Als Housesitter um die Welt Mein Pool, mein Tennisplatz, mein Weinberg

Das Budget ist knapp, aber auf Luxus unterwegs wollen sie nicht verzichten: Die Blogger Tanbay Theune und Laura Cody reisen günstig und trotzdem hochherrschaftlich - sie hüten fremde Häuser in aller Welt.

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Zur Person
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    Tanbay Theune aus Oldenburg, 26, und die Britin Laura Cody, 23, bereisen die Welt seit fast zwei Jahren als Housesitter. Über seine Erfahrungen berichtet das Paar auf dem Blog "Travelling Weasels". Nach einem neunmonatigen Australien-Aufenthalt sind Theune und Cody derzeit als Haushüter in Europa unterwegs.
SPIEGEL ONLINE: Wo erreichen wir Sie gerade?

Tanbay Theune: An der Algarve in Portugal, wir passen nahe am Strand auf ein Haus mit Orangenplantage auf. Danach geht's nordwärts weiter Richtung Maastricht. Unser holländisches Zuhause auf Zeit hat einen privaten Pool, wir sind gespannt auf die Stadt.

SPIEGEL ONLINE: Für solche schicken Unterkünfte müsste man bei Airbnb oder einem Ferienhausvermieter viel bezahlen.

Theune: Stimmt, normalerweise würden solche Luxusaufenthalte unser Reisebudget sprengen. Als Housesitter wohnen wir jedoch umsonst.

SPIEGEL ONLINE: Was müssen Sie dafür tun?

Theune : Wir halten die Häuser sauber und sorgen dafür, dass sie bewohnt aussehen. Oft brauchen die Besitzer jemanden, der tierlieb ist und auf die Hunde oder Katzen aufpasst. Gassi gehen, füttern - das ganze Programm. Mittlerweile kennen wir uns auch mit Schafen, Hühnern und Enten aus. In Portugal haben wir gerade eine Schildkröte.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, als Housesitter die Welt zu bereisen?

Theune: Unser Leben in England hat sich nicht mehr richtig angefühlt. Wir wohnten zusammen in Birmingham, studierten und arbeiteten, mussten Monat für Monat eine hohe Miete für eine Wohnung aufbringen, die nicht mal besonders schön war. Also haben wir uns nach alternativen Lebensmodellen umgesehen. Unseren ersten Housesit hatten wir in Australien. Neun Monate waren wir im Land unterwegs.

SPIEGEL ONLINE: Wie funktioniert eine Bewerbung?

Theune: Alle unsere Unterkünfte haben wir über die kostenpflichtige Vermittlung von Trusted House Sitters bekommen. Bevor wir einen Auftrag annehmen, skypen wir mit den Auftraggebern, um sicherzugehen, dass alles passt und wir alle Pflichten erfüllen können. Meist kommen wir dann ein oder zwei Tage, bevor die Besitzer abreisen, und machen uns mit dem Haus und natürlich den Tieren vertraut.

SPIEGEL ONLINE: Abgesehen von den Unterkunftskosten, die Sie als Housesitter sparen: Was ist der Vorteil Ihrer Reisemethode?

Theune: Wir profitieren natürlich von all den Annehmlichkeiten, die Häuser bieten: Es gibt eine Waschmaschine, schnelles Internet, meistens eine super ausgestattete Küche und ein gemütliches Bett. Außerdem fühlt man sich mit einem Hausschlüssel in der Hand vor Ort schnell heimisch. Und wir kommen in Gegenden, die wir sonst nicht auf unserem Reiseradar gehabt hätten: Newcastle in Australien hat uns sehr gefallen, Malaga und Ancona waren traumhaft. Dort hatten wir einen Weinberg und einen Olivengarten.

Spiegel Online: Und die Hausbesitzer?

Theune: Die sind oft wahnsinnig nett: In Italien hatten sie bei unserer Ankunft ein richtiges Festmahl für uns vorbereitet und schenkten uns später als Dankeschön einen Camcorder. In Australien hat uns die Auftraggeberin nach dem Haussit noch für einige Tage ihr Ferienhaus auf Kangaroo Island überlassen.

SPIEGEL ONLINE: Warum schenken Hausbesitzer Wildfremden so viel Vertrauen?

Theune: Als wir im Juli 2013 mit dem Housesitting anfingen, war es tatsächlich schwierig, die ersten Aufträge zu bekommen. Einige Hausbesitzer störten sich an unserem Alter. Die dachten wohl, wir würden ihre Häuser mit Partys ruinieren oder die Tiere vernachlässigen. Inzwischen helfen unsere guten Referenzen.



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