Made by China Äthiopien weiht Bahnstrecke ans Meer ein

Äthiopien hat eine neue Bahnstrecke eröffnet - damit wird die Reise von der Hauptstadt Addis Abeba nach Dschibuti am Roten Meer um ein Vielfaches schneller. Finanziert und gebaut wurde das Projekt von Chinesen.

REUTERS

Äthiopien hat eine neue Eisenbahnstrecke zwischen der Hauptstadt Addis Abeba und Dschibuti am Roten Meer eingeweiht. Die Züge werden die 750 Kilometer lange Strecke in rund zehn Stunden zurücklegen - und damit viel schneller als ein Auto auf der ständig verstopften Straße voller Schlaglöcher. Diese Reise dauert in der Regel zwei bis drei Tage.

Die neue, voll elektrifizierte Strecke ersetzt die 1917 von den Franzosen erbaute Strecke für Dieselloks, die schon lange nur noch zwischen Dire Dawa und Dschibuti betrieben wird . Nach der Einweihung sollen drei Monate lang nur Güterzüge im Probebetrieb fahren. Danach können auch Passagiere befördert werden.

Die neue Bahnstrecke soll aber vor allem helfen, die Wirtschaft anzukurbeln. Derzeit befahren täglich rund 1500 Lastkraftwagen die Straße zwischen der Hauptstadt und der Hafenstadt im Staat Dschibuti, die als Freihafen für Äthiopien den Zugang zu Asien, Europa und dem Rest Afrikas darstellt.

"Dieser Zug wird alles ändern. Äthiopien ist eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Afrikas. Mit der Verbindung nach Dschibuti wird die Wirtschaft einen Sprung machen", sagte der Projektmanager der Äthiopischen Eisenbahngesellschaft, Mekonnen Getachew.

Das Land am Horn von Afrika verzeichnete im vergangenen Jahr ein Wirtschaftswachstum von 10,2 Prozent. Wegen der starken Dürre wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr aber laut Schätzung des Internationalen Währungsfonds nur 4,5 Prozent zulegen.

Finanziert hat die rund drei Milliarden Euro teure Eisenbahnstrecke zu 70 Prozent die chinesische Exim-Bank, gebaut haben sie die beiden Unternehmen China Railway Group und China Civil Engineering Construction.

Chinesische Techniker werden die Strecke betreuen, chinesische Kontrolleure die Tickets der Fahrgäste prüfen. "Wir haben noch nicht die Management-Erfahrung", sagte Getachew. Der Vertrag mit den Chinesen laufe fünf Jahre, dann sollen Äthiopier übernehmen.

Eröffnung der Tram in Addis Abeba (September 2015)
DPA

Eröffnung der Tram in Addis Abeba (September 2015)

Vor einem Jahr wurde in Addis Abeba die neue Stadtbahn eingeweiht - auch sie wurde von Chinesen gebaut und finanziert.

Es ist die erste vollelektrische Stadtbahn ihrer Art in den knapp 50 Staaten Afrikas südlich der Sahara. Auch die Schaffner der Tram kommen aus China, und auch diese Bahn soll den Äthiopiern erst nach fünf Jahren Betrieb vollständig übergeben werden.

Experten sehen die Finanzierung durch China kritisch. Sowohl die steigende Staatsverschuldung als auch die Gefahr, dass dringende Wirtschaftsreformen angesichts von prestigereichen Großprojekten vergessen werden, können ein Risiko sein.

"Die chinesische Vorliebe, eigene Materialien und Arbeiter mitzubringen, führt dazu, dass ihre Investitionen weder den Arbeitsmarkt unterstützen noch die örtliche Industrie stärken", sagte Afrika-Analystin Emma Gordon von der Beratung Verisk Maplecroft, als die Tram eröffnet wurde.

abl/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.