Einmalige Fotoserie Geisterstunde in Jakutien

Einmal im Jahr ist im russischen Jakutien die Zeit der Geisterbeschwörer: Anhänger des Aiyy-Glaubens kommen zusammen, um eine tiefe Verbindung zur Natur zu spüren. Einer Fotografin gelang es, ganz nah dabei zu sein.

Ayar Kuo

Eigentlich wollte die Russin Ayar Kuo nur mit der Kamera dokumentieren, wie die Menschen in ihrer Heimatregion Jakutien auf Festivals eine Verbindung zu den Naturgeistern suchen. Doch bald war sie so fasziniert von den Ritualen der Aiyy-Priester, dass sie manchmal die Kamera weglegte und selbst zur Teilnehmerin wurde.

"Ich habe angefangen, zu verstehen und zu glauben, und habe einige der Rituale mit in meinen Alltag genommen", sagt die Fotografin, die heute in Frankreich lebt. "Zum Beispiel spreche ich nun manchmal mit den Geistern, wenn ich im Wald bin".

Der Aiyy-Glauben ist mit Schamanismus und Animismus verwandt. Auf jährlich um die Sommersonnenwende stattfindenden Festivals versuchen Priester und Teilnehmer, mit den Geistern der Natur in Kontakt zu kommen. Es wird getanzt und gesungen, der Boden wird mit Stutenmilch gesegnet, die als heilig gilt. Höhepunkt ist der Gruß an die Sonne, bei dem alle die Hände zum Himmel strecken. "Zentral ist der Glaube, dass jedes Objekt eine Seele hat", erklärt Kuo.

Für sie war es bei diesem Projekt ein großer Vorteil, dass sie selbst aus der Republik Jakutien stammt, einem Gebiet im kargen Nordosten Russlands, das fast so groß wie Indien ist, aber weniger als eine Million Einwohner hat. "Durch meine Herkunft war es einfacher, mit den Menschen in Kontakt zu kommen und nicht als Störfaktor wahrgenommen zu werden", sagt Ayar Kuo. Ihren Bildern merkt man diese besondere Nähe zum Thema an - sie sind ein seltenes Dokument dieser heidnischen Rituale, die außerhalb Russlands bislang nur wenig bekannt sind.

Hier geht's zur Fotostrecke!

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