Antarktis "Die Stille, das Licht, das Blau!"

Längst sind die Zeiten vorbei, als nur Forscher und Abenteurer in die Antarktis aufbrachen. Kreuzfahrtschiffe bringen jährlich Zehntausende in die "unberührte" Natur. Doch nicht nur die Umwelt leidet unter steigenden Touristenzahlen - der Charme eines Kontinents ist in Gefahr.


Ushuaia - Auf der Suche nach immer neuen Zielen hat der internationale Tourismus die Antarktis entdeckt - an die 30.000 Reiselustige werden in diesem Winter per Schiff zwischen den Eisbergen kreuzen. Die Gefahr für die Umwelt wächst mit den Besucherzahlen, doch die Veranstalter geben sich gelassen. Die Bootsfahrt von der Südspitze Argentiniens in die eisigen Gewässer ist nicht gerade bequem, aber sie hinterlässt einen bleibenden Eindruck. "Das ist ein anderer Planet, das kann man kaum wiedergeben - die Stille, das Licht, das Blau der Eisberge, das vergisst man nie", sagt die junge Deutsche Alexandra, die gerade von einem Antarktisausflug zurückgekommen ist.

Antarktis-Touristen: Rund 50 Schiffe bringen Besucher von Argentinien zum weißen Kontinent
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Antarktis-Touristen: Rund 50 Schiffe bringen Besucher von Argentinien zum weißen Kontinent

Die Zahl der Touristen habe sich in den vergangenen zehn Jahren verfünffacht, sagt Denise Landau, Direktorin des Internationalen Verbandes der Antarktis-Reiseveranstalter (IAATO). Rund 50 Schiffe verlassen während des Südpolwinters zwischen November und März den argentinischen Hafen Ushuaia, um die unruhigen Gewässer der Drake-Straße zwischen dieser südlichsten Stadt der Erde und dem Eis der Antarktis zu befahren.

Eines dieser Schiffe ist die "Regal Princess", die bis zu 1600 Passagiere transportieren kann, bisher aber meistens Gruppen von rund 200 Fahrgästen mitnimmt. Der internationale Antarktis-Vertrag setzt nämlich enge Grenzen, um die Umwelt dieser Landschaft zu schützen. Maximal 100 Menschen dürfen gleichzeitig am selben Ort das Boot verlassen und an Land gehen. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass zu viele Schiffe gleichzeitig in einer Bucht Halt machen. Schon lange sei davon die Rede, die Größe der Boote zu beschränken, sagt die IAATO, doch bislang ist keine Entscheidung getroffen.

Bei "kleinem Seeunfall" lief Diesel aus

Denn ein großes Schiff ist in den unsicheren Gewässern auch großen Gefahren ausgesetzt. Vor einigen Wochen rammte der norwegische Passagierdampfer "Nordkaap" einen Felsen in der Bucht von Deception Island. Dabei liefen mehrere hundert Liter Diesel aus. Die IAATO-Beauftragte Landau wiegelt ab: Es sei nur "ein kleiner Seeunfall" gewesen, der Schaden sei gering. Dass der Anstieg der Besucherzahlen dieser unberührten Landschaft auf Dauer ihren Charme nehme, sei unausweichlich, sagt ein Franzose, der seit 20 Jahren Gäste mit seinem Segelboot in die Antarktis schippert, aber nicht namentlich erwähnt werden möchte. Diese "kommerzielle Entwicklung ist wohl nicht zu verhindern."

Für die Passagiere ist die Reise nicht immer ein Zuckerschlecken. Alexandras Freund Matthias Leyer meint sogar, er wäre "vielleicht nicht an Bord gegangen, wenn ich gewusst hätte, wie schrecklich die Überfahrt ist". Doch im Nachhinein bedauert der 30-Jährige die Reise nicht. Zumal er sie als "Last Minute"-Angebot zum halben Preis bekam. Regulär müssen die Fahrgäste nämlich für den Ausflug zum Südpol tausende Euro hinblättern. Chris Shipp, Zahnarzt aus dem südenglischen Southhampton, musste mit seiner Frau Shirley-Anne insgesamt 8000 Euro für eine zehntägige Fahrt berappen.

Derzeit ist ein Antarktis-Trip also nicht für jeden erschwinglich, doch angesichts des steigenden Angebots sinken die Preise. Auch eine Gruppe von Chinesen war mit Alexandra und Matthias an Bord. Allerdings seien die mit ihrer Reise nicht ganz zufrieden gewesen: Das Essen schmeckte ihnen nicht.

Olivier Baube, AFP



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