Wildlife-Rückgang.«

  • Vanuatu: In internationalen Rankings landet der Inselstaat im Südpazifik oft unter den glücklichsten Nationen – doch Vanuatu kennt auch das Desaster. Wegen des Klimawandels kommen extreme Wetterphänomene wie schwere Zyklone bereits häufiger vor. Und dann ist da noch der ansteigende Meeresspiegel, der Orte wie diesen eines Tages ausradieren wird, wenn nichts passiert. »Dieses winzige Land mit 300.000 Einwohnern führt nun den Kampf gegen den Klimawandel«, schreibt die »Times«. Es will, dass ihm der Internationale Gerichtshof dabei hilft, die Katastrophe abzuwenden.

Die Reiseindustrie trage Verantwortung für die Treibhausgasemissionen, schreibt die »News York Times« – und zwar zu acht bis elf Prozent, wie der World Travel & Tourism Council  errechnet hat. Beim Klimagipfel in Glasgow im Herbst 2021 habe sich die Tourismusindustrie dazu verpflichtet, die Emissionen bis 2030 zu halbieren – und bis 2050 auf null zu kommen.

»Diese Liste zeigt Orte, in denen Veränderung bereits passiert«, schreibt die US-Zeitung. Wo bedrohte Landstriche und Tierarten geschützt würden, historische Fehler Anerkennung fänden, schwache Gemeinden gestärkt würden – »und wo Reisende Teil des Veränderungsprozesses sein können«.

Seit 2008 kürt die »News York Times« am Anfang eines Jahres die spannendsten Ziele, die Weltenbummler auf ihre Bucket List setzen könnten. Im vergangenen Jahr fiel die Tradition aus – wegen Corona. Statt einer von Journalistinnen und Journalisten des Blatts kuratierten Tippliste veröffentlichte die »Times« die Lieblingsorte , die Leserinnen und Leser eingeschickt hatten.

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